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80 Prozent des Ensembles stammen nicht aus Japan

Zirkus mit ausländischen Artisten hängt seit 11 Monaten in japanischer Stadt fest

Der Happy Dream Circus hat aktuell seine Zelte in der Stadt Iizuka (Präfektur Fukuoka) aufgeschlagen. Der Zirkus wird dort bis Ende Februar 2021 bleiben, denn alle Vorstellungen wurden wegen der grassierenden Corona-Pandemie verschoben. Seit April 2000 befindet sich das Ensemble in Japan.

In der Regel dauern die Besuche in den verschiedenen Orten zwei bis drei Monate, wobei vier Orte im Jahr auf der Liste stehen. Zum ersten Mal befindet sich der Zirkus, bei dem 80 Prozent der Artisten nicht aus Japan stammen, über elf Monate an einem Ort. Eine völlig neue Erfahrung für die Menschen, die aus verschiedenen Ländern stammen.

Menschen aus aller Welt werden japanische Teil-Bürger

Ein 30-jähriger Kolumbianer, der im Zirkus als Clown auftritt, nutzt die unfreiwillige Auszeit, um den Japanern seine Muttersprache näherzubringen. In einem internationalen Austauschzentrum gibt es Spanisch-Unterricht. Ein Bewohner Iizukas gründete das Zentrum 2019, nachdem er nach Spanien versetzt wurde. Er wollte ausländische Studenten einladen, damit sie die japanische Kultur kennenzulernen.

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Der Japaner traf im Mai zufällig auf den Clown und begeisterte ihn für sein Projekt. Mittlerweile besteht eine enge Freundschaft zwischen der Familie des ehemaligen Angestellten und den Leuten aus dem Zirkus. Während der Kolumbianer als Clown auftritt, ist seine Frau als Trapez-Künstlerin zu sehen. Der gemeinsame Sohn ist ebenfalls Clown und besucht aktuell die dritte Klasse der Grundschule von Iizuka. Auch verschiedene andere Familien haben sich im Zirkus gefunden und arbeiten dort zusammen. Die Kosten für Lebensmittel und Unterhalt bestreitet der Zirkus-Betreiber, Gehalt erhalten die Artisten aber nur, wenn sie wirklich auftreten.

Der Happy Dream Circus hat seinen Hauptsitz eigentlich in Osaka, wo er 2001 von einem ehemaligen Artisten gegründet wurde. Dieser war 10 Jahre lang mit einem chinesischen Akrobaten-Team unterwegs. Das Ensemble besteht aus 40 Leuten, die ebenfalls aus aller Welt stammten.

Ursprünglich sollte der Zirkus vom 18. April bis zum 6. Juli in Iizuka bleiben. Wegen der Pandemie wurden die Aufführungen auf den 10. Juli bis 22. September verschoben. Allerdings durften bei jeder Aufführung maximal 370 Personen zuschauen, sodass die finanziellen Einbußen erheblich waren. Insgesamt besuchten in der Zeit 9.000 Menschen die Vorstellung, was nur eine Auslastung von knapp 20 Prozent entspricht.

Logo Happy Dream Zirkus
Happy Dream mit bösem Erwachen Bild: Facebook / Happy Dream Circus

Zirkus will der Stadt danken

Die Mitarbeiter lassen sich überall, wo sie auftreten, als Anwohner registrieren und haben deswegen auch von den Zuschüssen der japanischen Regierung profitiert. Auch sie erhielten die 100.000 Yen (circa 820 Euro) Corona-Unterstützung, ebenso wie eine finanzielle Entschädigung für die ausgefallenen Auftritte in Iizuka. Allerdings mussten auch verschiedene Folge-Veranstaltungen abgesagt werden, weswegen die Artisten arbeitslos zurückblieben.

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Viele Artisten leben seit ihrer Kindheit im Zirkus. Für sie ist es eine völlig neue Erfahrung, so lange ohne Publikum zu sein. Zwar wird weiterhin fleißig trainiert, allerdings fehlt allen das Gefühl vor Menschen aufzutreten. Einige Artisten wandten sich sogar an den Betreiber in Osaka und baten darum, kostenfrei auftreten zu dürfen. Eigentlich wollte der Zirkus ohne Auftritte in Iizuka bleiben. Die Stadt stellten ihnen allerdings den Platz bis Ende Februar 2021 kostenfrei zur Verfügung. Deswegen gibt es jetzt jeden Samstag, Sonntag und an den Feiertagen wieder zwei Aufführungen. Dafür wurden die Preise massiv gesenkt, sodass eine Loge direkt neben der Bühne schon für 1.700 Yen (etwa 14 Euro) zu bekommen ist.

Der Zirkus erklärte, dass dies ein kleines Dankeschön an die Stadt darstellen soll. Gleichzeitig bekommen die Artisten so wieder einen gewissen Rhythmus, über den sie sich freuen. Die Menschen des Zirkus freuen sich, dass sie sich in Japan aufhalten, wo die Pandemie in relativ geregelten Bahnen verläuft. Einige sind so begeistert, dass sie schon erklärten, im Land bleiben zu wollen.

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