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HomeNachrichten aus JapanKulturTraditionelle Stickereien der Ainu in Museum in Tokyo zu sehen

Künstlerin setzt sich für ihr Volk ein

Traditionelle Stickereien der Ainu in Museum in Tokyo zu sehen

Die 88-jährige Shizue Ukaji ist eine „kofue“-Künstlerin, die alte Tücher mit traditionellen Ainu-Stickereien verziert. Sie setzt sich mit ihrer Kunst für die Rückforderung der Rechte ihres Volkes ein.

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Ihre Werke sind aktuell auf dem Ainu Art Festival 2021 im Asaba Art Square, einer Galerie im Kanazawa Ward von Yokohama, zu sehen. Am Tag der Eröffnung sprach Ukaji über die verlorenen Rechte ihres Volkes in der ostjapanischen Kanto-Region. Die Seniorin setzt sich mit ihrer Kunst für deren Rückforderung ein.

Ainu waren einst Jäger und Sammler

Die Geschichte des Volks der Ainu geht weit zurück. Als Jäger und Sammler lebten sie von 14.000 bis 300 v. Chr. in ganz Japan. Heute leben sie hauptsächlich auf Hokkaido und manche von ihnen legten ihre Identität ab, um sich in die moderne Gesellschaft zu integrieren. Sie haben mittlerweile offiziell den Status von Ureinwohnern, dennoch leiden viele von ihnen auch in der modernen Zeit unter Armut sowie Bildungsbenachteiligung.

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Theorien besagen, dass es sich bei dem Volk um direkte Nachfahren der Jomon-Menschen handelt, deren Kultur mit der der Yayoi-Menschen verschmolzen ist.

Von 1899 bis 1997 erschwerte den Ureinwohnern ein Gesetz das Leben, welches die Regierung der Meiji-Ära erließ, um die Assimilation (Anpassung an die Gesellschaft) voranzutreiben. Das Gesetz sollte angeblich die Ainu in Hokkaido schützen. Doch seit der Meiji-Zeit flohen einige von ihnen nach Tokyo, um weiterer Diskriminierung zu entgehen.

Shizue Ukaji hält einen Vortrag über ihre Kunst und das Leben als Ainu.
Shizue Ukaji hält einen Vortrag über ihre Kunst und das Leben als Ainu. Bild: MA
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Shizue Ukaji ist eine von ihnen. 1933 wurde sie in Urakawa auf Hokkaido geboren. Sie zogals junge Erwachsene nach Tokyo. 1972 verfasste sie einen Beitrag in einer Zeitung, in dem es hieß: „Utari, lasst uns alle die Hände reichen.“ Utari bedeutet in der Sprache der Ainu „Kamerad“. Im folgenden Jahr gründete sie die Gesellschaft „Tokyo Utari kai“ und widmete sich seitdem der Bewegung zur Wiederherstellung der Rechte ihres Volkes.

Shizue Ukaji gilt als Pionierin

Während ihrer Schulzeit in Hokkaido wurde Ukaji beschimpft, ohne zu verstehen, was vor sich ging, gab sie während ihres Eröffnungsvortrags preis. Sie gilt heute als Pionierin der Wiederherstellung der Rechte der Ainu. Dennoch blieb die Situation für ihr Volk eine lange Zeit unverändert.

Tuchkunst als Form des Ausdrucks

Im Alter von 63 Jahren entdeckte Ukaji schließlich die Tuchkunst für sich. „Ich wollte mit der Tuchkunst ausdrücken, dass das Ainu-Volk hier richtig ist“, sagte sie über ihre Exponate. Die Ausstellung zeigt 20 Werke, darunter Kofue-Stoffkunst, die einer Blakiston-Fischeule nachempfunden ist, die in der Ainu-Mythologie vorkommt, und ein ethnisches Kostüm.

Die Ausstellung ist noch bis Freitag, 30. April, zu sehen. Die Organisatorin der Veranstaltung, Kazuko Asaba, möchte sie in den kommenden Jahren fortsetzen. Der Eintritt kostet 1000 Yen (circa 7,60 Euro). Weitere Informationen erteilt Asaba Art Square unter der Telefonnummer 045-783-9705 (auf Japanisch).

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