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Veranstaltung zum Ende der Klettersaison

Teezeremonie in mobilem Teehaus lockt Wanderer auf den Berg Fuji

Die Teezeremonie gehört zu den wichtigsten Elementen traditioneller japanischer Kultur. Sie auf dem höchsten Berg des Landes erleben zu können, ist eine seltene Gelegenheit. Doch genau diese bot sich jetzt für Wanderer auf dem Fuji.

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Am 10. September endete offiziell die Klettersaison auf dem 3776 Meter hohen Vulkan mit rund 100.000 Besuchern. Kurz vor Ende der Saison fanden einen Tag lang Teezeremonien im Eboshiiwa-Schrein statt. Die hatten so einige Besonderheiten zu bieten – vom Raum selbst bis zum verwendeten Wasser.

Tee aus Schmelzwasser im gewebten Teeraum

Teezeremonien auf Japans heiligem Berg gab es vereinzelt bereits in der Vergangenheit, dann üblicherweise am Sengen-Schrein auf dem Gipfel des Fuji. Am Eboshiiwa-Schrein fand das Event jedoch zum ersten Mal statt. Der kleine Schrein, dessen winziger Hauptraum in einer Art Wellblech-Bau untergebracht ist, liegt an der achten Station der Yoshida-Route.

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Die Yoshida-Route ist eine der beliebtesten Wanderrouten auf den Fuji und beginnt im Ort Fujiyoshida nördlich des Berges. Heutzutage nutzen viele Besucher die Möglichkeit, mit Bus oder Auto bis zur fünften Station der Route zu fahren und von dort aus den Rest des Weges zurückzulegen. Die achte Station ist die letzte auf der Route und liegt nur noch zwei Kilometer vom Berggipfel entfernt.

Für die Teezeremonien musste der Eboshiiwa-Schrein jedoch zuerst umgestaltet werden. Denn ein wichtiger Bestandteil der Zeremonie ist der Raum, in dem sie stattfindet. In Ermangelung eines Teehauses griff man zu einer besonderen Lösung: Ein tragbarer Raum wurde geschaffen und im Schrein aufgebaut.

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Dazu entwarf Architekt Shinichiro Hashiguchi, der auch die Veranstaltung plante, ein Gestell aus rostfreiem Stahl. Über das wurde ein Geflecht aus gezwirntem, also aus mehreren Fäden zusammen gedrehtem, Garn gespannt, das nach traditionellen Gunnai-Techniken der Textilverarbeitung aus Fuiyoshida gefertigt wurde.

Zusammen formen Rahmen und Gewebe einen würfelförmigen Raum mit 1,8 Metern Kantenlänge, in dem die Teezeremonien durchgeführt werden konnten. Diese Aufgabe übernahmen Teemeister Soyu Mori und seine Schüler der Urasenke-Tee-Schule. Mithilfe eines elektrischen Heizgeräts kochten sie Schnee-Schmelzwasser von den Hängen des Fuji auf. Serviert wurde der Tee in Teeschalen aus Akahada-Keramik aus der Präfektur Nara.

Für die Zeremonie zogen sich die Gäste, die den Schrein in Wanderkleidung erreichten, zuvor in traditionelle Kimono um. Rund fünfzig Gäste nahmen insgesamt an den Teezeremonien teil, für die Veranstalter ein voller Erfolg.

Eine der Teilnehmerinnen war eine Restaurant-Betreiberin aus Tokyo. Die 47-Jährige erzählte der Zeitung The Mainichi: „Ich dachte mir, das ist eine einmalige Gelegenheit, also bin ich schnell hergekommen. Der Raum war viel schöner, als ich es mir vorgestellt hatte, und die Authentizität der Teezeremonie hat mich überrascht.“

Auch Ausländer sind begeistert

Nicht nur Japaner nahmen an den Zeremonien teil. Auch einige Ausländer kamen, etwa ein 22-jähriger Franzose, der in Japan studiert. „Die Teezeremonie schien schwierig zu sein, aber es war meine erste Erfahrung damit und ich hatte viel Spaß dabei“, erzählt er.

Veranstalter Hashiguchi freute sich über die erfolgreiche Umsetzung der Idee und möchte gern weitere Teezeremonien dieser Art durchführen. „Mit den Teezeremonien wollte ich meine Dankbarkeit für den Segen des Berges Fuji ausdrücken. Ich konnte so viele Geschichten von Menschen hören, die in der Gunnai-Textilverarbeitung tätig sind, und ich habe sehr viel gelernt“, fasst er seine Erfahrungen zusammen.

Bei Hashiguchis Konzept handelt es sich nicht um den ersten mobilen Teeraum Japans. Immer wieder werden innovative Ideen entwickelt, um die Teezeremonie auch abseits fester Teehäuser anbieten zu können. Im vergangenen Jahr etwa stellte ein Geschäft in Kyoto einen umgebauten Geländewagen vor, in dessen Kofferraum ein voll ausgestatteter Teeraum eingebaut ist.

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