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HomeNachrichten aus JapanKriminalität & RechtTokyo-Universität wird endgültig im Todesfall eines zwangsgeouteten Studenten freigesprochen

Eltern wollen keinen erneuten Widerspruch einlegen

Tokyo-Universität wird endgültig im Todesfall eines zwangsgeouteten Studenten freigesprochen

2015 sorgte die juristische Fakultät der Hitotsubashi University in der Präfektur Tokyo aus einem traurigen Grund für Aufsehen. Ein schwuler Student hatte sich wegen Mobbing das Leben genommen. Die Eltern verklagten die Universität und verloren. Nun wurde auch die Berufung abgelehnt, weswegen die Universität endgültig freigesprochen wurde.

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Am 25. November gab das Oberste Gericht von Tokyo bekannt, dass sie die Berufung der Eltern von dem Verstorbenen ablehnen. Die Familie hatte versucht gegen das Urteil des Bezirksgerichts vorzugehen, in dem der Universität keine Schuld für den Tod des Studenten gegeben wurde. 2015 hatte der 25 Jahre alte Student einem Kommilitonen seine romantischen Gefühle für ihn gestanden.

Eltern forderten ein Entschädigung

Der wies ihn allerdings ab und veröffentlichte anschließend die Nachrichten von ihm in einem Gruppenchat in Line mit neun weiteren Freunden und schrieb dazu, dass er nicht den Fakt verstecken will, dass ihr Freund schwul sei. Zu dem Zeitpunkt hatte sich der Student nicht öffentlich als schwul geoutet, weswegen er vor seinen Freunden zwangsgeoutet wurde.

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Danach soll es zu Problemen mit den Freunden gekommen sein, die ihn mieden und anders behandelten. Der Student suchte deswegen die Beratung der Universität auf, die jedoch keinen Erfolg brachte. Später stürzte der Student von dem Dach eines Gebäudes der Universität und starb dabei. Es ist dabei bis heute nicht geklärt, ob es Selbstmord oder ein Unfall war.

Ursprünglich hatten die Eltern als Entschädigung einen Betrag von umgerechnet 691.974 Euro gefordert und Klage gegen die Universität eingereicht. Das Bezirksgericht konnte jedoch keine Schuld feststellen, ging aber auch nicht auf das Zwangsouting ein.

Hoffnung auf eine bessere Zukunft für andere LGBT-Studenten

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Auch wenn der Oberste Gerichtshof nun die Berufung ablehnt, befassten sie sich hingegen mit dem Punkt. Sie nannten den Vorfall eine ernste Verletzung der Persönlichkeits- und Datenschutzrechte und beschrieben das Verhalten als unverzeihlich.

Die Eltern lobten das Gericht für die klaren Worte und gaben an, dass sie noch keinen Widerspruch einlegen werden. In einer anschließenden Pressekonferenz wünschten sie sich, dass die Hitotsubashi University ein Ort wird, an dem alle in Frieden studieren können.

Die Mutter erklärte dazu, dass niemand so sterben sollte wie ihr Sohn. Sie hofft, dass sexuelle Minderheiten mehr Möglichkeiten für Konsultationen haben, in denen sie über ihre Sorgen und ihr Leben sprechen können, ohne das sie gleich vorverurteilt werden.

Universität hat laut Gericht nicht falsch gehandelt

Das Verhalten der Universität, die dem Studenten nicht half, kritisieren trotzdem. Die Lehrer und die Fakultät selbst hätten sofort die Klassen neu aufstellen sollen. Das Oberste Gericht wies dazu darauf hin, dass der Student seine finale Entscheidung noch wegen einer Neuorganisation des Unterrichtes traf. Es sei deswegen schwer, von unmittelbaren Umständen zu sprechen.

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Auch einer der Lehrkräfte äußerte sich zu der Problematik und gab an, dass eine Neuaufstellung vermutlich nicht im besten Interesse des Studenten gewesen sei. Er habe dem Studenten gesagt, dass das Verfahren noch eher dazu führen könnte, dass noch mehr Menschen von seinem Zwangsouting erfahren.

In den Augen des Gerichts sei das ein angemessener Rat gewesen, womit die Universität auch nicht gegen das Gesetz verstoßen habe. Die Universität selbst bot erneut seine aufrichtigsten Gebete für den Studenten an. Sie wollen weiterhin versuchen, die Rechte von Minderheiten an ihrer Einrichtung zu fördern und zu schützen.

Anmerkung der Redaktion: Sollten Sie Suizidgedanken haben, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen helfen konnten, einen Ausweg aus einer problematischen Situation zu finden.

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