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HomeNachrichten aus JapanKulturTraditionsreicher Süßwaren-Laden am Sensoji-Tempel endgültig geschlossen

Seit über 346 Jahren gab es dort Süßes für jeden Geschmack

Traditionsreicher Süßwaren-Laden am Sensoji-Tempel endgültig geschlossen

Der Sensoji-Tempel im Tokyoter Stadtteil Asakusa ist ein beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt. Nicht nur die historischen Gebäude begeistern die Besucher, sondern auch die lebhafte Atmosphäre und die vielen Geschäfte rund um den Tempel.

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Die Nakamisse Dori ist eine 250 Meter lange Straße hin zum Tempel, die von zahllosen kleinen Geschäften gesäumt wird. Die meisten dieser Läden sind seit Generationen in Familienbesitz. Vor allem die Geschäfte, die Süßigkeiten verkaufen erwiesen sich lange Zeit als gute Einnahmequelle, vor allem wenn sie auf Wagashi (traditionelle japanischen Süßigkeiten) spezialisiert waren. Der kleine Süßigkeiten-Laden Kinryuzan erwies sich jahrelang als feste Größe bei Leckermäulern aus ganz Japan.

Beliebter Weg zum Sensoji-Tempel

Umso geschockter reagierten diese als sie mit der plötzlichen Schließung des Geschäfts konfrontiert wurden. Für viele langjährige Kunden gehörte ein Einkauf beim Kinryuzan fest zu einem Besuch in Tokyo dazu. Ein Schild an der Tür dankte den vielen Stammkunden, die dem Geschäft jahrelang die Treue hielten.

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Die Schließung des Geschäfts ging durch die sozialen Netzwerke und viele machten die Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Rückgang der Besucherzahlen für die Aufgabe verantwortlich. Ein Mitarbeiter erklärte allerdings, dass das Geschäft bis zum Ende hin gut lief, das Problem liege darin, dass sich kein Nachfolger hatte finden lassen, der das Geschäft hätte weiterführen wollen.

Mit diesem Problem haben viele traditionelle Unternehmen zu kämpfen. Die jungen Japaner ziehen sichere Jobs in großen Firmen dem Abenteuer Familienunternehmen vor. Auch für eines der ältesten Süßwaren-Geschäfte ist deswegen jetzt die Zeit bekommen, sich für immer von den Gästen zu verabschieden. Das Kinryuzan soll laut Angaben der Einheimischen bereits seit 1675 am selben Standort seine Süßigkeiten verkauft haben und war somit das älteste Geschäft auf der Nakamise Dori. Die Straße selbst soll erst zwischen 1688 und 1735 in ihrer heutigen Form einstanden sein.

Nakamise Dori verliert immer mehr traditionelle Läden

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Für solche kleine Läden wird es immer schwerer sich zu halten, denn die Konkurrenz durch Kaufhäuser und Einkaufszentren wird immer größer. Auch in traditionell geprägten Gebieten, wie rund um den Sensoji-Tempel hat die Neuzeit Einzug gehalten. So entstand dort 2015 ein mehrstöckiges Einkaufszentrum, das neben Souvenirs auch eine Vielzahl an Süßigkeiten im Angebot hat.

Allein 2018 stiegen die Laden-Mieten auf der Nakamise Dori um das 16-fache. Gleichzeitig rief die Stadtverwaltung im Zuge einer Umgestaltung des Gebietes die Inhaber der kleinen Geschäfte auf, ihren Standort aufzugeben. Deswegen befürchte viele Besucher, dass auch die anderen kleinen Läden über kurz oder lang verschwinden werden. Es bleibt nur zu hoffen, dass Touristen, die irgendwann einmal wieder die Gelegenheiten erhalten, den Tempel zu besuchen, noch in den Genuss kommen, an den verschiedenen kleinen Läden entlangzuschlendern.

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