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Japanische Handwerkskunst erlebt ein Comeback

Japans nordöstliches Tohoku-Gebiet erlebt eine Wiederbelebung traditioneller Techniken und Handwerkskunst. Denn all diese sind umweltfreundlicher und „wärmer“ als die Maschinen, die sie heutzutage ersetzen. Einige der Fertigkeiten und Waren erfreuen sich bei ausländischen Konsumenten immer größerer Beliebtheit.

Aufgrund dieser Beliebtheit ebnen sie den Weg für die Expansion in die überseeischen Märkte. Denn diese Wiederbelebung ist genau das, was viele sich auch hier wünschen. Der Trend zurück zu ursprünglich hergestellten Lebensmitteln kommt immer mehr in Mode und auch bei anderen Produkten und anderer Handwerkskunst ist es da nicht anders. Denn vor allem der positive Effekt auf die Umweltverschmutzung, die so reduziert werden kann, überzeugt viele.

Die Handwerkskunst des Horse-Logging

Takashi Iwama (40) ist in „Bahan“, die alte Handwerkskunst des Horse-Logging, involviert. Dies ist ein traditionelles Mittel, um gefällte Bäume mithilfe von Pferden zu transportieren. Er übt diese traditionelle Arbeit in Tono in der Iwate-Präfektur aus, wo die Methode „Jidahiki“ heißt. In dieser Stadt waren früher mehr als 100 Menschen in Bahan engagiert. Nur wenige sind jedoch noch immer in dieser Branche tätig. In den 1960er Jahren begann die Zahl zu sinken. Denn ab diesem Zeitpunkt ging die Notwenigkeit traditionelle Handwerkskunst einzusetzen mit der Einführung von Maschinen zurück.

Iwama jedoch interessierte sich für den Holztransport mit dem Pferd und ließ sich so vor 18 Jahren ausbilden. Er wurde Schüler eines bahanischen Arbeiters und übernahm den Hof seiner Familie. Nachdem er auf eigene Faust losgezogen war, gründete Iwama mit Unterstützung der Präfektur-Regierung von Iwate und anderen Parteien die Horse-Logging-Assoziation. Mit dieser wollte er seine Bahan-Fähigkeiten teilen. Denn diese Handwerkskunst beschädigt nicht die Berge. Im Gegensatz zu schweren Maschinen, die Hänge schnell abstreifen und die Wiederbelebung der Wälder erschweren.

Auch in Europa weit verbreitet

Laut Iwama verwenden in Großbritannien etwa 200 Holzfäller-Unternehmen Pferde. Denn hier in Europa sind umweltfreundliche Techniken der Handwerkskunst bereits wieder auf dem Vormarsch. Bahan könnte nämlich dabei helfen, das Problem der künstlichen Wälder in ganz Japan zu lösen, die wegen der schlechten Holzpreise dann unbeaufsichtigt blieben oder ganz aufgegeben wurden. „Die Arbeiter in Bahan können ein ausreichendes Einkommen erzielen, wenn sie das Holz auch selbst abholzen. […] Bahan hat ein unendliches Potenzial, weil es zu einer Erholung der Wälder führen kann“, so sagt Iwama. Und dieses Ziel ist eins, das für unsere Zukunft besonders wichtig ist. Denn jährlich holzen wir viel zu viele Quadratmeter Wald ab und zerstören unsere Umwelt und den Planeten immer mehr.

Auch Shohei Sakano (25) ist einer von etwa zehn jungen Menschen, die in Japan in der Handwerkskunst des Horse-Logging tätig sind. Er studiert forstwirtschaftliche Produktionstechnik im Masterstudiengang der Graduiertenschule der Iwate University. Er begann im Oktober als Praktikant bei Iwama zu arbeiten. Zuvor hatte er ein Jahr lang die Kunst des Bahan in Deutschland gelernt. „Japan ist ein Berggebiet, also ist Bahan effektiv“, sagt er. Er wolle ein Forstarbeiter sein, der auch Bauholz herstellen kann.

Wachsendes Interesse von Übersee für die japanische Handwerkskunst

Neben dem Horse-Logging gibt es noch andere Techniken und Künste, die in Japan wiederbelebt werden. Zu diesen zählt auch die ursprüngliche Typografie. Konno Printing Inc. in Sendai hat eine eigene solche Marke – Tegami – gegründet. Dort verwendet er Druckmaschinen, die vor 50 bis 100 Jahren in Deutschland eingesetzt wurden. Beamte des 110 Jahre alten Unternehmens stellten 2010 fest, dass es hartgesottene Fans für Handwerkskunst gibt. Vor allem traditionelle Typografie ist dabei beliebt. Vor neun Jahren stellte das Unternehmen bei einer Messe in New York einige Typografie-Artikel aus. Diese Artikel entstanden durch fortschrittliche Technologien und sollen das Geschäft mit Grußkarten weiter fördern.

Konno Printing war ursprünglich in der Handwerkskunst des Typendrucks tätig. 1978 verursachte ein Erdbeben jedoch schwere Schäden. Diese sorgten dafür, dass sich das Unternehmen aus dem traditionellen Geschäft zurückzog. Dennoch behielten sie die alten Pressen und Facharbeiter bei. So hatten sie sowohl die neueste Designtechnologie als auch die traditionelle Drucktechnik. Als Tyuichi Hashiura, Präsident von Konno Printing, sich entschied, alte und neue Techniken zu kombinieren, stellte sich dies als echter Erfolg heraus. Er begründete diesen Schritt damit, dass er „dachte, niemand außer seine Firma könne das tun.“

Nach einer Ausstellung in Frankreich erhielt Konno Printing eine Reihe von Anfragen. Diese stammten vor allem aus Europa und Taiwan. „Das Unterfangen hilft auch, dass Fachkräfte ihr Wissen reibungslos auf jüngere Mitarbeiter übertragen. […] Die alte Technik wird wieder viele Jahre nach ihrer Aufgabe als wegweisend angesehen.“ , sagte Hashiura. Er ist von seiner Handwerkskunst überzeugt und konnte einige Erfolge verzeichnen.

Beeindruckende Veränderungen

Auch die Herstellung von Besen ist eine Handwerkskunst, die eine neue Welle der Begeisterung entfacht. Takakura Kogei, ein Unternehmen in einem landwirschaftlichen Gebiet in Kunohe, erschuf den farbenfrohen Nanbu-Hoki-Besen. Auch sie erstellten diesen mithilfe traditioneller Produktionstechniken. Die Besenproduktion ist ein üblicher Weg für lokale Landwirte, um in der Nebensaison Geld zu verdienen. Obwohl diese Besen zwischen 20.000 und 150.000 Yen (ca. 160 und 1.200 Euro) kosten, sind sie in Kaufhäusern und auch anderswo in ganz Japan beliebt. Sie richten sich hauptsächlich an Bewohner städtischer Wohnungen, die nachts nicht staubsaugen können.

Handwerker stellen den Nanbu Hoki her, indem sie fast zehnmal so viele Besenkornähren wie bei gewöhnlichen Besen verwenden. Der Mais wird von Takakura Kogei ohne Pestizide selbst angebaut. Nanbu Hoki kann aufgrund seiner starken Struktur „20 Jahre lang“ verwendet werden, wie die Unternehmensvertreter angaben. Die traditionelle Handwerkskunst ist also wohl ihren Preis wert. Zudem seien die Spezialbesen weich und kraus, sodass sie auch für Kleidung nutzbar seien. Takakura Kogei plant, sein Vertriebsnetz nach Großbritannien und Frankreich auszubauen.

Quelle: Asahi Shimbun

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