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Gericht vermutet Berweisfälschung

Japanisches Gericht prüft erneute Verhandlung eines Mordfalls von 1966

Japans oberstes Gericht hat einen Mordfall aus dem Jahr 1966, in dem ein ehemaliger Profiboxer zum Tode verurteilt wurde, an ein unteres Gericht zurückverweisen und damit die Weigerung, den Fall wiederaufzunehmen, zurückgewiesen.

Dank der Entscheidung wird der Oberste Gerichtshof von Tokyo nun erneut prüfen, ob der Fall gegen den Boxer, der 2014 freigelassen wurde, nachdem er fast ein halbes Jahrhundert im Todestrakt verbracht hatte, wieder aufgenommen wird.

Erneutes Verfahren nach langem Kampf endlich möglich

Der Boxer hatte lange Zeit darum gekämpft, dass sein Fall erneut verhandelt wird, da er unschuldig sei.

Die dritte Kammer des Obersten Gerichtshofs wies die Glaubwürdigkeit von DNA-Tests zurück, die an einem Beweis durchgeführt worden waren – fünf Kleidungsstücke, die der Täter getragen haben soll – und die seine Verteidiger als neuen Beweis für Hakamadas Unschuld präsentiert hatte.

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Aber es kam auch zu dem Schluss, dass das Gericht den Fall erneut untersuchen sollte, weil Fragen über die Farbe der Blutspuren auf den Kleidungsstücken, die 14 Monate nach dem Mord in einem Sojabohnentank gefunden wurden, nicht geklärt wurden.

Von den fünf Richtern des Obersten Gerichtshofs, die den Fall untersuchten, sprachen sich zwei gegen die Entscheidung aus und sagten, das oberste Gericht solle eine Neuverhandlung anordnen.

Der ehemalige Boxer leidet an Wahnvorstellungen, offenbar als Folge seiner langen Haft, wie ihm nahestehende Personen berichten. Seine Schwester, die mit ihm in Hamamatsu, in der Präfektur Shizuoka, lebt, begrüßte die Entscheidung des Obersten Gerichts und sagte: „Mein Bruder ist unschuldig.“

Der Mann, der 1966 zunächst wegen des Verdachts auf Raub, Mord und Brandstiftung verhaftet worden war, wurde im März 2014 nach fast 48 Jahren Haft vom Bezirksgericht Shizuoka freigelassen. Das Gericht setzte auch sein Todesurteil aus und beschloss, den Fall wieder aufzunehmen.

Im Juni 2018 hob der Oberste Gerichtshof von Tokyo jedoch die Entscheidung der unteren Instanz auf,  woraufhin seine Verteidiger Berufung beim obersten Gericht einlegte.

Der Mann war ein Angestellter in einer Sojabohnen verarbeitenden Firma, als er verhaftet wurde, weil er angeblich den Senior Managing Director der Firma, seine Frau und zwei Kinder getötet hatte. Sie wurden mit Stichwunden in ihrem abgebrannten Haus in Shizuoka tot aufgefunden.

Gericht vermutet Beweisfälschung bei der Polizei

Er gestand den Ermittlern gegenüber zunächst, plädierte aber in seinem Prozess auf unschuldig. Das Bezirksgericht befand ihn für schuldig und verurteilte ihn 1968 zum Tode, wobei das Urteil 1980 vom Obersten Gerichtshof bestätigt wurde.

Als der Mann und seine Familie Anträge auf eine Wiederaufnahme des Verfahrens stellten, akzeptierte das Bezirksgericht 2014 DNA-Testergebnisse, die die Behauptung, Blut sei auf den fünf Gegenständen in der Sojabohnenverarbeitungsanlage nachgewiesen worden, entkräfteten. Das Gericht stellte sogar fest, dass die Beweise von der Polizei gefälscht worden sein könnten.

Die Staatsanwaltschaft legte gegen diese Entscheidung Berufung beim Obersten Gerichtshof in Tokyo ein, da sie Zweifel an der Zuverlässigkeit der DNA-Tests hegte. Während das Bezirksgericht zu dem Schluss kam, dass es unwahrscheinlich sei, dass die Gegenstände von dem vermeintlichen Täter stammen, basierend auf einer Expertenanalyse, die von seinen Verteidigern zur Verfügung gestellt wurde, sagte das Gericht, die Analyse sei unzuverlässig.

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