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HomeNachrichten aus JapanKriminalität & RechtJapans Amokläufer wollen zunehmend zu Berühmtheiten werden

Motiv der Täter ändert sich

Japans Amokläufer wollen zunehmend zu Berühmtheiten werden

Immer mehr Amokläufer in Japan haben sich zum Ziel gesetzt, eine Berühmtheit zu werden und nutzen dafür die Aufmerksamkeit, die eine Tat bekommt, die mit höchster Wahrscheinlichkeit mit dem Tod bestraft wird.

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Ein Beispiel ist ein Täter, der am 31. Oktober in Tokyo festgenommen wurde, weil er in einem Zug Amok gelaufen ist. Bei seiner Vernehmung sagte er, dass es seine Absicht gewesen sei, Fahrgäste zu erstechen und den Zug in Brand zusetzten. Beides gelang ihm zum Glück nicht.

Täter wollte mehrere Morde begehen, um die Todesstrafe zu bekommen

Laut der Polizei war es das Ziel des vermeintlichen Amokläufers, mehrere Morde zu begehen, um so die Todesstrafe zu erhalten.

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Mehrfachmorde sind in Japan ein Kriterium für die Todesstrafe, was der Täter auch wusste. Die Tat hat einige Fragen aufgeworfen, insbesondere darüber, ob und wie die Todesstrafe vollstreckt wird. Aber nicht etwa, weil die Ablehnung gegen diese Bestrafung in Japan groß ist. Eher das Gegenteil ist der Fall, und weil die mediale Aufmerksamkeit Menschen zum nachahmen animieren könnte.

Eine Nachahmungstat gab es auch wenige Wochen später in Japan, als ein 69-jähriger Mann versuchte, einen Shinkansen in Brand zu stecken. Bei seiner Vernehmung sagte der Täter, dass er die Tat in Tokyo nachahmen wollte. Der Versuch scheiterte zum Glück.

Straftaten gehen zurück, werden aber gewalttätiger

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In Japan gehen die Straftaten insgesamt zurück, was aber nicht heißt, dass es friedlicher wird. Laut Rechtsexperten gibt es zwar tatsächlich weniger Straftaten, diese werden aber gewalttätiger und immer öfters geraten dabei viele unschuldige Menschen in die Hände von selbstmordgefährdeten Tätern.

Laut Masayuki Kiriu, Professor für Kriminalpsychologie an der Toyo-Universität, hat sich die Art der Gewaltverbrechen in Japan seit dem Jahr 2000 deutlich verändert.

Das Ende des wirtschaftlichen Booms in Japan und das darauffolgende verlorene Jahrzehnt löste eine Flut von Verbrechen aus, denen Frustration vorausgingen.

Dazu gehört etwa der Amoklauf in Tokyo im Jahr 1988, als ein Mann vier junge Mädchen entführe, sich sexuell an ihnen verging, sie ermordete und in einem Hinterhof verbrannte.

Fast 10 Jahre später ereignete sich in Kobe ein weiteres erschreckendes Beispiel, als ein 14-jähriger Schüler einen Grundschüler und eine Teenagerin enthauptete und sich vorher an beiden verging.

Die Menschen in Japan reagierten und schufen Initiativen zur Überwachung der Nachbarschaft, das sogenannte „Kodomo Hyaku-to Ban no Ie“-Programm.

Motive der Täter haben sich geändert

Laut Professor Kiriu haben sich mittlerweile die Motive der Täter verändert. Damals waren es Mehrfachmorde mit höchst abnormen sexuellen Motiven, heute scheinen die Täter zu glauben, ihr Leben sei sinnlos.

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Ein frühes Beispiel ereignete sich 2001, als ein 37-Jähriger unbemerkt in eine Grundschule in Osaka eindrang, acht Schüler erstach und 15 weitere verletzte.

Laut Kiriu lag das Motiv darin, dass der Täter von Eifersucht auf den „elitären sozialen Status“ der Kinder getrieben wurde.

Berühmt durch Massenmord

Seitdem häufen sich die Taten, bei denen die Täter auf der Suche nach Selbstbestätigung sind und ihre Tat nutzen, um Berühmtheit zu erlangen.

Ein besonders perfides Beispiel ist ein Mann, der 2008 seine Verbrechen im Internet veröffentlichte, bevor er sieben Menschen tötete und zehn verletzte.

Professor Kiriru nach scheint es immer mehr Täter auch nicht zu stören, ob sie gefasst werden oder ob sie zur Todesstrafe verurteilt werden. Es interessiert sie oftmals nicht, dass sie ihr eigenes Lebens verlieren könnten.

Der Brandanschlag am 19. Dezember auf eine psychiatrische Klinik in Osaka, bei dem 26 Menschen getötet wurden, verdeutlicht diesen Trend. Bei dem Amoklauf starb der Täter an den Verletzungen, die er sich dabei zugezogen hatte.

„Mit der Tat wollte der Täter offenbar einen Beweis für seine Existenz hinterlassen“, so Professor Kiriu. Die Beweise in der Wohnung des Mannes ließen darauf deuten, dass er versuchte, den Brandanschlag auf das Animationsstudio Kyoto Animation nachzuahmen.

Forschungen in Japan und im Ausland haben sich mit den Merkmalen befasst, die diejenigen, die ihr Leben durch Selbstmord beenden, von denen unterscheiden, die zu diesem Zweck ein Verbrechen begehen.

Es gibt zwar Gemeinsamkeiten, wie z. B. Unzufriedenheit mit der Arbeit, aber ein wesentlicher Unterschied zwischen denjenigen, die ein Verbrechen dem Selbstmord vorziehen, ist die Tendenz, die Schuld für ihre Lebensprobleme abzuschieben.

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