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HomeNachrichten aus JapanKulturAusstellung zeigt aufwühlende Zeichnungen eines Polizisten aus dem Zweiten Weltkrieg

Der Künstler berichtet aus dem wahren Leben jener Zeit

Ausstellung zeigt aufwühlende Zeichnungen eines Polizisten aus dem Zweiten Weltkrieg

Die Zeit des Zweiten Weltkrieges wird in Japan oftmals immer noch totgeschwiegen, wenn es nicht gerade darum geht, die Gräueltaten der damaligen Feinde öffentlich zu machen.

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Zahlreiche Blockbuster fürs Kino und Romane zu dem Thema zeichnen ein stereotypisches Bild Japans und seiner Menschen zur damaligen Zeit. Zwar gibt es auch einige Projekte, die versuchen, diese Darstellung teilweise richtig zu stellen und die zeigen, dass auch Japan seine eigenen inneren Kämpfe im Zweiten Weltkrieg ausfechten musste. Allerdings sind Filme wie „Der Eisenbahner“ oder „Letter from Iwojima“ kaum in der Lage alle Klischees und vorgefassten Meinungen ins rechte Licht zu rücken.

Der Zweite Weltkrieg in Japan hautnah

Was viele ausländische Produzenten, die sich mit dem Thema befassen, kaum zur Kenntnis nehmen, ist, dass es keine bessere Möglichkeit gibt, die Erfahrungen der Japaner während des Krieges zu verstehen, als die, sich die künstlerischen Darstellungen jener Zeit anzusehen. Diese Bilder wurden von den Menschen geschaffen, die die Zeit des Krieges selbst miterlebten.

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Im Museum von Anjo City eröffnet eine Sonderausstellung mit dem Titel „Illustrierter Krieg aus der Sicht eines Polizisten“. Sie zeigt Zeichnungen, die Atsushi Sakurai während und nach dem Krieg anfertigte. Die Ausstellung zeigt sowohl den persönlichen Blickwinkel des Künstlers als auch eine realistische und menschliche Perspektive des Zweiten Weltkrieges in Japan. Anders als es oftmals in der Unterhaltungsindustrie dargestellt wird.

Atsushi Sakurai wurde in der Stadt Anjo (Präfektur Aichi) geboren und war während des Zweiten Weltkrieges und kurz danach noch Polizeibeamter in der Präfektur. Sakurais Aufgabe während des Krieges war es, die Sicherheit aufrecht zu erhalten. Beim Luftangriff auf Atsuta und Okazaki gehörte Sakurai zu dem Team, das die Evakuierung organisierte und Verletzte rettete.

Alle sollen an den Erinnerungen teilhaben

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Der Polizist hielt er viele seiner Erfahrungen während und nach dem Krieg in Buntstift-Skizzen fest. Insgesamt schuf Sakurai rund 1.700 Zeichnungen, die seine Kriegserlebnisse, die Lebensweise der Menschen während des Krieges aber auch Wartungsarbeiten und Rettungseinsätze zeigen. Die Landungen der amerikanischen Expeditionstruppen (AEF) und der britischen Commonwealth-Okkupationstruppen (BCOF) sind ebenso Thema wie das rasante Wachstum des Schwarzmarktes nach Ende des Krieges.

Japan zur Zeit des zweiten Weltkriegs
Japan nach dem Zweiten Weltkrieg Bild: Atsushi Sakurai / Anjo Museum of History

1948, nach dem Tod seines älteren Bruders, schied Sakurai aus dem Polizeidienst aus und wurde 1957 Oberpriester des Jogenji-Tempels. Während dieser Zeit hielt er verschiedene Geschichts-Veranstaltungen ab, in denen er von seinen Erlebnissen während des Zweiten Weltkrieges berichtet und damit die Erinnerung im Land am Leben hielt. Nach seinem Tod im Jahr 2016 im Alter von 89 Jahren spendete Sakurais Familie seine Zeichnungen dem Museum der Stadt Anjo.

Die Sonderausstellung läuft vom 5. Dezember bis zum 11. Januar 2021 im Museum von Anjo. Der Eintritt zur Sonderausstellung ist kostenfrei. Weitere Einzelheiten können über eine extra online gestellte Webseite abgerufen werden.

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