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HomeNachrichten aus JapanKriminalität & RechtNagasaki muss Journalistin wegen sexuellen Missbrauchs Schadensersatz zahlen

Nagasaki muss Reporterin wegen sexueller Übergriffe bezahlen

Nagasaki muss Journalistin wegen sexuellen Missbrauchs Schadensersatz zahlen

2007 wurde eine japanische Journalistin in Nagasaki von einem hochrangigen Beamten der örtlichen Stadtverwaltung sexuell belästigt. Nun wurde die Stadtverwaltung zu einer Entschädigungszahlung in Höhe von 19,75 Millionen Yen (ca. 144.728 Euro) verurteilt.

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Zusätzlich wurde von einem anderen Beamten Rufmord betrieben. Die Journalistin hatte 2019 vor Gericht von der Stadt Nagasaki einen Schadensersatz von rund 74 Millionen Yen (ca. 533.907 Euro) gefordert, mit der Argumentation, dass der inzwischen verstorbene Beamte seine Autorität sowie seine Position missbrauchte und die Stadt es versäumt habe, weiteren Schaden zu verhindern.

Beamter entzieht sich der Verantwortung

Dem Urteil zufolge wurde die Geschädigte im Juli 2007 während eines Interviews zum Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Nagasaki, dem 9. August, von dem Leiter der städtischen Abteilung für die Überlebenden der Atombombe, sexuell misshandelt.

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Später wurde bei ihr eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert, woraufhin sie gezwungen wurde, sich freistellen zu lassen. Der andere männliche Beamte verbreitete unwahre Behauptungen über das Geschehen, was ihre PTBS verschlimmerte.

Als die japanische Stadt aufgrund der Gerüchte eine interne Untersuchung durchführte, nahm sich der Angreifer der Frau im November 2007 das Leben.

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Der Bürgermeister von Nagasaki, Tomihisa Taue, sagte, dass das Urteil einige der Forderungen der Stadt nicht berücksichtigt habe und dass die Stadt nach eingehender Prüfung des Urteils ihre Antwort überdenken werde.

Gericht lehnt eine öffentliche Entschuldigung von Nagasaki ab

Die Entschädigung umfasste insgesamt 5 Millionen Yen für seelische Qualen und mehr als 10 Millionen Yen für den Verdienstausfall aufgrund der erzwungenen Beurlaubung.

Jedoch gab das Gericht der Forderung der Klägerin nicht statt, dass die Stadt eine Entschuldigung in der Broschüre zur Öffentlichkeitsarbeit der Stadt veröffentlichen sollte.

Der Abteilungsleiter hatte „Gesprächsbereitschaft gezeigt, sie zu einem Treffen eingeladen und sexuelle Gewalt ausgeübt. Der Vorfall stand daher im Kontext seiner offiziellen Funktion“, sagte der Vorsitzende Richter Hiroyoshi Amakawa.

Bezüglich der Verbreitung von Unwahrheiten durch den anderen Beamten sagte der Richter: „Es war offensichtlich, dass es eine Desinformation gab. Die Stadt hatte die Pflicht, zu warnen und dafür zu sorgen, dass es nicht zu einer weiteren Viktimisierung kommt“.

Gerechtigkeit für das Opfer

Die Journalistin wurde in den sozialen Medien so stark beschimpft, dass einige sich während einer Stadtratssitzung im Juli 2019, nachdem sie die Klage eingereicht hatte, fragten, wer das wirkliche Opfer sei. Man bezog sich dabei vor allem auf den Selbstmord des Beamten.

„Ich hoffe, dass dies ein Licht der Hoffnung für berufstätige Frauen sein wird“, sagte die Reporterin auf einer Pressekonferenz nach dem Urteil. „Es ist eindeutig bewiesen, dass die Verantwortung für Gewalt auf der Seite derjenigen liegt, die sie ausüben“, fügte sie hinzu.

Sexueller Missbrauch ist in Japans Arbeitswelt weiterhin ein großes Problem, von dem vor allem Frauen in der Unterhaltungsindustrie. Viele trauen sich aber nicht, die Übergriffe zu melden, da die Täter häufig in Führungspositionen sitzen.

Die Klägerin beschrieb die Reaktion der Stadtverwaltung als „tief verwurzelten Sexismus“ und erklärte, dass sie 12 Jahre nach dem Übergriff geklagt habe, weil die Stadt Nagasaki ihr gegenüber „wiederholt unaufrichtig“ und „impulsiv“ reagiert habe.

Die Reporterin bat darum, dass ihr Name nicht veröffentlicht wird und dass die Namen der beiden Beamten nicht genannt werden, um ihre Privatsphäre zu schützen.

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