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Der Autor wurde 90 Jahre alt

Japanischer Schriftsteller Katsumoto Saotome gestorben

Der japanische Schriftsteller Katsumoto Saotome ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Er war vor allem bekannt für seine Sammlung der Berichte von Überlebenden der amerikanischen Brandbombenangriffe auf Tokyo im Zweiten Weltkrieg. Saotome wollte so das Bewusstsein für die Bedeutung des Friedens schärfen.

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Der Tod des Schriftstellers wurde von einem seiner Verleger, Iwanami Shoten, bestätigt. Saotome starb demnach am Dienstag in einem Krankenhaus in Saitama, nördlich von Tokyo, an altersbedingtem Organversagen, wie das öffentliche Fernsehen NHK berichtete.

Saotome selbst Überlebender des Brandbombenangriffs

Saotome wurde in Tokyo geboren und war 12 Jahre alt, als er am 10. März 1945 nur knapp die Bombardierung der Stadt überlebte. „Ich rannte um mein Leben, als zahllose Streubomben niederregneten“, erinnerte sich Saotome in einer seiner Erzählungen.

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Man schätzt, dass damals in einer einzigen Nacht mehr als 105 000 Menschen starben und eine Million obdachlos wurden, aber die Verwüstung wurde in der Geschichte durch die US-Atombombenangriffe auf zwei japanische Städte einige Monate später weitgehend in den Hintergrund gedrängt.

Erinnerungssammlung führt zu Museum

Nach dem Krieg begann Saotome seine schriftstellerische Tätigkeit, während er in einer Fabrik arbeitete. Seine erste autobiografische Erzählung „Downtown Home“ wurde 1952 für den renommierten Naoki-Literaturpreis nominiert.

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1970 begann er, Überlebende des Brandbombenangriffs zu besuchen, um ihre Geschichten zu hören und ihnen Gehör zu verschaffen. Er gründete im Zuge dessen eine Bürgerinitiative zur Dokumentation des Brandbombenangriffs und zur Sammlung von Dokumenten und Artefakten über den Angriff. Diese Initiative führte 2002 zur Gründung eines Museums, des Center of the Tokyo Raids and War Damage. Bis 2019 war Saotome Direktor des Museums.

Viele Überlebende fühlten sich alleingelassen

Als Leiter des Museums veröffentlichte er Zeitschriften über den Brandbombenangriff und schrieb weiterhin Bücher für Kinder und junge Erwachsene, um das Bewusstsein für die Tragödie zu schärfen.

„Wir müssen den Staffelstab an die jüngere Generation weitergeben“, sagte er in einem Interview mit NHK im Jahr 2019.

Viele der Überlebenden des Brandbombenangriffs hätten das Gefühl, dass sie von der Geschichte und der Regierung vergessen wurden. Denn die Nachkriegsregierungen haben insgesamt 60 Billionen Yen (438 Milliarden Euro) an Sozialhilfe für Militärveteranen und Hinterbliebene sowie medizinische Unterstützung für Überlebende der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki bereitgestellt, aber nichts für zivile Opfer der Brandbombenabwürfe.

Yoji Yamada war ein guter Freund

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Der gefeierte Filmemacher Yoji Yamada, bekannt für seine äußerst populäre Filmreihe „Otoko wa Tsuraiyo“ („Es ist schwer, ein Mann zu sein“), in der ein liebenswerter wandernder Hausierer namens Tora-san die Hauptrolle spielt, war ein langjähriger Freund von Saotome. Gegenüber japanischen Medien erklärte er, er sei „zutiefst betrübt über den Verlust seines wertvollen Freundes, mit dem er über das Nachkriegsjapan, Krieg und Frieden diskutierte“.

Yamada besuchte oft das Brandbombenmuseum. Manchmal nahm Saotome ihn mit in die Gegend und machte ihn zu einem großen Fan des Shibamata-Gebiets, das zur Heimat der Tora-san-Serie wurde.

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