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Japaner diskutieren über die strenge Ausbildung zum traditionellen Schwertschmied

Die Zahl junger Menschen in Japan, die sich für einen der traditionellen Ausbildungsberufe begeistern können, hat in den letzten Jahren dramatisch abgenommen. Viele traditionelle Handwerker machen sich deswegen große Sorgen, was die Fortführung ihrer Kunst angeht. Ein Schwertschmied sucht sogar in den sozialen Netzwerken nach einem Lehrling, dem er seine Fertigkeiten vermitteln kann.

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Der Schmied machte sich keine großen Hoffnungen, sorgte aber mit seinem Aufruf im Internet für ordentlich Furore. Zahlreiche potenzielle Bewerber wollten sich auf einmal über die Einzelheiten einer solchen Ausbildung informieren. Der Tweet ging viral, allerdings nicht, weil auf einmal alle das Handwerk erlernen wollten, sondern wegen des Kleingedruckten im Ausbildungsvertrag. Darin sind Arbeitstage zwischen 8:30 Uhr und 18:30 Uhr sowie Arbeit am Wochenende als durchaus realistisch festgeschrieben. Außerdem müssen sich die Auszubildenden darauf einstellen, mindestens fünf Jahre lang keinen Lohn zu bekommen.

Ausbildung als Lebensaufgabe

Der Schwertschmied wurde heftig für seine Vorgaben kritisiert, die allerdings dem Standard für eine solche Ausbildung entsprechen. Die All Japan Swordsmith Association gibt strenge Anforderung für die Ausbildung zum zertifizierten Schwertschmied vor. So müssen alle Lehrlinge mehr als fünf Jahre unter einem qualifizierten Schmied lernen und an fortwährend speziellen Workshops der Agentur für kulturelle Angelegenheiten teilnehmen.

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Der Lehrer muss eine offizielle Qualifikation der Agentur für kulturelle Angelegenheiten haben. Dafür muss auch er an den entsprechenden Kursen teilgenommen haben. Gleichzeitig muss allen Lehrlingen klar sein, dass die fünfjährige Ausbildung an fünf Tagen die Woche stattfindet, reine Wochenend-Kurse über diesen Zeitraum werden nicht anerkannt. Verständlicherweise sind diese Regeln für ältere Interessierte kaum zu erfüllen. Deswegen empfiehlt der Verband, schon in jungen Jahren mit der Ausbildung zu beginnen.

Traditionelle Ausbildungen werden immer unattraktiver

Es kann bis zu zehn Jahre dauern, bis man als selbständiger Schwertschmied arbeiten kann, deswegen sollten ältere Interessierte es sich gut überlegen, ob sie diese Anstrengung auf sich nehmen wollen. Anders als in der Vergangenheit, gibt es heute kaum noch Unterstützung für die Lehrlinge, die für Lebensunterhalt, Miete und Nahrung selbst aufkommen müssen. Junge Menschen sollten die Lehre eher als Besuch einer Berufsschule betrachten, um besondere Fertigkeiten zu lernen, und nicht als Möglichkeit, schnell eigenes Geld zu verdienen.

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Die schwerste Aufgabe ist es aber, überhaupt noch einen qualifizierten Schmied zu finden. Viele ältere Meister scheuen die vielen Vorbereitungskurse und gleichzeitig müssen sie viel Zeit in die Ausbildung neuer Lehrlinge investieren. Gleichzeitig werden in vielen traditionellen Handwerksberufen aus kleinen Hürden oftmals große Hindernisse gemacht. Die Zahl registrierter Schwertschmiede nimmt stetig ab, weswegen auch das Handwerk aufgerufen ist, seine Regeln zu überdenken, um sich durch die Zeiten zu retten.

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