Stats

Anzeige
Home News Kultur Buddhistische Zeremonie ehrt ungenutzte Urlaubstage in Japan

Buddhistische Zeremonie ehrt ungenutzte Urlaubstage in Japan

Japaner sind Workaholics und eine Reform des Arbeitsmarktes löst das Problem nicht

Am Wochenende nach dem Tag der Arbeit (23. November) findet in Tokyo eine einzigartige Veranstaltung mit dem Titel „Yūkyū Jōka“ („bezahlte Urlaubs-Reinigung“) statt. Dabei werden ungenutzte Urlaubstage in einer buddhistischen Zeremonie geehrt.

In Japan gehört es zum guten Ton viel und hart zu arbeiten. Allerdings hinterlässt das Leben als Workaholics langsam Spuren in der Bevölkerung. „Karoshi“ (Tod durch Überarbeitung) wird in Zusammenhang mit Japan in den internationalen Medien immer öfter erwähnt.

Japan kämpft gegen die Überarbeitung der Angestellten

Nach Angaben des japanischen Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales lag die Erwerbsquote der Arbeitnehmer in Japan 2017 bei 51,1 Prozent. In keinem Land der Welt gehen mehr Menschen aus der Bevölkerung arbeiten als dort. Allerdings stieg auch die Zahl der Menschen, die sich überarbeitet fühlen.

2018 verabschiedete die japanische Regierung eine Arbeitsmarkt-Reform, die die Arbeitsgewohnheiten positiv verändern und die Arbeitszeit verkürzen sollte. Die Reform trat im April 2019 in Kraft und schreibt beispielsweise vor, dass Arbeitnehmer in Japan mindestens fünf Tage Urlaub nehmen müssen, wenn sie mehr als 10 Tage ihres Jahresurlaubes am Jahresende noch offen haben.

Ehrung ungenutzter Urlaubstage soll Einstellung zu Urlaub ändern

Dennoch bleiben häufig Urlaubstage bei japanischen Angestellten übrig und dies kann den Menschen unangenehm sein. Kuyō-Zeremonien werden in Japan abgehalten, um unbelebte Gegenstände, die nicht mehr gebraucht werden, zu ehren. Nun gibt es am Wochenende nach dem Tag der Arbeit (23. November) in Tokyo eine solche Zeremonie zur Ehrung ungenutzter Urlaubstage. Sie hat das Ziel, die Einstellung der Japaner zu bezahltem Urlaub positiv zu beeinflussen.

Japanische Laternen mit Botschaft
Laternen erzählen Geschichten Bild: Ningen

Die Organisation Ningen veranstaltet die Zeremonie und lud dazu einen buddhistischen Priester der Jōdo-Sekte ein. Der Priester leitet die Zeremonie und bietet mehrere Aktivitäten rund um das Event an. Alles zusammen soll die Teilnehmer dazu ermutigen, ihre bezahlten Urlaubstage auch wirklich aufzubrauchen.

Laternen repräsentieren Geister der ungenutzten Tage

Bei der Zeremonie wird der Priester umgeben sein von 300 Laternen, auf denen Menschen ihr Bedauern über nicht ungenutzte Urlaubstage niederschreiben können. Die Veranstalter nehmen noch bis zum 15. November über ihre offizielle Webseite solche Mitteilungen entgegen. Diese werden in einem Pool gesammelt und anschließend für die Laternen ausgewählt. Zusätzlich werden die Geschichten hinter diesen ungenutzten freien Tagen auf riesige Laternen projektiert, die während der Zeremonie über den Köpfen der Anwesenden „schweben“.

Die Laternen und Mitteilungen stellen somit symbolisch die Geister der ungenutzten bezahlen Urlaubstage dar, die danach durch Gebete von dem Priester beweint und somit gereinigt werden. Wer an der Veranstaltung teilnimmt, kann seine Geschichte auch direkt mitbringen und direkt vor Ort auf eine Laterne schreiben. Die Organisatoren versprechen, einige leere Laternen für besonders betroffene Teilnehmer übrig zu lassen.

Japan wählt traurigste Urlaubsgeschichte
Voting-Punkte für Geschichten Bild: Ningen

Über verschiedene Social-Media-Kanäle können sich die Menschen in Japan ebenfalls an die Veranstalter wenden und ihnen ihre Geschichten erzählen. Die Besucher werden während der Veranstaltung dazu animiert, die Botschaften auf den Laternen zu lesen und dabei ihr eigenes Leben zu reflektieren. Durch Aufkleber können sie ihre Anteilnahme für die jeweiligen Betroffenen zum Ausdruck bringen. Die Geschichte mit den meisten Stickern erhält ein goldenes Formular, mit dem der Erzähler seinen bezahlten Urlaub einfordern kann.

Kuriyaso

Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren:

Rolling Sushi - der Japan-Podcast

Rolling Sushi - Japan für die Ohren

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

Cookie-Einstellung

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und Werbung einblenden zu können,verwenden wir Cookies. Datenschutz | Impressum

Treffen Sie eine Auswahl um fortzufahren

Ihre Auswahl wurde gespeichert!

Hilfe

Hilfe

Um fortfahren zu können, müssen Sie eine Cookie-Auswahl treffen. Nachfolgend erhalten Sie eine Erläuterung der verschiedenen Optionen und ihrer Bedeutung.

  • Alle Cookies zulassen:
    Jedes Cookie wie z.B. Tracking- und Analytische-Cookies.

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit hier ändern: Datenschutz.

Zurück