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Traditionell japanische Aktivitäten zum Jahresanfang

Zum Jahresanfang reisen viele zurück in ihre Heimatorte, besuchen die Familie und laden Verwandte und Freunde zu sich ein. Shogatsu, die Neujahrsferien, sind für Japaner eine ganz besondere Zeit, die mit vielen traditionellen Aktivitäten gefüllt ist. Es ist die Zeit der Besinnung, der neuen Anfänge und alten Traditionen, die auch in Form der noch immer viel getragenen traditionellen Kimonos zu sehen ist.

Doch es ist eben nicht nur die Kleidung, die diese Zeit am Jahresanfang besonders macht. Viel mehr sind es die Aktivitäten, die Glück bringen und an die Vergangenheit erinnern. Ganz besonders verbreitet und beliebt ist Kakizome, das „erste Schreiben“. Auch Fukuwarai, eine Bezeichnung, die „Glück“ und „Lachen“ verbindet, ist noch immer bei manchen Tradition, verblasst jedoch mit der Zeit immer mehr. Beim Kakizome handelt es sich um die ersten Kalligraphien des Jahres, die auch dadurch weiterhin als verbreitete Tradition erhalten bleiben, weil viele Schulen dies als Hausaufgabe über die Ferien aufgeben. Fukuwarai ist ein Spiel, das im Zeitalter von Videospielen und kleineren Haushalten immer mehr an Beliebtheit einbüßt.

Kakizome zum Jahresanfang begann schon im 17. Jahrhundert

Traditionell schreibt man die Kakizome am 2. Januar. Denn dieser Tag ist in der Vergangenheit im neuen Jahr der erste Arbeitstag für Bauern, Händler und andere gewesen. Mit dieser wiederaufgenommenen Arbeit zum Jahresanfang geht auch die Tradition der ersten Kalligraphien einher. Mitte des Monats, um den 15. Januar herum, ist es üblich, die Kakizome zusammen mit Shimenawa (Reisstrohseilen) und Kadomatsu (Bambus- und Kieferndekorationen), sowie einigen anderen Objekten zu verbrennen. Diese Tradition ist das sogenannte Dondo Yaki, ein Fest mit großem Lagerfeuer, das nach dem Ende der Neujahrsferien stattfindet. Es heißt, diese Tradition gehe zurück bis ins 9. Jahrhundert, belegt ist dies jedoch nicht.

Was bekannt ist, ist der Ursprung des Kakizome zum Jahresanfang. Denn dieser stammt aus der Edo Zeit (1603-1868), als zum ersten Mal auch „gewöhnliche“ Menschen lesen und schreiben lernten. In den sogenannten Terakoya, einer damaligen Bezeichnung für Schulen, lernten Kinder erstmals Kalligraphien und führten somit Kakizome durch. Die Schulen in der Meiji Zeit (1868-1912) und späterer Perioden setzten diese Praktik fort. Früher schrieben noch viele hochgebildete Erwachsene ihre eigenen Kakizome in Form traditionell chinesischer Gedichte. In diesen nutzten sie viele Kanji-Schriftzeichen. Heute ist es eher üblich, nur einige wenige Kanji aufzuschreiben und nur wenige Erwachsene nehmen noch an dieser Aktivität teil.

Die meisten japanischen Schulen behalten diese Tradition jedoch weiterhin bei. Von der Grundschule bis zur Oberschule ist Kalligraphie weiterhin Teil des Unterrichts und somit sind Kakizome oft Hausaufgaben über die Winterferien. Zudem versammeln sich jedes Jahr am 5. Januar etwa 3.000 Kalligraphen am Nippon Budokan im Chiyoda Distrikt Tokyos. Dort findet ein großes Kakizome Event statt.

Das traditionelle Spiel zum Jahresanfang verliert immer mehr an Beliebtheit

Fukuwarai, Glück und Lachen, ist eigentlich etwas sehr positives. Es ist ein glückliches Spiel, denn die ganze Familie spielt es zusammen und lacht gemeinsam. Der perfekte Glücksbringer für das kommende Jahr. Denn im japanischen heißt es „Warau kado niwa fuku kitaru“, „Das Glück kommt in ein Haus, in dem viel gelacht wird“. Außerdem haben dieser Ausdruck und das Spiel das Kanji Zeichen Fuku (Glück) gemeinsam, was es wirklich zum perfekten Spiel für den Jahresanfang macht.

Bei diesem Spiel legen die Spieler Augenbinden um oder schließen die Augen. Dann legen sie – ohne zu sehen – Ausschnitte von Gesichtsmerkmalen wie Augen, Augenbrauen, Nase, etc. auf ein leeres Papiergesicht. Das entstehende Gesicht mit willkürlich zusammengesetzten Merkmalen, die oft auch an der falschen Stelle landen, löst bei allen Mitspielern Gelächter aus. Das entstandene Gesicht heißt typischerweise „okame“ oder „otafuku“, was eine Frau mit geschwollenen Wangen beschreibt. Dieses Aussehen galt im mittelalterlichen Japan als besonders schön, ist heute aber einfach nur komisch und lustig.

Woher genau das Spiel zum Jahresanfang stammt ist unklar. Es heißt jedoch, dass die Menschen in der späten Edo Zeit begannen, es zu spielen. In der darauffolgenden Meiji Periode entwickelte sich das Spiel dann zu einer überaus beliebten O-Shogatsu Aktivität. Heutzutage nimmt das Interesse daran jedoch immer mehr ab. Dies liegt zum einen an kleiner werdenden Haushalten, wo Großeltern weit weg von den Kindern und Enkeln leben, zum anderen an vielen neuen Spielen. Egal ob Videospiel oder Brettspiel, es gibt zahlreiche Alternativen, die ebenso viel Spaß, Lachen, Freude und damit Glück in ein jedes Haus bringen.

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