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Kleines Museum in Japan bietet Exponate zum Anfassen, speziell für Blinde

Blinde Menschen können so einzigartige Erfahrungen machen

Masataro Sakurai aus Morioka besuchte als Junge mit seiner Klasse ein Museum. Dabei berührte er ein Exponat, wofür er viel Ärger bekam.

Der blinde Teenager fühlte sich immer benachteiligt, weil er die Exponate nie so erleben konnte, wie andere es konnten. Dies veranlasste ihn, als Erwachsener ein Museum zu eröffnen, das darauf abzielt, dass die Exponate wirklich berührt werden können. Vor allem Menschen mit Sehbehinderung sollen diesen besonderen Ort kennenlernen.

Vom Lehrer zum Museums-Direktor

Sakurai arbeitete lange Zeit in Iwate als Lehrer für Kinder mit Sehbehinderung. Er fragte sich immer, wie seine Schüler die Ausstellungsstücke erleben können, ohne sie zu berühren. Bereits 1981 baute er sein eigenes Haus in ein Museum um, das speziell für blinde Menschen gedacht ist. Das Motto seiner Ausstellung lautete „Anfassen ist Glauben.“

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Auch heute noch können Besucher des „Shikakushogaisha no Tameno Tedemiru Hakubutsukan“ („Museum zum Anfassen und Sehen für Blinde“) einige außergewöhnliche Gegenstände selbst anfassen, wie zum Beispiel das Skelett eines Wals. Ein Hai gehört ebenfalls zur Ausstellung. Die Besucher können sogar die raue Haut selbst erleben.

Sakurai begrub selbst einige der Ausstellungsstücke auf dem Hof seines Hauses. Nachdem das Fleisch verwest war, grub er sie wieder aus, um sie für andere erlebbar zu machen. Derzeit umfasst die Präsentation eine Fläche von 170 Quadratmetern. Insgesamt beheimatet das Museum 3.000 Exponate. Einige der Stücke sammelte Sakurai während seiner Lehrzeit noch selbst und bezahlte die Modelle aus eigener Tasche.

Modelle explizit zum Anfassen

Zu diesen Modellen gehören Nachbildungen bekannter Weltkulturerbe-Stätten, wie die Pyramiden von Gizeh in Ägypten und ein japanischer „Kofun“-Grabhügel. Diese können die Besucher von allen Seiten anfassen. Besucher ohne Sehbehinderung profitieren ebenfalls von der praktischen Herangehensweise und lernen das Erlebnis Museum völlig neu kennen.

Museum zum Anfassen
Miniatur im Museum Bild: Shikakushogaisha no Tameno Tedemiru Hakubutsukan

Während sie eine Statue des Tutanchamun berühren oder sich an einer Asteroiden-Sonde entlangtasten, bekommen die Besucher ein besseres Gefühl für Details, die oft übersehen werden. Die meisten Besucher brauchen etwa drei Stunden, um alles wirklich in sich aufzunehmen.

Jährlich kommen mehr als 400 Personen aus Japan und dem Ausland, um Sakurais Museum zu besuchen. Eine vorherige Reservierung ist dabei immer noch Pflicht. 2010 verschlechterte sich der Gesundheitszustand Sakurais so weit, dass ihm keine andere Wahl blieb, als die Schließung seines Museums zu erklären.

Masato Kawamata, ein 68-jähriger Lehrer, der lange mit Sakurai zusammenarbeitete, besuchte die Ausstellung zusammen mit seiner Tochter Wakana, um Sakurai zu überreden, es sich noch einmal zu überlegen. Die 38-jährige Frau, die das Museum eigentlich nur sehen wollte, war von der Begeisterung des alten Mannes so beeindruckt, dass sie sich entschloss, das Museum zu übernehmen.

Eine sehende Frau entscheidet, das Erbe des blinden Lehrers weiterzuführen

Wakana Kawamata kündigte ihren Job und zog aus der Präfektur Kanagawa nach Morioka. Anschließend verlegte sie die Exponate in den zweiten Stock ihres Elternhauses und übernahm im Juli 2011 die Leitung des Museums.

Museum für Anfassen
Welt zum Anfassen Bild: Shikakushogaisha no Tameno Tedemiru Hakubutsukan

Bis zu seinem Tod 2016 arbeitete sie gemeinsam mit Sakurai eng zusammen. Die Frau erklärte, Sakurai habe sie gelehrt, wie wichtig es für sehbehinderte Besucher ist, die ausgestellten Gegenstände nicht nur zu berühren, sondern sie auch in einer logischen Reihenfolge zu erleben. Tiere müssten zum Beispiel in ihrer Entwicklung-Reihenfolge präsentiert werden.

Kleine Lebewesen werden mit überlebensgroßen Modellen vorgestellte, größere Tiere dementsprechend als Miniatur. Wakana ist bis heute froh, dass sie sich für den Erhalt des Museums entschieden hat. Die vielen positiven Rückmeldungen der Besucher sind für sie immer noch ein Ansporn. Vor allem Blinde berichten von Erfahrungen, wie sie sonst nie hätten machen können.

AS

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