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HomeNachrichten aus JapanKriminalität & RechtTokyo Medical University muss Frauen für manipulierte Prüfungen entschädigen

Bereits zweites Urteil dieser Art

Tokyo Medical University muss Frauen für manipulierte Prüfungen entschädigen

Die Tokyo Medical University sorgte 2018 für einen landesweiten Skandal. Es wurde bekannt, dass die Aufnahmeprüfungen für Bewerberinnen absichtlich manipuliert wurden, damit mehr Männer bestehen konnten. Es wurde nun entschieden, dass die Universität deswegen mehrere Frauen entschädigen muss.

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Das Bezirksgericht Tokyo entschied am 9. September, dass die Universität Schadensersatz in einer Gesamthöhe von 18,26 Millionen Yen (ca. 126.194 Euro) an 27 Frauen zahlen muss. Sie hatten zwischen 2006 und 2018 an den Aufnahmeprüfungen der Tokyo Medical University teilgenommen, wurden aber nicht zugelassen.

Entschädigungssumme ist nicht hoch genug

Fünf Klägerinnen erhielten zusätzlich eine Entschädigung von 1 Million Yen bis 1,5 Millionen Yen (ca. 6.910 Euro bis 10.366 Euro), weil sie vermutlich die Prüfung bestanden hätten, wäre diese nicht manipuliert worden. Neben dem Schadensersatz muss die Universität ebenfalls die Prüfungsgebühren in Höhe von 200.000 Yen (ca. 1.382 Euro) pro Jahr jeder Frau zurückzahlen.

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Die Rechtsanwältin Yukiko Tsunoda kritisierte die niedrige Entschädigung für die Frauen. Sie hatte angestrebt, dass jede Frau 2 Millionen Yen (ca. 13.821 Euro) für die Aufnahmeprüfung bekommt und weitere 5 Millionen Yen (ca. 34.554,93 Euro), wenn sie diese vermutlich bestanden hätte.

Das Gericht hätte ihrer Ansicht nach der gesellschaftlichen Geschlechterungleichheit nicht genug Beachtung beim Urteil geschenkt. Eine höhere Summe wäre laut ihr eine deutlich größere Abschreckung gewesen.

Diskriminierung von Frauen bleibt ein Problem

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Die vorsitzende Richterin Kyoko Hiraki sagte in ihrem Urteilsspruch, dass die Praktiken der Einrichtung nicht nur gegen das Verbot der Geschlechterdiskriminierung im Bildungsgrundgesetz verstoßen, sondern auch dem Geist der japanischen Verfassung widersprechen. Es wurde den Frauen verwehrt, zu wählen, welche medizinische Fakultät sie besuchen wollen.

Eine Klägerin, die 2006 von der Universität abgelehnt wurde, äußerte sich zu dem Urteil. Sie wurde später an einer anderen Universität aufgenommen und ist mittlerweile Medizinerin. In einer Pressekonferenz erklärte sie, sie wolle, dass die Öffentlichkeit über die anhaltende Diskriminierung von Frauen in Japan nachdenkt.

So würden einige Patienten darauf bestehen, nur von einem Mann behandelt zu werden. Auch werden Mädchen in Tokyo bei den Aufnahmeprüfungen an Highschools weiterhin wissentlich benachteiligt.

Weitere Universitäten manipulierten Aufnahmeprüfungen

„Die Zahl der Ärztinnen zu reduzieren, wird das Problem nicht lösen“, sagte sie. Stattdessen solle man an dem Arbeitsumfeld arbeiten, dass Ärztinnen ablehnt. Zuständige der Tokyo Medical University hatten zugegeben, dass sie die Prüfungen manipuliert hatten, da sie mehr Männer wollten, weil Frauen wegen Schwangerschaften und Familiengründung angeblich häufig ihren Beruf aufgeben.

Es ist das zweite Mal, dass das Bezirksgericht eine derartiges Urteil für eine medizinische Fakultät ausspricht. Die Juntendo University wurde im Mai zu einer Zahlung von 8,05 Millionen Yen (ca. 55.633 Euro) an 13 Frauen verurteilt, weil bei ihnen ebenfalls die Prüfungen manipuliert wurden.

Zurzeit wird von einem anderen Bezirksgericht eine ähnliche Klage gegen die St. Marianna University School of Medicine in Kawasaki bearbeitet. Auch sie soll Frauen absichtlich benachteiligt haben.

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