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Menschen sind bereit ohne Gegenleistung großzügig zu sein

Kultur des Schenkens findet in Japan immer mehr Anklang

Die Pandemie setzt weiterhin vielen Menschen in Japan zu, die mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfen. Viele Personen bekommen das mit und versuchen zu helfen. Besonderes die sogenannte Schenkökonomie, eine Kultur des Schenkens, hat deutlich zugenommen. Bei ihr verschenken Menschen Dinge ohne weiteren Eigennutz.

In ganz Japan sind bereits Initiativen entstanden, die das Konzept umsetzten. Unter anderen gibt es die „Kenpon (Complementary Book) Gift Economy“ in Osaka. Gegründet wurde sie von dem Universitätsprofessor Ko Hayakawa von der Osaka International University’s Faculty of Business Administration and Economics.

Teurer Bücher für Studenten

Studenten und andere Forschende erhalten komplett kostenlos neue akademische Texte. Entsprechende Angebote werden über Twitter mithilfe eines Hashtags angezeigt. In der Geisteswissenschaft seien veröffentlichte Bücher wie eine zweite Visitenkarte, erklärte Hayakawa. Aus dem Grund haben Forscher ein großes Interesse daran, ihre Arbeiten auszutauschen.

Mehr zum Thema:  Unternehmen in Japan verteilen billige Gerichte für Kinder, die Zuhause bleiben müssen

Hayakawa ist dabei auch darauf bedacht, dass die Autoren nicht leer ausgehen. Wenn er ein Buch verschenkt, kauft er dann eine Ausgabe für sich, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. An sich ist das Kaufen von Büchern aus der Geisteswissenschaft unverzichtbar, jedoch sind die Bücher oft besonderes in Spezialbereichen sehr teuer.

Für Studenten und junge Forscher sind das oft finanzielle Belastungen, die sie kaum bewältigen können, weswegen der Professor auf das System kam. Hayakawa selbst weiß, wie schwer es ist, all die Bücher zu bezahlen.

Es gibt zwar Bibliotheken und auch Institutionen, die kostenlose Kopien anbieten, oft ist der Zugang jedoch beschränkt oder Personen wissen von dem Angebot nicht. Er kam deswegen auf die Idee, anderen in so einer Situation aus der Verpflichtung heraus zu helfen, um den anderen etwas zurückzugeben.

Kultur des Schenkens gibt es schon lange in Japan

Da Hayakawa Twitter nutzt, kann er eine große Gruppe an Menschen erreichen und neue Verbindungen knüpfen. Dazu betont er, dass eine Gesellschaft mit zufälligen Begegnungen gesund ist und es hilft dabei, das Konzept der Schenkökonomie zu verbreiten.

Forscher und Pädagogen haben sich bereit erklärt, an dem Programm teilzunehmen. Sie wollen zusammen nach Möglichkeiten suchen, um das Projekt auch über Twitter hinaus bekannt zu machen. Es wird dabei auch darüber nachgedacht eine eigene Plattform zu erstellen.

Die Idee des uneigennützigen Verschenkens von Dingen ist älter als manche glauben. Das japanische „on-okuri“ gibt es bereits seit der Edo Zeit und besagt, dass man nicht direkt einen Gefallen zurückgeben muss. Stattdessen soll die Person die Freundlichkeit an eine dritte Person weitergeben.

Das moderne Konzept von der Kultur des Schenkens sorgte vor allem 2011 nach dem schweren Erdbeben für Aufsehen. In ganz Japan entstanden sogenannte Kinderkantinen und Lebensmittelbanken, die sehr billige oder kostenlose Mahlzeiten anbieten.

Curry für hungrige Kinder

Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Genki Curry Kantine in Kashihara, Nara. Seit 2018 gibt es bei ihr Mirai Tickets. Kunden können zu ihrer Mahlzeit eins der Tickets für umgerechnet 1,58 Euro (200 Yen) kaufen und anschließend an eine besondere Wand hängen. Andere Personen können sich dann das Ticket nehmen, um eine kostenlose Mahlzeit zu erhalten. Kinder dürfen die Tickets allgemein immer verwenden.

Das System sprach sich schnell rum und ist bis heute ein großer Erfolg. Kunden waren bereit, die Initiative im großen Umfang zu unterstützen. Zahlreiche weitere Einrichtungen übernahmen dazu die Tickets.

Der Besitzer von Genki Curry, Shigeru Saito, kam auf das System durch einen Zufall. Er bemerkte, dass einige Kinder nicht genug Geld für außerschulischen Unterricht oder etwas zu essen hatten. Daraufhin eröffnete er die Kantine, er leitet ebenfalls noch eine Paukschule, und bot Kindern Curry für nur 100 Yen an.

Jeder kann selbstlos helfen

Eines Tages kam jedoch ein Kind, dass nicht mal so viel Geld hatte. Ein anwesender Kunde bot daraufhin an, ohne Gegenleistung für die Mahlzeit zu zahlen. Der Besitzer kam dadurch auf das Ticket-System. Besonders der niedrige Preis der Mahlzeit, die nur 200 Yen beträgt, soll Kunden das Gefühl nehmen, zu viel Geld auszugeben, damit sie eins der Tickets kaufen.

Das System ist einfach zu nutzten, und man kann direkt Hilfe leisten. Die Scheine selbst sind so billig, dass sie keine große Belastung sind und die Wand hilft dabei den Menschen zu zeigen, dass ihre Handlung etwas gebracht hat. Natürlich wird es auch Menschen geben, die das System ausnutzen, am Ende sei es aber nur wichtig, dass alle Kinder an der gleichen Startlinie stehen können.

Gerade in der Pandemie ist es wichtiger geworden Gutes zu tun, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. Die Kultur des Schenkens ist dabei zwar immer noch keine alltägliche Idee, sie verbreitet sich jedoch weiter. So verteilen Nachbarn an ausländische Bewohner in Not Lebensmittel und auch Studenten von Universitäten verschenken Nahrungsmittel an Studenten, die Schwierigkeiten haben, in der aktuellen Zeit zu überleben.

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