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Verstöße wurden hart bestraft

Frauen mussten früher den örtlichen Behörden in Japan ihren Haarschnitt erklären

Wer sich die Haare schneiden lässt, rechnet eigentlich nicht damit, danach einen Behördengang vor sich zu haben. Vor 150 Jahren war das in Japan allerdings anders, wie ein Dokument nun zeigt.

Denn Frauen mussten ihren Haarschnitt den örtlichen Behörden melden, genauso wie Frauen dies tun mussten, wenn sie ihr Äußeres änderten.

Männer hatten freie Frisurenwahl, Frauen allerdings nicht

Die Meiji-Regierung erließ 1871 ein Edikt, das den Männern die freie Wahl ihrer Frisur erlaubte und ihnen die Entscheidung überließ, ob sie weiterhin ihr Deckhaar verknoten – eine jahrhundertealte Praxis – oder ihr Haar kurz schneiden wollten.

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Das Edikt sollte die Verwestlichung Japans fördern, kurz nachdem das Land aus der mehr als 200 Jahre währenden Isolation getreten war. Frauen durften sich jedoch nicht ohne überzeugenden Grund die Haare kurz schneiden und sollten ein aufwendig gearbeitetes Chignon-Bun beibehalten. Wer es versäumte, den Behörden die Änderung der Frisur zu melden, wurde hart betraft.

Dokument zeigt Bericht einer Frau, die sich die Haare abschnitt

Ein kürzlich gefundenes Dokument bestätigte das kuriose Edikt. Das Dokument tauchte während einer kürzlich durchgeführten Untersuchung von Archiven auf, die im Wohnhaus der Familie Inoue, einem der ältesten Haushalte im Stadtteil Yata der Stadt Shiroi, aufbewahrt werden. Die Untersuchung wurde von der städtischen Schulbehörde der Stadt durchgeführt.

In dem Papier vom 25. Oktober 1876 berichteten der Schwiegervater der Frau und andere Verwandte, dass sie sich im Juli die Haare im Rahmen eines religiösen Rituals schneiden ließ, um zu beten, dass sie sich von einer langwierigen Krankheit erholen würde.

Experten vermuten, dass es sich bei dem Dokument um eine Kopie des Berichtes handelt, der den Präfekturbehörden vorgelegt wurde, da es kein Siegel trägt.

Haarpflege für Frauen zu dieser Zeit kaum möglich

Nach dem Erlass des Ediktes von 1871 ließen auch eine Reihe von Frauen die Haare kurz schneiden, um von der Last des Chignons befreit zu werden. Berichten zufolge brauchten Frauen einen halben Tag, um ihre Haare vollständig zu waschen, da der Chignon mit einer großen Menge Öl gefestigt wurde.

Viele Frauen hatten damals Glück, wenn sie ihre Haare einmal im Monat waschen konnten, sogar im Sommer. Infolgedessen kam es nicht selten vor, dass sie aufgrund des üblen Geruchs ihrer Haare Kopfschmerzen bekamen. Trotz der Erleichterung für die Frauen, wenn sie sich die Haare kurz schneiden ließen, war die breite Öffentlichkeit eher dagegen.

1872 erließ die Stadtregierung von Tokyo eine Verordnung, die es Frauen verbot, ihr Haar ohne besonderen Grund kurz zu tragen, gleichzeitig mit einem Verbot für Männer, auf die Straße zu urinieren und sich tätowieren zu lassen. In den folgenden Jahren folgten auch andere Präfekturen.

Mittlerweile ist diese unsinnige Regelung natürlich abgeschafft worden.

AS

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