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Zahl von illegalen Bildern ist stark gestiegen

Japan geht verschärfter gegen heimliche Fotoaufnahmen vor

Heimliche Fotoaufnahmen von Personen sind in Japan ein Problem, das sich trotz Verordnung nicht lösen lässt. Grund dafür ist vor allem die lasche Gesetzeslage, die es oft Tätern erlaubt ungestraft davonzukommen. Allerdings haben viele Präfekturen nun nachgerüstet und vor allem in Schulen die Verordnungen verschärft.

Nach dem aktuellen Stand haben 36 aller 47 Präfekturen ihre Verordnungen bis diesen September angepasst. Sie verbieten nun auch Fotoaufnahmen in Schulen und Arbeitsplätzen. In den bisherigen Verordnungen waren meistens nur Bilder im privaten Raum, wie der eigenen Wohnung, verboten. Ausnahmen bildeten lediglich die Straße und Züge.

In den letzten Jahren haben allerdings heimliche Fotoaufnahmen am Arbeitsplatz und in der Schule zugenommen. Ein Ermittler aus Gifu erklärte, dass sie dagegen nichts tun konnten, da beide als öffentliche Orte gelten und deswegen nicht unter das Gesetz fallen. Das sorgte für viel Frustration, da die Täter nicht belangt werden konnten, auch wenn die Opfer ernsthaften Schaden genommen haben.

Zahlreiche Präfekturen sagen heimlichen Fotoaufnahmen den Kampf an

Ende letzten Jahres hat dann Gifu endlich die Verordnung angepasst. Mit der Gesetzesänderung sollen nun auch heimliche Fotos im öffentlichen Raum verboten sein. Ein Polizeibeamter erklärte dazu, dass es nicht akzeptabel war, dass die gleiche Straftat lediglich anhand des Ortes als strafbar oder nicht eingestuft wurde.

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Ähnlich verlief die Gesetzesänderung in Akita, wo ebenfalls ein Fall in einer Junior Highschool nicht verfolgt werden konnte, da sie als öffentlicher Ort galt. Seit April werden deswegen Schulen jetzt auch in die Verordnung mit eingeschlossen. Die erste Region, die ihr Gesetz geändert hat, war Kyoto, die bereits 2014 gegen das Problem vorgegangen sind. Allerdings weisen die Verordnungen immer noch kleine Unterschiede auf.

Während in allen Schulen und Arbeitsplätze erfasst werden, hat Fukui auch Shuttlebusse mit aufgenommen. Aber auch beim öffentlichen Bereich gab es positive Entwicklungen. So haben Tokyo, Aichi und Okayama allgemein heimliche Fotos in privaten Bereichen verboten.

Insgesamt haben in dem Bereich mehr als 20 Präfekturen ihr Gesetz angepasst. Zusätzlich verbieten viele der Änderungen Voyeurismus generell und das Anbauen sowie Verwenden von Kameras zum Spannen, da vor allem Mini-Kameras vermehrt zum Problem werden.

Forderung nach einheitlichem Gesetz auf nationaler Ebene

Dass diese Änderungen dringend notwendig sind, zeigen Zahlen vom Justizministerium. 2010 lag die Zahl der gemeldeten Fälle bei 1.741. 2019 war sie mit 3.953 bereits auf das Doppelte gestiegen. Die Mehrheit der Bilder wurden mit 2.871 Fällen mit Smartphones gemacht. Die anderen entstanden mit Mini-Kameras. Fälle im öffentlichen Raum machten mit 115 hingegen nur einen kleinen Teil aus.

Professor Hisashi Sonoda von der Konan Law School begrüßt deswegen allgemein die Bemühungen der Präfekturen. Allerdings wünscht er sich, dass das Problem auch auf nationaler Ebene angegangen wird. Laut ihm sollte sich die Anti-Belästigung-Verordnung allgemein ändern, um die Bürger im öffentlichen Raum zu schützen und nicht nur die Verordnungen jeder Präfektur einzeln, die sich im Detail weiterhin unterscheiden.

Ebenfalls steht Sonoda der Bestrafung von dem bloßen Zielen mit einer Kamera kritisch gegenüber. Für ihn sollte eine angeblich versuchte Straftat nur dann als solche gewertet werden, wenn es sich wirklich um schwere Verbrechen handelt.

Sonst besteht nämlich die Gefahr, dass es zu falschen Anschuldigungen kommt. Sonoda betont, dass es deswegen notwendig sei die Angelegenheit genau zu beobachten, damit die Verordnung nicht in Willkür endet und wirklich nützlich ist.

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