Stats

Anzeige
Home News Kultur Außergewöhnliche Bonsai-Technik findet international großen Anklang

Außergewöhnliche Bonsai-Technik findet international großen Anklang

Was zuerst aussieht wie ein riesiger Bonsai, entpuppt sich als einfacher Garten-Baum

In Kawaguchi in der Präfektur Saitama entstand eine Garten-Technik, die jetzt die Welt erobert. Die Bäume sehen auf den ersten Blick aus wie die bekannten und beliebten Bonsai, mit verdrehten Stämmen und kunstvoll ausgebreiteten Ästen, sind aber eigentlich gar keine.

Erst bei genauerem Hinsehen erkennt der Betrachter, dass es sich um einen gewöhnlichen Baum handelt. Bei diesen Bäumen werden aber ähnliche Techniken angewandt, wie sie auch bei Bonsai funktionieren, um das aufwendige Aussehen zu erreichen.

Ein spezielles Verfahren, das „Kyokukan-shitate“ genannt wird, beinhaltet unter anderem das Biegen des Stammes. Der Stadtteil Angyo in Kawaguchi gilt als „Heimat der Garten-Pflanzen“. Dort wurde diese spezielle Technik entwickelt und von Generation zu Generation weitergegeben.

Viel Zeit ist ein entscheidender Faktor

Es dauert 25 Jahren, bis ein auf diese Weise gezüchteter und gestalteter Baum als ausgewachsen gilt, da der Stamm immer wieder angepasst werden muss. Obwohl diese Art der Veredelung international viele Bewunderer hat, wird sie in Japan eher mit Skepsis aufgenommen. Einige Gärtner aus der Region betreiben diese Art der Pflanzen-Züchtung bereits seit vielen Generationen.

Mehr zum Thema: 
Filigranes Handwerk in Tokyo

Ein Meister seines Fachs erklärt, dass man bis zu 10 Jahre darauf wartet, dass ein Baum eine bestimmte Form annimmt. Erst wenn der Stamm eine Höhe von etwa drei Metern erreicht hat, kann er vertikal in vier Teile aufgespalten werden, um an den Kern zu kommen. Auf diese Weise ist der Stamm leichter zu biegen, bevor er verdreht und mit einem Seil neu fixiert wird.

Dann dauert es wieder fünf Jahre, bis die Bäume ihre Festigkeit wiedererlangen. Um mit der entsprechenden Bearbeitung der Äste beginnen zu können, heißt es wieder fünf Jahre warten. Erst dann beginnen die Blätter in Form von „Bällen“ zu wachsen, wie man sie von besonders schönen Bonsais her kennt.

Bonsai in XXL
Meister der Riesen-Bonsai Bild: Kyota Tsutsumi

Alte Bonsai-Techniken neu interpretiert

Insgesamt konzentrieren sich Meister-Gärtner der „Kyokukan-shitate“-Technik auf drei Faktoren, die ihnen vor allem Talent und gärtnerische Fähigkeiten abverlangen. Der erste Punkt heißt „Sashi-eda“, was bedeutet, dass lange Äste horizontal zum Boden wachsen, immer mit Bezug auf die Größe des Baumes passend. „Uke-eda“-Äste wachsen in die andere Richtung und dürfen aber nur bis zu einem Drittel der Länge der „Sashi-Eda“ erlangen. Die „Blatt-Bälle“ stellen die letzte Herausforderung dar.

Letztes Jahr erkannte die Stadtverwaltung von Kawaguchi die Riesen-Bonsais als unverwechselbare landwirtschaftliche Errungenschaften der Region an und begann, die Gärtner zu fördern.

Internationale Anerkennung erlangten sie jedoch bereits vorher. 2002 gewann ein Gärtner aus Kawaguchi den ersten Preis im Bereich Outdoor bei der fünften internationalen Garten-Ausstellung. An dem Wettbewerb nahmen Teilnehmer aus mehr als 30 Ländern teil. Die Floriade findet regelmäßig in den Niederlanden statt und gilt als Olympiade für Blumen und Zierpflanzen.

Die Bäume aus Kawaguchi sind weltweit gefragt. Ihre Preise reichen von 500.000 Yen (4.170 Euro) bis zu drei Millionen Yen (25.000 Euro). Trotz weltweiter Beliebtheit wird es für die Züchter in der Region immer schwieriger, ihre Pflanzen zu verkaufen. Vor allem die Tatsache, dass heute viele Häuser keine Gärten mehr haben, erweist sich als Problem. Die ländlichen Gebieter werden immer urbaner, sodass freie Fläche eher für weitere Häuser verwendet wird als für einen außergewöhnlichen Baum.

AS

Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren:

Rolling Sushi - der Japan-Podcast

Rolling Sushi - Japan für die Ohren

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here