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HomeNachrichten aus JapanKulturEinst eine japanische Tradition, heute vom Aussterben bedroht – die Neujahrskarte

Einst eine japanische Tradition, heute vom Aussterben bedroht – die Neujahrskarte

Früher war es eine Tradition, zu Neujahr eine Karte an die Familie zu senden. Dies war fest im Bewusstsein der ganzen Nation verankert und jeder schrieb und versandte Grüße. Nun jedoch ist diese Tradition vom Aussterben bedroht, da viele Japaner sich dagegen entscheiden, eine Neujahrskarte an Familie, Freunde oder Bekannte zu senden.

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Zahlreiche Medien berichten von diesem Phänomen. So auch das Online-Magazin Easier Tomorrow. Sie erklären die vermuteten Gründe für einen solchen Rückgang. Laut ihren Berichten hören viele Menschen auf, diese Karten zum neuen Jahr zu schreiben, da sie vermehrt das Gefühl haben, keine Grüße zurückzuerhalten. Aus diesem Grund brechen sie mit der alten Tradition und verzichten auf das Kaufen und Schreiben von netten Worten zu Neujahr. Denn diese Aufgabe ist ziemlich zeitintensiv. Vor allem, wenn Nachrichten und Adressen handgeschrieben sind. Laut Easier Tomorrow sendeten Japaner im Durchschnitt etwa 35 Karten pro Person im Jahr 2003. Im letzten Jahr waren es dagegen bloß noch 19 Karten pro Person.

„Das Schreiben und Senden von Neujahrskarten kann leicht einen ganzen Tag dauern“, beschreibt der Artikel. „In dieser Zeit ist jeder beschäftigt, daher ist es einfacher, Grüße per E-Mail oder über eine Nachrichten-App zu versenden.“ Die Menschen hören also nicht auf, ihren Liebsten zum neuen Jahr Grüße zu senden. Vielmehr wechseln sie von der Tradition, handgeschriebene Karten zu erstellen, zu einer neuen und auch schnelleren Version. Dadurch sparen sie eine Menge Zeit und Arbeit, können die Grüße schneller übermitteln und auch einfacher Antworten erhalten.

Einige Online-Magazine machen die Technik dafür verantwortlich, dass diese Tradition nach und nach verloren geht. Doch manche Artikel beschreiben auch die Gegensicht. Sie erklären, dass vor allem die Älteren diese Tradition bereits aufgeben wollten. Denn vor allem für sie ist dieses Ritual sehr anstrengend und stressig. Sie müssen sehr viel Zeit in das Schreiben zahlloser Karten investieren und immer wieder etwas Neues zu berichten finden. Einen ganzen Tag oder sogar mehr in solche Grüße zu investieren, ist bei vielen der älteren Japaner schon lange eine Pflicht, die sie nicht fortführen wollen. Dies könnte jedoch zu anderen Problemen führen.

Die Abschaffung dieser Neujahrskarten-Tradition wollen nicht nur jüngere, sondern auch viele ältere Japaner

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Obwohl ein Großteil der Bevölkerung sich nicht weiter diesem Stress des ewig dauernden Kartenschreibens aussetzen möchte, ist es für viele schwierig, einfach aufzuhören. „Wenn Sie der Typ von Mensch sind, der immer Neujahrskarten gesendet hat und sie dann plötzlich in einem Jahr damit aufhören, werden sich andere Sorgen machen und sich fragen, was passiert ist“, erklärte jemand. Um genau dieses Problem zu umgehen, schlug der Artikel von Asahi Shimbun eine relativ einfache Lösung vor.

Die Zeitung ermutigte die Menschen, Shukatsu Nengajo (Neujahrskahrten) noch ein letztes Mal zu senden. Diese sollten jedoch den vielen Karten ein Ende bereiten. Sie betitelten die Karten als „Nengajo, um alle Nengajo zu beenden.“ In diesen Karten können sowohl Grüße zum neuen Jahr als auch eine Begründung dafür, warum es die letzte ist, stehen. Auf diese Weise sorgt das Ausbleiben weiterer Karten nicht für Sorgen und Angst bei den Empfängern, denn sie wissen bereits für das nächste Jahr Bescheid und erwarten keine Grüße via Karte mehr.

Neujahrskarten sind nicht nur einfache Grußkarten, sondern zugleich auch Lotto-Tickets

Doch trotz all dieser negativen Punkte und der vielen Probleme, die einige Japaner mit der Tradition der Neujahrskarten haben, gibt es auch einige positive Aspekte. Die Nengajo bieten einen kleinen Leckerbissen für die, die nach etwas Glück im neuen Jahr suchen. Denn zu ihnen gehört immer ein Lotto-Ticket. Japan Post (oder formell das Ministerium für Post und Telekommunikation) führten die Lottozahlen auf Neujahrskarten schon im Jahr 1949 ein. Seitdem kann jeder mit einer solchen Karte einen besonderen Preis gewinnen. Bei der Erstauslosung handelte es sich noch um eine Nähmaschine. Im Jahr 1984 wurde dieser Hauptgewinn zu einer Mikrowelle aufgewertet.

Der erste Preis in diesem Jahr sind 300.000 Yen (ca. 2.340 Euro) in bar oder als entsprechender Wert in Haushaltsgeräten. Doch nicht nur die Gewinne selbst machen Neujahrskarten attraktiver. Gleichzeitig zu dem doppelten Nutzen der Karten sind auch die Gewinnchancen bei dieser Verlosung ungleich höher als beim gewöhnlichem Lotto. Sie stehen bei 1 zu 1 Million (vergleiche: im Lotto ist es 1 zu 140 Millionen). Fuji Film, die in den letzten 30 Jahren Neujahrskarten mit Familienfotos beworben haben, sind der Überzeugung, dass dies eine perfekte Mischung aus der Wärme eines lieben Grußes und dem Nervenkitzel, vielleicht im Lotto zu gewinnen, darstellen. Und vielleicht ist das auch ein guter Grund, diese Tradition aufrechtzuerhalten.

Quelle: Japan Times

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