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Buddhistische Religion stellt sich auf LGBT-Leute ein

Für sexuelle Minderheiten ist das alltägliche Leben in Japan problematisch. Wenn sie der buddhistischen Religion angehören, geht der Ärger aktuell bis zum Tod weiter.

Auch der Buddhismus verspricht, wie andere religiöse Lehren, ein posthumes Leben, bei dem es um Glück und Leidensfreiheit geht. Die buddhistische Religion sieht vor, nach dem Tod einen Dharma-Namen (“Kaimyo”) von einem Priester zu erhalten. Dieser Name weist den Menschen als Schüler Buddhas im nächsten Leben aus. Unter diesem Namen ist der Verstorbene dann über den Tod hinaus bekannt.

Der Name kommt einem Ehrentitel gleich, der Geschlecht und Alter sowie manchmal auch den sozialen und religiösen Status weitergibt. “Koji” und “Doji” sind so zum Beispiel Männern und Jungen vorbehalten. Die Silben “Daishi” und “Dojo” wiederum werden nur für Frauen genutzt. In einigen Fällen kommen auch “Shinji” für Männer und “Shinnyo” für Frauen zum Einsatz.

Der Kaimyo-Name wird normalerweise in den Gesängen eines Priesters bei der Beerdigung untergebracht und mit einem Kalligrafie-Pinsel auf die Leichentafel des Verstorbenen geschrieben.

Aber was passiert, wenn das Geschlecht und die Geschlechtsidentität nicht übereinstimmen? Was macht ein Priester, wenn eine Person als Mann geboren wurde, aber als Frau lebte? Dieser Herausforderung der buddhistischen Religion, dem Umgang mit LGBT-Personen bei der Vergabe von Kaimyo-Namen, nahm man sich jetzt an.

Die Chisan-Schule der Sekte Shingon veranstalteten im letzten Winter in einem Tempel nahe der Minato-Station in Tokyo einen Workshop, der sich mit dem LGBT-Thema beschäftigte. Etwa 50 Priester kamen, um Hideki Sunagawa zuzuhören, einem 52-jährigen Anthropologen, der offen schwul lebt. Er sprach über den aktuellen Stand der LGBT-Menschen in der Gesellschaft und über ihre Sorgen, was ihr Leben nach dem Tod angeht.

Sunagawa beschreibt, dass oftmals die gleichgeschlechtlichen Partner dem Sterbebett aus Rücksicht auf die Familie und Verwandten fernbleiben. Man gehe als “Freund” auf die Beerdigung seines Lebenspartners. Trotzdem könne man an wichtigen Stationen der Zeremonie nicht teilnehmen. Viele verzweifelten, weil sie dem geliebten Menschen in den letzten Momenten seines Lebens nicht nah sein können.

Ein Priester stellte die Frage, wie er bei der Suche nach der richtigen Kaimyo-Bezeichnung vorgehen sollte. Sunagawa riet dem Priester, sich nach dem Geschlecht zu richten, mit dem die entsprechende Person lebte, unabhängig davon, welches sie bei der Geburt hatte. Dieser Vorgang sollte vorher mit der Familie abgesprochen werden. Eine völlig richtige Antwort auf diese Frage sei allerdings schwer zu geben. Es gehe darum, die Botschaft weiterzugeben, dass der Buddhismus auch die Interessen von LGBT-Menschen unterstützt.

Priester bei Klärung buddhistischer Fragen
Bild: Takumi Okada

Viele Fragen an die buddhistische Religion, aber wenig konkrete Antworten

Bereits 2017 diskutierten 20 Priester der Jodo-Sekte in Kyoto über diesen Aspekt der buddhistischen Religion. Sie ging anders an die Diskussion heran. Was passiert in dem Fall, wenn die tote Person nie offen über seine Geschlechtsidentität sprach? Wenn die Familie entscheidet ein männliches oder weibliches Kaimyo zu wählen, wird die gesamte Familie über diesen Umstand informiert. Das Geheimnis wäre dann keines mehr. Hier konnten sich die Geistlichen nicht einigen, wie sie reagieren sollten.

In der Jodo Shinshu-Sekte, den Vertretern des True Pure Land Buddhismus, wird der Dharma-Name als “Homyo” bezeichnet. Auf dem nationalen Kongress der Otani-Schule im Juni 2017 äußerte ein Priester die Idee, die aktuellen Modalität der Homyo-Bildung zu überdenken. Die binäre Denkweise von Mann und Frau sei längst überholt.

Das Jodo Shu Forschungsinstitut veröffentlichte im März 2018 die Ergebnisse der Forschung zu LGBT-Fragen in der buddhistischen Religion. Demnach gibt es geschlechtsspezifische Namen und Titel seit den Anfängen. Männliche Anhänger erhalten “Biku” in ihrem Namen, während Frauen “Bikuni” genannt werden. Frauen waren verpflichtet, strengere Regeln einzuhalten, als ihre männlichen Mitmitglieder. Die Priester schlugen verschiedene Ideen vor, wie zum Beispiel die Schaffung von Unisex-Kaimyo-Titeln.

Einige Sekten bleiben weiterhin unentschlossen, wie ihre Gemeinschaften mit dem Thema umgehen soll. Einige Anhänger äußerten den Wunsch, dieselben Ehrentitel zu erhalten wie ihre Eltern. Andere waren besorgt, dass bei einer unklaren Auslegung der Kaimyo-Name auf den Leichentafeln weggelassen werden. Deswegen sei es überaus richtig, eine konkrete Regelung zu treffen.

Kanae Kawamoto, Forscher für buddhistische Studien am Center for Southeast Asian Studies der Universität Kyoto, erklärte, dass sich viele LGBT-Leute dem Buddhismus zuwenden, weil sie in der Gesellschaft mit Vorurteilen wegen ihrer sexuellen Orientierung zu kämpfen haben und sich von der Religion Unterstützung und Hilfe versprechen. An dieser Stelle sei die Haltung des Priesters von grundlegender Wichtigkeit.

Shodo Koshima, ein Jurist, der sich mit den Menschenrechten in der Jodo-Sekte befasst, erklärte, dass in den Lehren des Buddhismus jedes Leben gleichermaßen wertvoll sei, unabhängig vom Geschlecht. Das Gefühl der eigenen Person gegenüber sei genauso wichtig, wie die Bindung zu Familie. Kaimyo sollen keine Quelle für Diskriminierung oder Vorurteile sein. Er regte an, dass sich die gesamte Gemeinschaft der buddhistischen Religion gemeinschaftlich mit diesem Thema befassen müsse.

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