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Neue Funde des japanischen "Faust"-Übersetzers

Handschriftliche Manuskripte des Autors Mori Ogai begeistern Experten

Er war einer der wichtigsten japanischen Autoren des frühen 20. Jahrhunderts und in Japan bis heute bekannt. Doch in Deutschland ist der Name Mori Ogai den wenigsten ein Begriff – obwohl er hier wichtige Teile seines Lebens verbrachte. Jetzt sind Handschriften des Autors wieder aufgetaucht.

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Mori Ogai wurde 1862 geboren und war Militärarzt, Dichter und Übersetzer mit einer tiefen Verbindung zu Deutschland. Vor einhundert Jahren, im Jahr 1922, starb Ogai nach einem ereignisreichen Leben in Tokyo. Seine Werke werden bis heute gelesen, doch nur wenige handschriftliche Versionen seiner Geschichten haben die Zeit überdauert.

Experten für das Werk von Mori Ogau untersuchen Biografie „Shibue Chusai“

Umso mehr freuten sich Experten nun über die Mitteilung des Mori Ogai Memorial Museum im Stadtteil Bunkyo in Tokyo. Das wurde von einer Person kontaktiert, die durch eine Erbschaft in den Besitz von Original-Manuskripten Ogais gekommen war. Auf westlichem Papier hatte der Autor darauf zwei Kapitel seines Spätwerkes „Shibue Chusai“ niedergeschrieben, inklusive Verbesserungen und Korrekturen. Die Literaturforscher erhoffen sich daraus Einblicke in Ogais Schreibprozess.

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Bei „Shibue Chusai“ handelt es sich um die vollständige Biografie des gleichnamigen Arztes und Sprachwissenschaftlers, der in der ausklingenden Edo-Zeit dem Hirosaki-Klan diente. Ogai betrieb tiefgreifende und gewissenhafte Recherchen zu Chusais Geschichte, um dessen Leben in der Biografie wahrheitsgetreu darstellen zu können.

Einer der Forscher, die sich mit Ogais Werken befassen, sagte zu den Manuskripten: „Es fühle sich an, als würde ich den Moment miterleben, als das Werk geboren wurde. Man könnte denken, er hätte seine Werke ohne viele Schwierigkeiten geschrieben, aber anscheinend kostete es Ogai viel Kraft.“

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„Shibue Chusai“ wurde ursprünglich nicht als Buch veröffentlicht, sondern erschien von Januar bis Mai 1916 als Serie in der Zeitung Tokyo Nichi Nichi Shimbun. Insgesamt 119 Teile bildeten zusammen die vollständige Biografie. Die nun gefundenen Manuskripte stellen den vollständigen 49. und den noch in der Korrektur befindlichen 50. Teil der Serie dar. Sie entstanden während der Vorbereitungen für Schriftsetzung und Druck in der Zeitung.

Autor Mori Ogai
Autor Mori Ogai. Bild: Mori Ogai Memorial Museum

Nachdem das Museum von den Manuskripten erfahren hatte, wurde deren Authentizität von einem durch das Museum engagierten Experten bestätigt. Daraufhin gab die Verwaltung des Stadtbezirks Bunkyo, die das Museum betreibt, ein Sonder-Budget von 2,8 Millionen Yen, ca. 20.370 Euro für den Erwerb der Schriften frei.

Der größte Teil von Ogais Handschriften gilt heute als verschollen. Nur wenige sind verblieben, unter anderem ein Manuskript von Ogais Kurzgeschichte „Maihime“, einem seiner wichtigsten Frühwerke. Von „Shibue Chusai“ waren bisher gar keine Manuskripte bekannt. Die nun aufgefundenen Schriften werden ab 22. Oktober im Musem als Teil einer Sonderausstellung zum „Ogai-Vermächtnis“ zu sehen sein.

Ogais Verbindung zu Deutschland

Seine Lebensgeschichte verband Mori Ogai zeitlebens eng mit Deutschland. Als junger Mann studierte er als Militärarzt Hygiene und Heeressanitätswesen in Leipzig, Dresden, München und Berlin. Er lernte dabei unter anderem bei Robert Koch selbst und beschäftigte sich intensiv mit europäischer Literatur, Philosophie und Kunst. In dieser Zeit entstand sein „Deutsches Tagebuch“, in dem er seine Studentenzeit beschreibt.

Einige Erfahrungen seines Studiums in Deutschland verarbeitete er auch in Form von fiktionalen Erzählungen. So handelt die Geschichte „Maihime“ – „Tanzprinzessin“ – von der scheiternden Liebesbeziehung eines Japaners in Berlin. Seine Novelle „Wellenschaum“ wiederum bringt noch heute Touristen aus Japan dazu, den Starnberger See in Bayern zu besuchen. In Berlin ist Ogai eine kleine Gedenkstätte am Ort seines früheren Wohnsitzes gewidmet.

Ogai übersetzte auch Werke bekannter deutscher Autoren ins Japanische. Am bekanntesten sind darunter seine Übersetzungen von Goethes Faust I und Faust II. Die von ihm gefertigten Übersetzungen werden bis heute gedruckt. Im Leipziger Restaurant „Auerbachs Keller“ erinnert darum seit 2009 ein großes Wandgemälde an Mori Ogai und zeigt ihn gemeinsam mit Mephisto aus Goethes Werk.

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