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Karakuri Ningyo - Japans Automaten-Puppen

Mechanische Puppen aus Osaka halten alte Handwerkskunst am Leben

Die Herstellung von Puppen hat in Japan eine lange Tradition. Sie spielen eine wichtige Rolle an Feiertagen wie dem Hinamatsuri, im Theater und als Bestandteil von Festen. Am ungewöhnlichstens ist jedoch eine besondere japanische Puppenart – die „Karakuri Ningyo“, mechanische Puppen.

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In Japans Museen findet man einige dieser kleinen Automaten, die dann etwa Pfeile verschießen, Tee servieren oder Schriftzeichen auf Papier schreiben. Die Kunst ihrer Herstellung ist in Osaka weiterhin lebendig.

Toshiba-Gründer als Vater der Puppen-Technik

Entstanden sind die Karakuri-Puppen in der Edo-Zeit, also jener Periode vom 17. – 19. Jahrhundert, in der Japan sich zwei Jahrhunderte lang fast komplett von der Welt abschottete. Viele der heute praktizierten traditionellen Künste Japans gehen auf diese Periode zurück.

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Japanische Erfinder und Kunsthandwerker erfanden damals erste kleine Automaten, einige von ihnen in Form von Puppen. Geschaffen wurden sie zur Unterhaltung insbesondere der gehobenen Gesellschaftsschichten. Ihr Name geht zurück auf Karakuri Giemon, einen bedeutenden Erfinder der Puppen. Mit echtem Namen hieß er Tanaka Hisashige – der Gründer des Elektronik-Giganten Toshiba.

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Die bekannteste Karakuri-Puppe ist eine, die ihren Gästen Tee serviert. Mit einer Teeschale auf einem Tablett fährt sie auf den Gast zu. Wird die Schale weggenommen, bleibt die Puppe stehen – solange, bis der Gast seinen Tee ausgetrunken und die Schale wieder auf der Puppe platziert hat. Dann kehrt diese um und fährt zum Ausgangspunkt zurück.

Die Karakuri-Puppen sind der Ausgangspunkt für die Liebe der japanischen Gesellschaft zu Robotern und allerlei technischen Spielereien. Doch auch die traditionelle Form der Puppen lebt heute in Japan noch weiter. Leidenschaftliche Handwerker tüfteln auch nach Jahrhunderten noch daran, neue Karakuri-Puppen zu kreieren.

Eine Puppe, die ihr Instrument tatsächlich spielt

Einer von ihnen ist Susumu Higashino, ein 72-jähriger Tischler aus Neyagawa in der Präfektur Osaka. Er hat in jahrelanger Arbeit sein Meisterstück fertig gestellt: eine Karakuri-Puppe, die das traditionelle Instrument Koto spielt.

Karakuri, die in Verbindung mit einer Spieluhr den Eindruck erwecken, ein Instrument zu spielen, gibt es in Japan viele. Doch Higashinos Puppe ist etwas Besonderes: sie zupft tatsächlich die Saiten ihres Instruments.

Koto-Puppe
Mit winzigen Händen zupft diese Puppe an den Saiten der Koto. Bild: MS

Die Apparatur besteht aus einer 30 Zentimeter hohen weiblichen Puppe, elegant in Kimono gekleidet, die vor einer kleinen Koto sitzt. Unter ihr befindet sich ein Podest, in dem sich die komplexe Mechanik der Puppe verbirgt. Wird sie aktiviert, spielt die Puppe eine Minute lang die traditionelle Melodie „Sakura Sakura“.

Sogar ein zweites Stück beherrscht die Puppe. Dafür muss im Inneren des Podests eine Scheibe ausgetauscht werden, die ähnlich wie bei einer Spieluhr als eine Art Notenblatt dient. Die Koto-spielende Puppe ist der derzeitige Höhepunkt von Higashinos Schaffen – und zeigt sein ausführliches Wissen über die kleinen Automaten.

Koto-Puppe
Die Mechanik der Puppe so gut wie möglich zu verstecken, gehört zu den Grundlagen der Karakuri-Techni. Bild: MS

Denn Susumu Higashino ist einer von Japans führenden Experten, wenn es um praktische Kenntnisse der Karakuri-Puppen geht. Er ist Gründer und Leiter der Gruppe Yume Karakuri Ichiza, die sich für den Erhalt der Karakuri-Techniken einsetzt.

Sein Vater, selbst Schrank-Bauer, brachte ihm die Techniken der Holzbearbeitung bei. Als junger Mann entdeckte Higashino dann erstmals eine Karakuri-Puppe auf einem Markt in Kyoto. Er restaurierte die Puppe, begann weitere zu kaufen und zu untersuchen, um ihre Mechaniken zu verstehen.

Susumu Hideki möchte vergessene Puppen zurückbringen

Mit der Zeit gelang es ihm, historische Karakuri-Puppen nachzubauen. Er erlangte weit über Japan hinaus Bekanntheit und trat etwa 2008 mit seinen Puppen sogar in Paris auf. Mit dem Bau der Koto-Puppe begann er 2011 – nachdem ein Schlaganfall ihn halbseitig gelähmt hatte.

Acht Jahre dauerte es, bis die Puppe nach unzähligen kleinen Anpassungen und Verbesserungen schließlich fertig war und das erste Mal ihre Melodie spielte. Tatkräftig unterstützt wurde er dabei von seinem Sohn Hideki.

Der hat sich von der Liebe seines Vaters für Karakuri-Puppen anstecken lassen und arbeitet seit seiner Schulzeit in dessen Werkstatt mit. Nach der Schule entschloss er sich, sein Leben der Karakuri-Puppen-Kunst zu widmen.

Hideki hat eine klare Vision: er sucht nach Aufzeichnungen über Puppen, von denen heute keine Exemplare erhalten sind. Die möchte er nachbauen, um sie für die Nachwelt zu erhalten und der Welt zu zeigen, welche genialen Erfindungen die Karakuri-Kunst hervorgebracht hat.

Einen Eindruck von der Vielfalt der Karakuri-Puppen gibt es in diesem Video:

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