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Kemari – Der historische Fußball in Japan

Obwohl die traditionelle Kleidung ein wenig seltsam aussieht, handelt es sich bei Kemari um ein Spiel, das dem heutigen Fußball sehr ähnlich ist. Inhalt der sportlichen Auseinandersetzung ist dabei die Wahrung vom „wa“ der Harmonie.

Der in Kyoto ansässige Shukiku Verein hat sich der Erhaltung dieser alten Sportart verschrieben. Die Mitglieder zeigen jährlich ihr Können bei einem Kemari Matsuri. Das Festival wird jedes Jahr im Tanzanjinja-Schrein in Sakurai, in der Präfektur Nara, gefeiert.

Die Spieler faszinieren die Zuschauer mit ihrer traditionellen Kleidung, während sie einen Fußball aus Hirschleder in der Luft hin und her kicken. Darin besteht die Herausforderung, den Ball konstant in der Luft zu halten. Die Mitspieler müssen so angespielt werden, dass der Ball den Boden nicht berührt.

Alle Mitglieder des Shukiku-Vereins gehören zum Shiraminenjingu-Schrein in Kyoto, der als „Fußball-Schrein“ bekannt ist, da er seit jeher eng mit Kemari verbunden ist. Zum Anfang der letzten Fußballweltmeisterschaft stellten die Bewohner des Schreins eine große Votivtafel auf, um ihrer Nationalmannschaft bei der WM Glück zu wünschen.

Glückwünsche zur Fußball WM
Bild: The Asahi Shimbun

Insgesamt besteht der Verein aus 39 Männern und Frauen, die einen eigenen Kemari-Raum auf dem Schreingelände zur Verfügung gestellt bekommen. Die Altersstruktur erweist sich als bunt gemischt, zwischen 20- und 80-Jährige praktizieren zusammen ihren Sport.

Die Art Kemari, die in Kyoto gespielt wird, folgt dem Stil der Aristokraten der Asukai-Ära. Spieler dürfen hierbei den Ball nur mit dem rechten Fuß berühren und die Knie müssen stets durchgedrückt bleiben. Außerdem sollte der Ball möglichst nah über dem Boden gespielt werden, was ein hohes Maß an Geschick erfordert.

Der Kemari-Meister Tsunehiro Ueda (72) stieß im Alter von 18 Jahren zum Shukiku-Verein und gehört mittlerweile zum Vorstand. Für ihn ist es wichtig, dass auch ältere Fußballer den Sport noch betreiben können. Osamu Ike, der ebenfalls zum Vorstand gehört, veröffentlichte sogar ein eigenes Buch über Kemari. Darin wies er nach, dass der berühmte Samurai Miyamoto Mushashi (1584 – 1645) ebenfalls ein erfahrener Kemari-Spieler war.

Die meisten nahmen an, dass Kemari vor etwa 1400 Jahren das erste Mal in China gespielt wurde, bevor die Japaner den Fußball auf ihre eigene Art weiterentwickelten. In der Heian-Zeit war es ein Vorrecht des Adels, Kemari zu spielen. Der hochrangige Politiker Fujiwarano Narimichi lebte in der späten Heian-Ära und galt als Meister des Kemari. Er demonstrierte sein Können, indem er Gäste durch den Kiyomizuders-Tempel in Kyoto führte, während er gleichzeitig einen Ball auf dem Fuß balancierte.

Die alte Version des Fußballs wurde in der Kamkura-Periode (1192 – 1333) unter den Samurai äußerst populär, bevor die Bürger der Edo-Zeit ihn für sich entdeckten. In der Meiji-Zeit ging der historische Fußball fast verloren, bevor er in der Folgezeit wieder an Beliebtheit gewann.

Mittlerweile gilt Kemari in Japan als Leistungssport, indem mehrere Spieler in zwei Teams gegeneinander antreten. Die gemeinnützige Organisation Nara 21st-Century Forum belebte die Idee des Manyo Kemari Wettkampfs 2002 wieder. In einem gemeinsamen Turnier traten Mannschaften aus Japan und Südkorea gegeneinander an.

Bei diesem Turnier traten die Spieler gegeneinander an und versuchten, einen Kemari-Ball in ein Netz auf der gegnerischen Spielfeldseite zu kicken. Bei dem Turnier überwachte der Professor Kanekatsu Inokuma (80) von der Kyoto Tachibana Universität, dass die Outfits der Spieler auch wirklich originalgetreu umgesetzt wurden.

Heutzutage finden im April und Juli im Shiraminejingu-Schrein, im April und November im Tanzanjinja-Schrein und auch in verschiedenen anderen Schreinen und Tempeln Kemari-Veranstaltungen statt, die den historischen Fußball in Erinnerung halten.

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