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HomeNachrichten aus JapanKriminalität & RechtFusako Shigenobu, Gründerin der Terrorgruppe “Japanische Rote Armee”, aus dem Gefängnis entlassen

Nach 20 Jahren Haft

Fusako Shigenobu, Gründerin der Terrorgruppe “Japanische Rote Armee”, aus dem Gefängnis entlassen

Die Japanische Rote Armee (JRA) war in den 70er und 80er Jahren weltweit aktiv und verübte schwerste Verbrechen. Bis heute konnten nicht alle ihre Mitglieder gefasst werden. Die Gründerin der Gruppe, Fusako Shigenobu, durfte nach zwanzig Jahren Haft nun das Gefängnis verlassen.

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Shigenobu, die heute 76 Jahre alt ist, wurde im Jahr 2006 als Drahtzieherin hinter einer Geiselnahme in der französischen Botschaft in Den Haag verurteilt. Die hatte sich bereits im Jahr 1974 zugetragen. Kämpfer der JRA stürmten damals das Botschaftsgebäude, nahmen unter anderem den Botschafter als Geisel und harrten fünf Tage in dem Gebäude aus. Ihr Ziel war die Befreiung eines in Paris inhaftierten Mitstreiters.

Shigenobus Weg von der Studentenbewegung zur Terroranführerin

Die Geiselnahme endete mit der geforderten Freilassung und der Flucht der Geiselnehmer per Flugzeug nach Syrien. Von der syrischen Regierung wurden sie gezwungen, Lösegeld und Waffen wieder abzugeben, wurden aber nicht verhaftet. In Verbindung mit dem Vorfall steht ein Bombenanschlag auf ein Café in Paris, der von einer verbündeten Gruppierung während der Geiselnahme durchgeführt wurde, um Druck auf die französische Regierung auszuüben. Der Anschlag forderte mehrere Todesopfer und führte dazu, dass den Forderungen der JRA nachgegeben wurde.

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Die in Tokyo geborene Shigenobu, Tochter eines Majors der Kaiserlichen Japanischen Armee, studierte in ihrer Jugend Politische Ökonomie und schloss sich Studentenbewegungen an. Während des Studiums radikalisierte sie sich, bis sie schließlich 1971 in den Libanon reiste und dort die JRA gründete. Diese vernetzte sich mit anderen linksextremistischen Gruppen weltweit, insbesondere der Volksfront für die Befreiung Palästinas, mit dem Ziel, irgendwann eine globale sozialistische Revolution herbeizuführen.

Dreißig Jahre verbrachte Shigenobu im Libanon, gewann andere japanische Staatsbürger für die JRA und brachte dort ihre Tochter Mei zur Welt. Unter ihrer Führung verübte die JRA einen Selbstmordanschlag auf den israelischen Flughafen Lod und schließlich die Geiselnahme in Den Haag. Auch eine Reihe weiterer tödlicher Angriffe gehen auf das Konto der JRA, die zudem durch die Zusammenarbeit mit dem lybischen Diktator Muammar Al-Gaddafi auch finanzielle Mittel für ihre Aktionen einwerben konnte. Sogar Verbindungen zur Staatssicherheit der DDR wurden Shigenobu im Rahmen von investigativen Recherchen nachgesagt, die sie jedoch abstreitet.

Fahndungserfolg lange nach dem Ende der JRA-Aktivitäten

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Auch nachdem die JRA 1988 ihre Aktionen eingestellt hatte, wurde international weiterhin nach ihren Mitgliedern gefahndet. Ein Dutzend von ihnen konnte bis heute festgenommen werden, nach einigen wird weiterhin gefahndet. Ob sie überhaupt noch am Leben sind, ist unbekannt – alle bekannten JRA-Mitglieder sind heute über 70 Jahre alt.

In den 90er Jahren baute Shigenobu die “Revolutionäre Volkspartei” unter dem Schleier der Organisation “Das 21. Jahrhundert der Hoffnung” auf, mit dem Ziel einer bewaffneten Revolution in Japan. Dafür kehrte sie schließlich aus dem Libanon zurück und versteckte sich in Osaka. Dort kam ihr im Jahr 2000 die japanische Polizei auf die Schliche, die Untersuchungen zu Unterstützern der JRA durchführte. Anhand von Fingerabdrücken und auffälliger Gewohnheiten konnte sie schließlich identifiziert und festgenommen werden.

Nach einer langen Phase der Ermittlungen und einer ausführlichen Verhandlung wurde Shigenobu in 2006 zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah ihre Verantwortung für die Geiselnahme in Den Haag als erwiesen an, zudem wurde ihr die Nutzung eines gefälschten Passes zur Last gelegt. Unter Anrechnung von Haftzeiten vor der Verhandlung kam schließlich eine Strafe von siebzehn Jahren zustande – die nun endete.

Shigenobu möchte weiter politisch aktiv bleiben

Ihre terroristische Vergangenheit hat Shigenobu eigener Aussage nach hinter sich gelassen. Vom Gefängnis aus löste sie 2001 die JRA auf. Zuletzt war sie im medizinischen Gefängnis der Stadt Tokyo untergebracht, in das sie wegen einer Krebserkrankung verlegt wurde. Von dort wurde sie nun entlassen und von Unterstützern sowie Reportern empfangen. Gegenüber den Medien sagte sie: “Ich entschuldige mich dafür, Menschen Schaden zugefügt zu haben, die ich nicht kannte. Jetzt möchte ich mich zuerst auf meine Therapie und das Lernen konzentrieren.“

Zu den Idealen, die sie zur Terroristin, machten, steht die Frau jedoch weiterhin. Sie gab zu, Fehler gemacht zu haben, sei aber auch “dankbar, dass ich nach meinem Verlangen gelebt habe, die Welt zu einem Besseren zu verändern. […] Wenn es von mir verlangt wird, als Zeitzeugin, werde ich meine Rolle beim Vermitteln von Reflexionen und Zusammenfassungen spielen”, schrieb sie, in einer Erklärung, die sie am gleichen Tag veröffentlichte.

Ihr Leben in Freiheit will Shigenobu gemeinsam mit ihrer Tochter zubringen. Die bestätigte, dass ihre Mutter sich von Gewalt abgewendet hat und nun über soziale Medien mit der Welt kommunizieren möchte. Shigenobu plant zudem, weiterhin über das Leid der Palästinenser in den israelisch besetzten Gebieten zu schreiben.

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