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HomeNachrichten aus JapanKriminalität & RechtImmer mehr Japanerinnen greifen zu Apps als Waffe gegen Grapscher

Apps als Hilfsmittel im Kampf gegen „Chikan“

Immer mehr Japanerinnen greifen zu Apps als Waffe gegen Grapscher

Viele Frauen und Mädchen in Japan haben Probleme, verbal um Hilfe zu bitten, wenn sie zum Beispiel im Zug von anderen Personen „begrapscht“, also unangemessen berührt und belästigt werden. Spezielle Apps sollen den Betroffenen helfen, ihre Notlage anderen deutlich zu machen.

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Seitdem nun wieder viele Menschen täglich zur Arbeit und in ihre Büros fahren, berichten immer mehr Betroffene in den sozialen Medien von ihren Erfahrungen im Umgang mit „Chikan“ (grapschen oder tasten). Viele von ihnen benutzen inzwischen Apps, die speziell für solche Fälle konzipiert wurden.

Smartphone-Apps zur Verbrechensverhütung

Besonders häufig wird die sogenannte „Digi Police“-App genutzt. Über die App wird auf dem Bildschirm des Smartphones ein Text angezeigt, der den anderen Mitfahrenden in der Nähe mitteilt, dass die jeweilige Person gerade belästigt wird, demnach also in Not ist.

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Die Betroffenen brauchen ihr Smartphone mit dem Text dann nur noch in die Höhe zu halten. Des Weiteren kann über die App auch ein Hilferuf versendet werden.

Die App wurde 2016 vom Metropolitan Police Department entwickelt. Bis März dieses Jahres wurde sie 470.000 Mal heruntergeladen. In ihrer Chikan-Ausrottungskampagne, die am 1. Juni zusammen mit den Bahnbetreibenden gestartet wurde, fordert die Polizei die Menschen auf, die „Digi Police“-App aktiv zu nutzen, wenn sie in Not geraten.

Viele Opfer melden die Vorfälle nicht

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Auch die 18-jährige Mariya Okamoto war schon einmal in einen Chikan-Vorfall verwickelt. Als sie in der Highschool war, drückte sich ein fremder Mann während einer Zugfahrt fest an sie.

Laut ihren Angaben bat sie damals die anderen Anwesenden nicht um Hilfe, weil sie sich zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht sicher gewesen sei, ob diese Annäherung des Mannes nun auf Absicht beruhte oder nicht.

Inzwischen nimmt sie an der #NoMoreChikan-Kampagne der Japan Youth Conference teil, in der die Regierung aufgefordert wird, mehr Maßnahmen gegen das weitverbreitete Problem zu ergreifen. Gerade Schülerinnen werden häufig zu Opfern von Chikan.

Bei einer polizeilichen Umfrage der Präfektur Fukuoka gaben 90 Prozent der Personen, die in Zügen oder anderen Orten schon einmal auf diese Weise belästigt worden waren, an, die Vorfälle letztendlich weder der Polizei noch dem Bahnhofspersonal vor Ort gemeldet zu haben.

„Radar-z“

2019 entwickelte das Startup-Unternehmen Radar-Lab ebenfalls eine kostenlose App zur Unterstützung von Chikan-Opfern. Mit dem „Radar-z“-System können Betroffene nicht nur andere Personen in der Nähe um Hilfe bitten, sondern auch in Echtzeit Informationen darüber teilen, wo sich der Vorfall gerade ereignet und was genau passiert.

Aktuell wird die „Radar-z“-App von Radar-Lab von gut 70.000 Personen genutzt. Eine Analyse der Daten hat ergeben, dass sich die meisten Chikan-Vorfälle tatsächlich in fahrenden Zügen ereignen, die längere Strecken, ohne anzuhalten, zurücklegen, und deren Türen sich die ganze Zeit auf derselben Seite der Waggons öffnen.

Des Weiteren können die App-Nutzenden andere Personen, die die App ebenfalls haben, mithilfe des „Radar-z“-Systems orten. Das hat zwei Vorteile.

Wird eine Person belästigt, kann sie die anderen mitfahrenden Nutzenden der App über Knopfdruck sofort unauffällig über ihre Situation informieren. Diese haben dann die Möglichkeit, das jeweilige Opfer schnell mit ihrem Smartphone zu orten und ihm zu helfen.

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