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Fälle häufen sich

Tracking-Agents identifizieren in Japan Adressen aus Social-Media-Beiträgen

MA – Immer wieder kommt es in Japan zu Vorfällen, bei denen Opfer belästigt werden und die Täter die Adressen von sogenannten Tracking-Agents bekommen haben.

Diese Agents bieten an, Adressen und andere Informationen über die Social-Media-Profile herauszufinden.

Tracking-Agents machen es Stalkern einfach

Für viele Menschen stellen diese „Agenten“ eine große Gefahr dar, denn so wird es Stalkern besonders einfach gemacht.

Das Aufspüren von persönlichen Informationen ist für viele „Tracking-Agenten“ ein lukrativer Nebenerwerb. Die Gebühren beginnen bei 2.000 Yen, je nachdem, welche Informationen ein Kunde haben möchte, steigen die Kosten an.

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Einer dieser „Tracking-Agents“ erklärte kürzlich gegenüber Journalisten, dass er eine Zielperson spezifiziert, indem er ihre alten Posts noch einmal durchgeht, bis er ein Foto findet, das in der Nähe ihrer Wohnung aufgenommen worden zu sein scheint.

Er untersucht dann die Fotos nach Schildern, die zum Beispiel den Namen der Straße verraten oder Geschäften und mittlerweile auch nach Gullydeckeln, da viele von ihnen ein einzigartiges Design haben und oft auch eine Identifikationsnummer. Danach hilft oft Google Maps beim Herausfinden, wo sich die Person auf dem Foto gerade befand.

Dem Mann zufolge geben viele Kunden an, dass sie auf einer Online-Shopping-Seite betrogen wurden und daher die Person finden wollen, um ihn bloßzustellen.

Es dauert meist nicht lange, Adressen herauszufinden, in der Regel zwei Tage bis zu einer Woche. „Dazu braucht man keine besonderen Fähigkeiten, sondern nur Entschlossenheit und Geduld. Es macht Spaß und der Kunde schätzt meine Arbeit, also ist es lohnend“, so der Mann.

Auf die Frage, ob er sich jemals Sorgen gemacht habe, dass die Informationen für ein Verbrechen verwendet werden könnten, antwortete er: „Ich frage die Kunden im Voraus, warum sie die Standorte der Zielpersonen bestimmen wollen und habe Personen abgelehnt, die die Informationen zur Verfolgung der Zielpersonen haben möchten.“

So ganz kann man dieser Aussage allerdings nicht Glauben schenken, denn er sagte auch: „Nichts beginnt, wenn man dem, was einem gesagt wird, nicht vertraut. Schließlich hat der Kunde immer recht.“

Fälle, bei denen Informationen für Verbrechen genutzt werden, häufen sich in Japan

Insgesamt häufen sich in Japan die Fälle, in dem Informationen die von „Tracking-Agents“ gewonnen wurden, für ein Verbrechen benutzt wurden.

Bei Ermittlungen gegen einen ehemaligen Polizeibeamten der Präfektur Tochigi, der im August viermal wegen des Verdachts der Verletzung des Anti-Stalking-Gesetzes verhaftet worden war, fand die Polizei Hinweise darauf, dass er Informationen, die er von einem Tracking-Agenten erhalten hatte, dazu benutzt hatte, eine Frau, die er über eine Online-Dating-Site kennengelernt hatte, wiederholt zu belästigen.

Die Frau brach den Kontakt zu dem Mann ab, der nun wegen mindestens eines Vergehens angeklagt ist, ab, nachdem sie sich dreimal getroffen hatten.

Obwohl er weder ihren vollständigen Namen noch ihre Adresse kannte, erhielt er ihre Bankkontoinformationen, indem er behauptete, er würde ihr 50.000 Yen als Entschuldigung zahlen. Kurosaki überwies nur 1 Yen und bezahlte einen Tracking-Agent, um das Twitter-Profil der Frau zu finden, das auf der phonetischen Katakana-Notation des Namens des Kontoinhabers für die Geldüberweisung basierte.

Nachdem das Twitter-Konto gefunden wurde, sah der Mann offenbar ihre Beiträge und ermittelte ihren Geburtstag und die Universität, die sie besuchte. Er fand ihre Adresse auch durch Verweis auf den Namen der Filiale auf einer Quittung eines Lebensmittelgeschäfts, das auf einem ihrer hochgeladenen Fotos zu sehen war.

Plötzlich wurden der Frau Strom und Wasser abgestellt, ihr Mobiltelefon und ihre Kreditkarte wurden als verloren gemeldet, wodurch sie gesperrt wurden.

Es hatte auch anonyme Anrufe an ihre Universität gegeben, in denen behauptet wurde, dass sie sich prostituiert und Drogen nimmt.

Der ehemalige Polizeibeamte hat mittlerweile alles zugegeben und sagte: „Es hat Spaß gemacht, ihre Adresse zu ermitteln und sie zu belästigen“. In diesem Fall wurde der Tracking-Agent nicht wegen einer Straftat angeklagt.

Menschen müssen aufpassen was sie von sich preisgeben

Narumi Sasaki, ein Experte auf dem Gebiet der Cyberkriminalität und ehemaliger Detektiv der Präfektur von Saitama, sagt dazu: „Da die Tracking-Agenten lediglich Informationen sammeln, die online offengelegt werden, verstoßen ihre Handlungen nicht gegen das Gesetz.“

Allerdings heißt das nicht, dass sie immer gänzlich straffrei davon kommen. Wenn die Informationen bereits gestellt werden und der Käufer die Absicht hat ein schweres Verbrechen zu begehen, könnten ein Agent wegen Mittäterschaft angeklagt werden.

Der Experte für Cyberkriminalität appelliert an die Nutzer sozialer Medien, vorsichtig mit dem zu sein, was sie hochladen und sagte, dass Beiträge mit Informationen über Zugverspätungen an bestimmten Bahnhöfen oder Bilder mit Schuluniformen als Anhaltspunkte zur Identifizierung von Personen dienen können.

Als Präventivmaßnahme rät er den Leuten, ihre Kontoeinstellungen so zu ändern, dass es nur von bestimmten Personen wie Freunden eingesehen werden kann und es zu vermeiden, Fotos in der Nähe ihrer Wohnung oder in Schuluniformen zu machen.

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