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HomeNachrichten aus JapanKulturArbeiten der traditionellen "Edo Komon"-Färbetechnik sollen digitalisiert werden

Ein Geschäft in Tokyo bemüht sich aktiv darum, die Tradition am Leben zu erhalten

Arbeiten der traditionellen „Edo Komon“-Färbetechnik sollen digitalisiert werden

Eine Werkstatt in Tokyo gehört heute noch zu den wenigen, die ihre Textilien mit der traditionellen Schablonen-Färbetechnik „Edo Komon“ herstellt. Mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne sollen die feinen Muster digitalisiert werden, um sie zu erhalten.

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Die Färberei Tomita Sen-Kogei befindet sich direkt am Kanda-Fluss, in der Nähe einer für ihre schönen Kirschblüten bekannten Brücke. Dort wurde sie schon 1882 gegründet. Das Geschäft verkauft Krawatten, Schals, Regenschirme, Geldbörsen und andere Textilien, die bis heute mit der Färbetechnik „Edo Komon“ ihr Design erhalten. Die Technik an sich stammt aus der Edo-Zeit (1603 – 1867) und ist für ihre filigranen und trotzdem weit sichtbaren Muster bekannt.

„Edo Komon“ ist historisch besonders wertvoll

Die Papierschablonen, die verwendet werden, um die komplizierten Muster auf den Stoff zu bringen, werden bis heute von Handwerkern in der Präfektur Mie hergestellt, wobei die Munster von Hand eingeritzt werden. Alle traditionellen Werkstätten stecken in einer tiefen Krise, sodass der Schutz des Handwerks und der Fertigkeiten umso wichtiger wird. Die Handwerker in Mie finden kaum noch Nachfolger, die die Vorlage für kommende Arbeiten erstellen.

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Heute gibt es manche Muster nur noch auf bereits defekten Schablonen, die nicht weggeworfen werden können, da ansonsten auch die Designs unwiederbringlich verschwinden. Die Hersteller arbeiten unermüdlich daran, die Künste ihrer Vorfahren zu erhalten. Der Chef des Geschäfts in Tokyo Atsushi Tomita ist 73 Jahre alt und ließ sich 2012 von einem Projekt des Tokyo Metropolitan Art Museum inspirieren. Dieses zeigte damals traditionelle Kunstwerke, die in Zusammenarbeit zwischen Handwerkern und Designern entstanden.

Gleichzeitig rief das Museum andere traditionelle Künstler und Handwerker auf, eigene Arbeiten einzureichen. Insgesamt wurden 256 Werke eingereicht, wovon 10 Produkte als historisch wertvoll zertifiziert wurden. Damals kam Tomita auf die Idee, dass seine Färbetechnik auch für andere Objekte verwendet werden kann. Er erkannte, dass er seine Muster immer wieder der Zeit anpassen kann.

Edo Komon Technik
Edo Komon ist bis heute Handarbeit Bild: Mainichi/ Hiroyuki Kondo

Digitalisierung soll Muster erhalten

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Das Geschäft in Tokyo besitzt Zehntausende Papierschablonen, die teilweise bereits zwischen 1789 und 1801 hergestellt wurden. Ein Berater schlug vor, die noch vorhandenen „Edo Komon“-Vorlagen einzuscannen und dann als digitale Muster zu behalten. Das Tokyo Metropolitan Industrial Technology Research Institute erklärte sich bereit, die Vorlagen zu digitalisieren, sodass sie später reproduziert werden können. Seit Herbst 2019 arbeitet Tomita daran, 200 Papierschablonen zu digitalisieren. Allerdings ist dieses Vorhaben nicht billig, weswegen er sich entschloss, im November eine Crowdfunding-Kampagne zu starten.

Ein ehemaliger Vertreter der Genossenschaft der Einzelhändler, der mittlerweile 74 Jahre alt ist, erklärte, dass es aktuell nur noch 30 Künstler geben, die die „Edo Komon“ Technik noch anwenden. Traditionelle Kleidung wird auch in Japan immer mehr von moderner Kleidung verdrängt, die billiger hergestellt wird.

Auch die Mehrzahl der Handwerker, die die Schablonen herstellen, sind über 70 Jahre alt. Deswegen setzen sie große Hoffnung, in die Crowdfunding-Initiative aus Tokyo. Tomita möchte mit seinem Projekt die Entwürfe erhalten und gleichzeitig die Menschen wieder davon zu überzeugen, damit auch die anderen Handwerker die Möglichkeit erhalten, ihre Fertigkeiten weiterzugeben.

Traditionelle Kunst
Historische Vorlage mit Seltenheitswert Bild: Tomita Sen-Kogei Co.
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