Anzeige
HomeNachrichten aus JapanKulturObon - das japanische Fest der Ahnen

Ein kleiner Einblick

Obon – das japanische Fest der Ahnen

Jedes Jahr zwischen dem 13. und 16. August kehren, laut buddhistischem Glauben, die Geister verstorbener Ahnen in Japan zu ihren Familien zurück. Was im ersten Moment schaurig klingen mag, steht in Japan für Freude über das Wiederzusammenkommen der Familien und Straßen voller feiernder Menschen.

Anzeige

Grundlage für diese Tradition ist die Legende über den Mönch Mokuren, welcher ein Schüler des Buddha gewesen sein soll. Durch seine übernatürlichen Fähigkeiten erblickte dieser die Seele seiner Mutter, welche im „Reich der hungrigen Geister“ (einer Art Hölle) kopfüber hängend wiedergeboren wurde.

Die Geschichte hinter dem Fest der Ahnen

In diesem Reich leben auch die Gaki, hungrige Geister mit riesigen Bäuchen und winzigen Mündern. So können diese Wesen alles essen, doch sie würden niemals satt werden. Auch die Tatsache, dass jede Speise in Flammen aufgeht, die von ihnen berührt wird, facht ihren immensen Hunger noch weiter an. Und so ist es umso unangenehmer, in solch einem Reich wiedergeboren zu werden.

LESEN SIE AUCH:  Neujahrstraditionen in Japan

Mokuren beschloss, der Seele seiner Mutter zu helfen und bat Buddha um Rat. Buddha indes riet ihm, die Mönche der Gemeinschaft am 15. Tag des 7. des Mondmonats mit Speisen zu versorgen.

Daraufhin würden die Mönche heilige Texte lesen, durch die auch die Gaki endlich in der Lage wären, diese Essensgaben zu sich zu nehmen und ihren Hunger zu stillen. Durch diese Spende an die Mönche würden also auch die Leiden seiner Mutter gelindert.

Anzeige

Erleichtert, der Seele seiner Mutter geholfen zu haben, soll er vor Freude getanzt haben, und so sind auch heute noch Tänze eines der wichtigsten Kernelemente des Festes.

Buddhismus in Japan
Die Wurzeln des Buddhismus in Japan reichen bis ins 6. Jahrhundert zurück. Bild: AS

So wird auch heute noch mit der Darreichung von Speisen als Opfergaben der verstorbenen Ahnen gedacht. Die Ahnen werden im eigenen Zuhause begrüßt und alle Familienmitglieder, ob verstorben oder lebendig, feiern gemeinsam diese Zusammenkunft.

Obwohl es in dieser Zeit des Jahres hauptsächlich mit dem Tod beschäftigt, da verstorbene Familienmitglieder zurückkehren sollen, ist es keineswegs ein trauriges Fest.

Gedämpfte Stimmung wird man nirgendwo antreffen, vielmehr ist es ein Fest der ungezügelten japanischen Lebensfreude.

Wie wird Obon in der heutigen Zeit gelebt?

Im modernen Japan werden bekanntlich alte Traditionen gehegt und gepflegt. Auch wenn sich die Bedeutung und der Ablauf dieses familiären Festes über die Jahrhunderte hinweg leicht verändert oder angepasst haben mag, gehört das Obon Fest zu den drei wichtigsten Festen der japanischen Kultur.

Zu dieser Zeit reisen die Japaner fast so viel wie zur berühmten „Golden Week“, da dieses Fest zum Gedenken der Ahnen sowie zur Rückkehr zur Familie und in die Heimat genutzt wird.

Die Tage des Festes bestehen aus verschiedenen Bräuchen, die die Vorbereitung der Ankunft der Ahnen, deren Begrüßung und deren Verabschiedung umfasst.

Als Erstes beginnen die Vorbereitungen, bei welchen zwei Schmuckstücke für die Ankunft vorbereitet werden. Dies sind die Reittiere für den Geist, die „shouryou uma“ (dt.: Reittier der verstorbenen Seelen).

Hierbei handelt sich um eine Aubergine (die Kuh) und eine Gurke (das Pferd), die mit Zahnstochern oder Einmal-Essstäbchen gespickt, Beine erhalten.

Mit diesen beiden geschenkten Reittieren möchte man den Seelen der Ahnen bei ihrer Reise helfen.

Das Pferd soll die Seele des Verstorbenen schnell zu seinem Zuhause und zu seiner Familie bringen, wo dieser schon freudig erwartet wird. Die Kuh hingegen soll den Geist langsam und behutsam zurück in die Geisterwelt bringen.

Hierbei muss die Kuh nicht nur alle Opfergaben schwer tragen und ist deshalb so langsam unterwegs, sie soll auch dem Geist des Verstorbenen zeigen, dass er bei seiner Familie noch lange willkommen ist.

Als Nächstes folgt die Begrüßung der heimkommenden Seelen der Ahnen. Es werden kleine Feuer entzündet („mukaebi“ oder „kadobi“), welche mit ihrem Licht und dem entstehenden Rauch die Seelen der Ahnen in das Land der Lebenden geleiten sollen.

Des Weiteren besuchen die Familien die Gräber der Verstorbenen, um deren Grabsteine zu reinigen, ihnen ihren Respekt zu erweisen und Lieblingsessen oder Sake sowie Blumen und Wasser niederzulegen.

Während die Seelen der Verstorbenen unter den Lebenden weilen, wird jeden Tag gefeiert bis in die späte Nacht. Hierbei werden auf den zum Teil dafür abgesperrten Straßen Tänze aufgeführt, die Bon Odori, welche lokal stark variieren können.

Die Menschen tanzen durch die Straßen der Stadt zu den exotischen Klängen von Shamisen (einem Saiteninstrument mit nur 3 Saiten), verschiedenen Trommeln, dem Idiofon „Kane“ in Form eines Tellers (ein Selbstklinger, der nur durch Eigenschwingung einen Ton erzeugt) und traditionellen Bambusflöten (Shinobue) und zuweilen auch zu Gesang.

Hierbei handelt es sich nicht nur um reine Vorstellungen von professionellen Tanz- und Musikgruppen, vielmehr wird man dazu animiert mitzumachen.

Wenn die Füße schmerzen und die Stimme versagt, stehen die Yatai schon am Straßenrand bereit. Yatai sind kleine Imbissstände, an denen die verschiedensten Köstlichkeiten verkauft werden. Auch Sake oder andere alkoholische Getränke dürfen zu dieser Zeit nicht fehlen.

Tänzer zum Obon Fest
Rhythmische Musik und mitreißende Tänze verleiten zum Mitmachen und Feiern während des Obon Festes. Bild: Kounosu

Der Abschluss dieses Festes für die Lebenden und die Toten, bei dem getanzt und gefeiert wird, ist der Abschied von den Seelen der verstorbenen Familienmitglieder.

Denn obgleich diese Feier der Zusammenkunft von allen ersehnt wurde, müssen die Seelen zurück in die Geisterwelt.

Hierbei entzünden die Japaner traditionelle Laternen, die „chochin“, mit denen sie die Seelen der Verstorbenen zurück zu ihrem Grab geleiten. Hierbei gibt es auch Abwandlungen, bei denen schwimmende Laternen mit den Namen der Verstorbenen dem Wasser übergeben werden.

Heute sorgt der Gedanke des Umweltschutzes dafür, dass die Laternen manchmal an den Mündungen der jeweiligen Flüsse wieder eingesammelt werden.

Egal, wie viel Lebensfreude an den Tagen zuvor herrschte, dies ist jedes Jahr der emotionalste Moment des Festivals, da es Zeit ist, erneut Abschied zu nehmen.

Der genaue Zeitraum und auch die Traditionen können lokal variieren, doch im Kern bleiben sie sich gleich. So mag das „Awa Odori Matsuri“ in Tokushima zeitlich (vom 12. bis 15. August) und durch seinen charakteristischen Tanz etwas abweichen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Inhalt laden

In Kyoto findet das „Gozan no Okuribi“ statt, bei dem riesige Kanji und Symbole (wie zum Beispiel ein Torii) als Feuer an einem Berghang entzündet werden.

Auch in Iwate findet als lokale Varietät das „Funakko Nagashi“ statt, bei dem man die Namen der Verstorbenen auf Papier schreibt, bevor man sie an einem Boot befestigt, das auf dem Wasser angezündet wird.

Jeder dieser Bräuche feiert einen speziellen Teil des Obon auf seine ganz eigene Art und Weise.

Auch verschiedene Riten finden an den Feiertagen ihren Platz. Da während des Obon Nahrung von besonderer Bedeutung ist, handelt es sich hierbei um spezielle und täglich wechselnde Speiseopfer.

Hierfür wird ein spezieller Tisch aufgestellt, auf dem neben den Ahnentafeln und den Bon-Laternen diese speziellen Speiseopfer dargeboten werden.

Zur Begrüßung der Ahnen werden am Abend Reisklöße mit einer süßlichen Sauce aufgetischt. An den darauffolgenden Tagen wechseln sich Somen Nudeln (weiße Fadennudeln aus Weizenmehl) mit Süßspeisen ab.

Modernere Interpretationen kombinieren unter anderem Obst, Lotosblüten und Chrysanthemen zu farbenfrohen Opfergaben.

Zudem ist es üblich, ungekochten Reis mit fein gehacktem Gemüse zu mischen und als kleine Häufchen auf Blättern der Lotusblume oder des Paulownia-Baums zu drapieren.

Zum Abschied werden nochmals Reisklöße zubereitet, um die Seelen der Verstorbenen für die bevorstehende Reise zu stärken.

Die symbolische „Speisung der Hungergeister“(„segaki“) findet immer am 15. Juli in den Tempeln statt, da diese sich genau an die alte Rechnung halten – dem 15. Tag des 7. Mondmonats. Diese Zeremonie nennt man „Bon Daisejiki-e“, die große Zeremonie der Speiseopfer.

Die Bedeutung des Obon – damals wie heute

Sicherlich ist das Obon Fest auch heutzutage noch ein großer Anziehungspunkt für Touristen aus Japan wie auch aus dem Ausland. Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, so viel pure Lebensfreude in der Gemeinschaft zu erleben?

Doch dies allein ist vermutlich nicht der Grund, weshalb die Tradition auch heute noch so lebendig ist.

Vielmehr geht es hier um das Zusammenkommen von Familien in ihrer Heimat, denn auch interkontinentale Reisen schrecken viele Japaner nicht ab, zu dieser Zeit des Jahres in ihre Heimat zurückzukehren.

Gerade in der heutigen Zeit, die so schnelllebig ist und in der viele Dinge zu selbstverständlich geworden sind, besinnt man sich zu diesem Fest auf die Grundpfeiler, die ein gesundes Miteinander begründen.

Dankbarkeit für das, was andere vor uns aufgebaut und uns hinterlassen haben, damit wir diese Grundlage nutzen können, um weiterzuwachsen, Achtung vor dem, was diese Menschen für sich und uns schufen sowie Respekt gegenüber Anderen.

Anzeige
Anzeige