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Die Pandemie brachten für viele Badehäuser große Einbußen

Immer mehr öffentliche Badehäuser in Tokyo vor dem Aus

Die Japaner ziehen sich zum Entspannen oder um sich reinigen entweder in Onsen oder öffentliche Badehäuser zurück. Während in den letzten Jahren Onsen immer beliebter wurden und auch bei Touristen sehr an Popularität gewinnen konnten, geht der Trend bei Sento, Badehäusern, eher bergab.

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Die Statistiken sind an dieser Stelle eindeutig. 2006 gab es im Großraum Tokyo noch 963 Sento, den Großteil in den 23 bevölkerungsreichen Bezirken der japanischen Hauptstadt. Eine Erhebung 2020 ergab, dass davon nur noch 499 Betriebe übriggeblieben waren. Einer der Hauptgründe liegt darin, dass früher zuverlässige Sanitäranlagen in den Häusern eher ein Luxus waren, den sich nur wenige Menschen leisten konnten.

Badehäuser verlieren an Bedeutung

Heute haben die meisten Wohnungen, auch wenn sie nicht teuer sind, ein eigenes kleines Bad mit Dusche oder Badewanne. Ein regelmäßiger Besuch in einem Sento ist nicht mehr nötig, um für Körperpflege zu sorgen. Außerdem sind die meisten Badehäuser eher auf Funktionalität ausgelegt, wobei aufwendige Wandgemälde für ein wenig Flair sorgen. Die große Entspannung lässt sich dort heute aber nicht mehr finden.

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Onsen hingegen haben heute den Ruf wahrer Oasen der Entspannung zu sein. Oftmals liegen sie in malerischen Bergregionen und verfügen über ein eigenes Restaurant oder eine Lounge. Heiße Quellen bieten außerdem weitere Angebote für Familie oder Paare an, um entspannt gemeinsam Zeit zu verbringen. Außerdem wirkt sich Onsen-Wasser positiv auf die Gesundheit aus. Verschiedene Quellen haben unterschiedliche Wirkungen, da Mineralien die Haut verschönern oder den Kreislauf anregen.

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Gesundes Feeling, statt einfach Baden
Onsen-Erlebnis in freier Natur

Die Pandemie verschärft die Lage

Die Pandemie tut das ihrige dazu, die Probleme der öffentlichen Badehäuser noch zu vergrößern. Der Ausnahmezustand sorgte zwar dafür, dass nicht mehr so viele Besucher vorbeikamen, dafür gingen Stammgäste aber dazu über, wieder vermehrt das Angebot der Sento zu nutzen. Außerdem ließ sich in den letzten Jahren auch insgesamt ein leicht positiver Trend bei den Besucherzahlen erkennen, der durch die Pandemie nicht komplett gestoppt wurde.

Ebenfalls haben sich Initiativen zusammengetan, um die japanische Sento-Kultur zu erhalten. Diese appellieren auf der einen Seite an die Nostalgie der Menschen, denn viele ältere Japaner sind noch mit öffentlichen Badehäusern aufgewachsen. Die Vereine konnten zumindest erreichen, dass sich die Zahl jetzt zumindest stabilisiert hat. Es bleibt nur zu hoffen, dass eine vor kurzem für Tokyo beschlossenen Preiserhöhung für Sento-Besuche in Höhe von 10 Yen diesen Trend nicht abwürgt. In der Regel kostet ein Besuch in Tokyo für einen Erwachsenen knapp 480 Yen (etwa 4 Euro).

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