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Jung und Alt tragen das traditionelle Kleidungsstück

Coole Fundoshi bringen neuen Schwung in japanischen Unterwäschemarkt

Wenn jemand heutzutage einen Fundoshi, einen traditionellen japanischen Lendenschurz trägt, denken viele an spärlich bekleidete Männer, die sich an einem Festival beteiligen.

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In den letzten Jahren hat der einfache Fundoshi in Japan zunehmend Zugang zur jungen Generation gefunden, wobei auch Frauen von den gesundheitlichen Vorteilen im täglichen Gebrauch profitieren. In den schwülen Sommertagen dieses Jahr probieren immer mehr junge Leute das Kleidungsstück aus. Die langjährigen Fans sind sich sowie sicher, dass einmal Tragen süchtig macht.

Junge Frauen tragen Fundoshi aus Überzeugung

Junge Frauen sind begeistert von dem einfachen Anlegen. Auch eine Frau aus Tokyo, die selbst seit 10 Jahren in der Unterwäscheindustrie arbeitet, versuchte in diesem Jahr das erste Mal einen Fundoshi und gab dem Lendentuch direkt ihr Profi-Prüfsiegel. Die Firma, für die sie tätig ist, vertreibt selbst die verschiedensten Arten Unterwäsche.

Die Expertin aus Tokyo trägt am liebsten im Bett einen Fundoshi. Sie setzt dabei auf die „Mokko“- Variante, die an beiden Seiten mit einer Schnur gehalten wird. Aber auch unter alltäglicher Kleidung kann man einen solchen „Mokko“-Lendenschurz problemlos tragen.

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Keiji Nakagawa (42) ist Leiter der Japan Fundoshi Association, eines allgemeinen eingetragenen Vereins. Er berichtet von höchstpersönlichen Erfahrungen mit dem traditionellen Kleidungsstück. Er hatte eine Zeit, in der seine Arbeit Depressionen auslöste. Ein Bekannter riet ihm, einen Fundoshi zu tragen und sofort fühlte der Angestellte sich besser.

2011 kündigte Nakagawa seinen Job und gründete eine eigene Firma, die coole Lendenschürze unter dem Markennamen „Sharefun“ herstellt und vertreibt. Jedes Jahr verkauft sein Unternehmen rund 6.000 Stück des Artikels. Ein Fundoshi kostet rund 4.000 Yen (34 Euro). Über 60 Prozent der Käufer sind dabei Frauen.

Laut Nakagawa gibt es heute in ganz Japan noch 30 Unternehmen, die dieses traditionelle Kleidungsstück herstellen und verkaufen. Die Anzahl von Einzelverkäufern, die ihre handgefertigten Produkte verkaufen, nimmt in letzter Zeit sogar zu. Viele dieser Unternehmen richten sich mit ihren Angeboten auf gesundheitsbewusste Frauen aus, sodass es auch Stoffpolster für die Zeit der Menstruation oder schicke Fünferpacks gibt.

Junge Leute sind gesundheitsbewusst und tragen Fundoshi

Akihiro Sakurai ist Leiter der Geburtsklinik Sakura in Yokohama und ebenfalls von den gesundheitlichen Aspekten überzeugt. Normale Unterwäsche drückt auf den Leistenbereich, was bei Männern und Frauen zu Durchblutungsstörungen und geringeren Fortpflanzungsfähigkeiten führen kann. Ein Fundoshi lässt diesen Bereich frei und ermöglicht einen gesunden Blutfluss, sodass das Tragen einen positiven Einfluss auf Schwellungen und das Kälteempfinden hat.

An der Kyoto Universität gibt es einen Fundoshi Lovers’s Club, den der Student Rintaro Kiyota ins Leben rief. Der Schüler ist in seinem dritten Jahr auf der Universität und Fan des Lendenschurzes seit der dritten Klasse der Highschool. Er ist vor allem von der Atmungsaktivität begeistert, die im heißen und feuchten Klima in Japan einen großen Vorteil darstellt. Für Kiyota ist das Kleidungsstück gleichzeitig eine Art Motivator.

Nachdem Kiyota sein Studium abgeschlossen hat, beschloss er, seine Begeisterung für den Fundoshi mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen und Liebhaber zusammenzubringen. Sein überregionaler Fanclub hat mittlerweile mehr als 30 Mitglieder.

Heimlich, still und leise zum Trendsetter

In der Heian-Zeit (794 – 1185) war das Tuch sehr kostbar, sodass nur Adlige diese japanische Unterwäsche tragen konnten. Erst mit der Edo-Zeit (1603 – 1868) hielt das Kleidungsstück auch Einzug in die Welt der Arbeiter. Der heutige Unterwäschestil in Japan entwickelte sich nach dem Weltkrieg, als der westliche Kleidungsstil in Japan populär wurde.

Masahiro Kinoshita, (48) vom Forschungslabor Kinoshita Kimono, einer Organisation, die sich auf traditionelle japanische Kultur- und Lebensstilideen spezialisiert hat, äußerte sich ebenfalls zum Revival des Fundoshi. Er sagte, dass nach dem großen Erdbeben im Osten Japans 2011 Maßnahmen ergriffen wurden, regionale Produkte zu fördern, sodass auch traditionelle Kleidungsstücke wieder in den Fokus gerieten. Diese Rückbesinnung auf die japanische Kultur führte dazu, dass sich der Fundoshi zum Trendkleidungsstück mauserte.

Quelle: Mainichi

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