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HomeNachrichten aus JapanKulturAkita-Dämonen setzen auf Ausländer, um Nachfolger zu gewinnen

Der Dämonen-Ritus gehört zum Kulturgut der Region

Akita-Dämonen setzen auf Ausländer, um Nachfolger zu gewinnen

In Oga (Präfektur Akita) stürmen jedes Jahr zu Silvester in der Nacht Namahage-Dämonen die Häuser der Menschen. Einige Dämonen besitzen allerdings einen deutlich hörbaren Dialekt.

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Wenn die Dämonen ihre Masken abnehmen, sieht man auch schnell den Grund dafür. Einige Beteiligten stammen nicht aus der Region, unter anderem befindet sich ein Student aus Afrika unter den Verkleideten, die den Kern des Rituals darstellen.

Die Namahage sollen Glück bringen und gleichzeitig verhindern, dass die Menschen faul werden. Diese Tradition besteht in Akita seit der Edo-Zeit (1603 – 1867). Im Jahr 2018 wurde der Dämonen-Ritus, zusammen mit anderen, bei denen maskieren und kostümierte Gottheiten eine Rolle spielen, in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.

Junge Menschen sollen an die Dämonen herangeführt werden

Allerdings hat auch Oga mit einer stetig älter werdenden Bevölkerung zu kämpfen, sodass die Organisatoren hinter dem Ritus um den Nachwuchs fürchten. Bald könnte es niemanden mehr geben, der die alte Tradition weiterführt. Trotz lokaler Widerstände begann der Leiter der Gruppe zur Erhaltung des Namahage-Festes vor mehr als 10 Jahren damit, Menschen von außerhalb mit ins Boot zu holen.

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Sieben Personen, verborgen hinter roten und blauen Masken, besuchten am 31. Dezember abwechselnd die Familien. Fünf der Schauspieler waren zwischen 23 und 48 Jahre alt und kamen von außerhalb Ogas. Unter anderem waren Personen aus Chiba, Fukuoka oder anderen Regionen Akitas mit dabei.

Ein 23-jähriger Student aus Burundi in Ostafrika studiert im ersten Jahr an der Akita International University und wurden von seinem Lehrer und einem Freund aus der Region gebeten, in die Rolle eines Namahage zu schlüpfen. Die größte Herausforderung für den Studenten bestand darin, dass er nur zwei Stunden Zeit hatte, um die Zeilen des Ritus auswendig zu lernen.

Dämonen als Glücksbringer
Namahage-Dämonen Bild: Anri Takahashi

Namahage aus verschiedenen Regionen tragen unterschiedliche Masken und „Kede“, Kleider aus Stroh. Für die Region stellt der Dämonen-Ritus außerdem einen Touristen-Magneten dar. Immer mehr Menschen würden jedes Jahr kommen, um den Weg der Dämonen zu verfolgen. Viele Menschen aus der Region lieben es, Freunde mit nach Hause zu bringen, um ihnen dieses Gefühl einmal zu geben.

Proteste gegen „ausländische“ Dämonen wollen nicht verstummen

Einige sind von der Veranstaltung so begeistert, dass sie die Idee der Namehage in andere Regionen tragen und dort selbst in die Rollen der Dämonen schlüpfen. Auch auf diese Weise kann das Ritual am Leben erhalten werden, so der Leiter Namahage-Gruppe in Oga.

Einige Anwohner protestieren aber immer noch gegen die Tatsache, dass auch Menschen von außerhalb die Rolle eines Namahage übernehmen. Sie würden die Heiligkeit hinter dem Ritus nicht richtig verstehen und ihn deswegen nicht richtig umsetzen können. Wiederum andere sind der Meinung, dass eine Idee hinter dem Ritus darin besteht, Kontakt zu einer anderen Welt aufzunehmen.

Einige denken, das Ritual geht auf nicht-japanische Menschen zurück, die am Strand von Oga landeten, die die Einheimischen nicht kannten und deswegen für Dämonen hielten. Deswegen seien Ausländer auch besonders gut geeignet, um die Rolle eines Dämonen zu spielen, gerade weil sie eine fremde Sprache und einen eigenen Akzent in die Figuren einbringen.

AS

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