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HomeNachrichten aus JapanKriminalität & RechtFamilie von verstorbener Sri Lankerin lässt Entscheidung der Staatsanwaltschaft überprüfen

Staatsanwaltschaft lehnte den Fall zuletzt ab

Familie von verstorbener Sri Lankerin lässt Entscheidung der Staatsanwaltschaft überprüfen

Letztes Jahr sorgte der Tod einer Frau aus Sri Lanker in einer von Japans Einwanderungshaftanstalten für großes Aufsehen und machte auf die Misshandlungen aufmerksam, die Ausländer in den Einrichtungen erfahren. Die Familie der Frau plant jetzt den Fall überprüfen zu lassen, da sich die Staatsanwaltschaft nicht mehr damit beschäftigen will.

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Die Familie hatte letzten November Strafanzeige gestellt und den Zuständigen grobes Fehlverhalten vorgeworfen, das zum Tod der Frau geführt hat. Das Nagoya District Public Prosecutors Office entschied aber am 17. Juni, dass die Anklage fallen gelassen wird.

Staatsanwaltschaft sieht kein Fehlverhalten

Aus dem Grund will die Familie am 8. August eine Beschwerde bei einem unabhängigen Komitee für die Untersuchung der Staatsanwaltschaft einreichen. Man möchte eine Überprüfung des Falls erreichen, in der Hoffnung, dass er doch noch vor Gericht kommt.

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Direkt sollen der Direktor, der stellvertretenden Direktor und die damals diensthabenden Mitarbeiter der Einrichtung zur Rechenschaft gezogen werden. Insgesamt werden 13 Beamte beschuldigt, für den Tod der Frau verantwortlich zu sein.

Das Komitee, das aus Bürgern besteht, soll prüfen, ob die Entscheidung der Staatsanwaltschaft korrekt ist. Die Staatsanwaltschaft hatte angegeben, dass sie nicht sagen können, ob Beamte eine medizinische Versorgung bei der Frau versäumt haben. Ebenfalls sei nicht zu erkennen, dass die Einwanderungsbehörde keine angemessene Nahrung oder Gesundheitsversorgung bereitgestellt habe. Zusätzlich sei es nicht möglich gewesen, eine Todesursache zu ermitteln oder ob der Tod mit der Behandlung in der Einrichtung zusammenhängt.

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Ratnayake Liyanage Wishma Sandamali verstarb am 6. März 2021 mit nur 33 Jahren in ihrer Zelle im Nagoya Regional Immigration Services Bureau. Die junge Frau war als Studentin 2017 aus Sri Lanker nach Japan gekommen und versäumte es, ihr Visum zu erneuern. Im August 2020 wurde sie dann von den Behörden festgenommen, nachdem sie bei der Polizei häusliche Gewalt durch ihren damaligen Freund melden wollte. Während sie in der Einrichtung war, drohte ihr Ex-Freund ihr, sie zu ermorden.

Todesfall der Sri Lankerin sorgt für landesweites Entsetzen

Wishma erkrankte in der Einrichtung schwer und klagte wiederholt über Bauchschmerzen und Erbrechen. Ihr Zustand verschlechterte sich rapide und auch ein kurzer Arztbesuch brachte wenig Besserung, da Empfehlungen zu einer vorübergehenden Entlassung ignoriert wurden.

Kurz vor ihrem Tod bat Wishma wiederholt um medizinische Hilfe und wollte unter anderem in ein Krankenhaus, da sie so gut wie nichts mehr essen konnte. Das wurde allerdings von den zuständigen Beamten abgelehnt. Eine ausreichende medizinische Versorgung in der Einrichtung selbst gab es nicht.

Der Tod von Wishma sorgte erstmals dafür, dass Japans Bevölkerung großflächig auf die Zustände in den Einwanderungseinrichtung aufmerksam wurde. Auch die Regierung befasste sich mit dem Thema und wollte sogar das derzeitige Abschiebegesetz anpassen. Jedoch wurde der Entwurf dazu nach massiver Kritik vorerst aufgegeben.

Japan steht schon seit Jahren in der internationalen Kritik für seine Behandlung von Ausländern in den Einrichtung und der allgemeinen Abschiebepolitik. Die Hafteinrichtungen haben kaum eine ausreichende medizinische Versorgung, Insassen werden unmenschlich behandelt und auch rassistisches Personal ist ein Problem.

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