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Kein Geld mehr für Verbrecher

Geschäftsinhaber in Tokyo zahlen wegen der Pandemie kein Schutzgeld mehr

Da Geschäftsinhaber wegen der Pandemie auch in Japan mit sinkenden Einnahmen zu kämpfen haben, haben die meisten von ihnen mittlerweile die Zahlung von Schutzgeld an das organisierte Verbrechen eingestellt.

Nach Angaben des Metropolitan Police Department (MPD) in Tokyo wurden seit Ende 2020 mindestens 20 oder mehr Geschäfte bestätigt, welche die Zahlungen eingestellt haben.

Schutzgeld unter dem Deckmantel von teurer Dekoration

Ein 57-jähriger Geschäftsinhaber aus Tokyo erklärte in einem Interview mit japanischen Medien am 22. April, warum er sich dazu entschlossen hat.

Es begann an einem späten Dezemberabend vor etwa fünf Jahren, als plötzlich zwei Männer seinen Laden betraten und ihn fragten, ob er eine traditionelle japanische Neujahrsdekoration „shimekazari“ kaufen wolle. Der Besitzer lehnte zunächst ab und sagte, er bräuchte sie nicht, doch dann flüsterte ihm einer der beiden zu: „Ist es Ihnen egal, was passiert?“ Aus Sorge um das, was seinen Kunden und Angestellten widerfahren könnte, zahlte er schließlich 10.000 Yen für die Dekoration.

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Das gleiche Duo ist seitdem jedes Jahr am Ende des Jahres aufgetaucht, um die Dekoration zu verkaufen. Obwohl er den relativ hohen Preis nicht zahlen wollte, kaufte er sie weiter, weil er dachte, es sei besser, als Ärger zu bekommen.

Im Dezember 2020 besuchte ihn zum ersten Mal ein Polizeibeamter, der in den umliegenden Geschäften seine Runden drehte, um sie vor Schutzgeldforderungen, auf Japanisch „mikajime-ryo“, zu warnen.

Der Beamte kam daraufhin mehrmals in das Geschäft, um sich mit dem Geschäftsinhaber zu beraten. Der Besitzer beschloss, die Zahlungen einzustellen, unter anderem weil der durch die Pandemie verursachte Kundenrückgang den Laden tief in die roten Zahlen brachte.

In diesem Jahr kam nur noch einer der beiden Männer. Als der Besitzer sich weigerte und ihm sagte, er habe mit der Polizei gesprochen, gab der Mann auf und ging. Später erfuhr er von einem Polizeibeamten, dass gegen denselben Mann ein Platzverweis auf der Grundlage des Gesetzes zur Verhinderung unrechtmäßiger Handlungen von Mitgliedern der organisierten Kriminalität verhängt worden war.

Seitdem ist der Besitzer nicht mehr Bandenmitgliedern belästigt worden und er sagte: „Ich bin erleichtert. Selbst wenn in Zukunft ein Mitglied einer Bande in meinen Laden kommt, werde ich sie abweisen.“

Verbrecherbanden klagen über Kundenschwund

Schutzgeld von Geschäften in Privatbesitz zu verlangen ist eine altbewährte Taktik, die „shinogi“ genannt wird. Aber laut einem Mitglied einer Verbrechergruppe weigern sich die Geschäftsinhaber in letzter Zeit oft zu zahlen.

Laut der dritten Abteilung für organisierte Kriminalität des MPD gingen in der Vergangenheit Polizeibeamte in Geschäfte und forderten Besitzer auf nicht zu zahlen. Die Unternehmen zögerten jedoch aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen der Banden.

Aber es wird nun vermutet, dass sich in letzter Zeit immer mehr Geschäfte das Schutzgeld nicht mehr leisten können, weil die Pandemie zu einem Einbruch der Einnahmen führte. Der Leiter der Abteilung sagt: „Wir möchten dies als Gelegenheit nutzen, um die jahrelangen Zwänge zu durchbrechen.“ Es werden bei Meldungen umgehend Maßnahmen ergriffen, weswegen Ladenbesitzer sich an die Polizei wenden sollen.

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