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HomeNachrichten aus JapanKulturBerührungsverbot-Schild für ein Baby sorgt in Japan für Diskussionen

Vor allem ältere Menschen lieben es, die neuen Menschen gestenreich kennenzulernen

Berührungsverbot-Schild für ein Baby sorgt in Japan für Diskussionen

In Japan sieht man des Öfteren Frauen mit einem Anhänger an ihrer Tasche, auf dem ein Baby abgebildet ist. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Frau schwanger ist, selbst wenn man es noch nicht sieht. Damit ist die stille Bitte verbunden, im Zug einen Sitzplatz angeboten zu bekommen oder zumindest mehr Rücksicht bei den Mitmenschen hervorzurufen.

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Eine Frau aus der Präfektur Saitama wurde mit einem Anhänger mit einer Baby-Illustration gesehen, den sie erst nach der Geburt ihres Kindes verwendete. Damit bat sie andere Menschen, ihren kleinen Sohn nicht einfach anzufassen. Auch in Japan ist es üblich, dass Eltern ihre neugeborenen Kinder in den ersten Wochen zu Hause behalten. Die Mutter, die sich Ai nennt, ging mit ihrem Sohn das erste Mal nach draußen, als dieser drei Monate alt war.

Babys wollen nicht betatscht werden

Zuerst ging sie mit ihm in der Nachbarschaft spazieren. Dabei stieß sie auf das Problem, dass vor allem ältere Leute auf sie zukamen und erklärten, wie süß ihr Baby ist. Dann berührten sie das Kind einfach, ohne die Mutter vorher dazu fragen, ob sie dies in Ordnung findet. In den sozialen Netzwerken kam die Frau aus Saitama mit anderen Müttern in Kontakt, die dasselbe Problem hatten. Deshalb beschloss Ai, ein Schild mit der Aufforderung zu gestalten, ihr Kind nicht anzufassen. Das Schild zeigt ein traurig aussehendes Baby, das mit seinen Armen ein Kreuz formt.

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Diese Geste wird auch in Japan als deutliches „Nein“ verstanden. Ai befestigte das Schild an ihrem Kinderwagen, wenn sie mit ihrem Sohn ausging. Sie wollte Fremden damit deutlich machen, dass die von Streicheleinheiten und ähnlichen ungewollten Berührungen absehen sollen. Später veröffentlichte die Mutter das Schild in den sozialen Netzwerken und löste damit heftige Diskussionen aus. Was zum Teil auch daran liegt, dass verschiedene japanische kulturelle Werte berührt werden.

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Generell ist man in Japan von körperlichen Zuneigungsbekundungen nicht sehr angetan, selbst platonische Umarmungen oder Schulter-Klopfen unter Freunden kommen eher selten vor. Die meisten Japaner verstehen deswegen, dass die Mutter nicht will, dass ihr Kind einfach so berührt wird. Deswegen bekommt Ai auf ihren Post auf viele positive Rückmeldungen, die ihr zu ihrem Schild gratulieren.

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Japaner sehen kulturelle Werte angegriffen

Gleichzeitig hat man in Japan großen Respekt vor dem Alter und viele denken, dass Kinder sehr von der Erfahrung ihrer Großeltern profitieren können, wenn sie mit ihnen Zeit verbringen. Das Gemeinschaftsgefühl ist ebenfalls sehr ausgeprägt, deswegen wollen viele Japaner gerade neue Bürger in ihrer Mitte mit Aufmerksamkeit überschütten, um sie willkommen zu heißen.

Einige haben Bedenken, wenn Ai im Alltag einmal Hilfe braucht, um den Kinderwagen in einen Zug zu heben oder bei ähnlichen Situationen. An dieser Stelle könnte das Schild die Menschen abschrecken. Die Mutter erklärte aber, dass sie im Zweifel selbst um Hilfe bitten würde und ansonsten fremde Menschen bittet, respektvoll auf Abstand zu bleiben, wie man es gewohnt ist. Andere wiederum halten den Hinweis für überflüssig, da es nicht sehr oft vorkommt, dass einfach fremde Kinder angefasst werden. Trotz des Gegenwindes ist die Mutter aus Saitama von ihrem Hinweis-Schild überzeugt und will es in Zukunft weiterverwenden.

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