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Seit September dürfen sich alle Paare eintragen lassen

Kyoto akzeptiert ab sofort Partnerschaftseide bei LGBT-Paaren

Immer mehr Gemeinden in Japan akzeptieren mit verschiedenen Systemen LGBT-Paare, die nach dem allgemeinen Gesetz in Japan nicht anerkannt werden. Nun auch mit dabei ist Kyoto im Westen des Landes, das Paare unter dem sogenannten Partnerschaftseidprogramm zertifiziert.

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Seit Dienstag dürfen LGBT-Paare und andere Partnerschaften mit sexuellen Minderheiten das System der Stadt verwenden. Ähnlich wie bei einer Trauung können sie ihren Partner als offiziellen Lebenspartner erklären und zertifizieren lassen. Voraussetzung ist nur, dass sie beide erwachsen sind und mindestens eine Person Einwohner von Kyoto ist. Dazu darf keiner bereits verheiratet sein oder in einer anderen Partnerschaft sein, die unter eine mögliche Ehe fallen kann.

Bürgermeister gratuliert ersten Paaren persönlich

Um die Zertifikate zu erhalten, müssen die Antragsteller ihr Familienregister und weitere Dokumente einreichen. Abschließend müssen sie dann nur noch zu einem vereinbarten Zeitpunkt in einer städtischen Einrichtung die Eidpapiere unterschreiben und sie bekommen noch am selben Tag ihre Zertifikate sowie andere Dokumente.

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Für die Präfektur Kyoto ist es das erste Mal, dass das Programm für LGBT-Paare geöffnet wird. Das feierte die Stadt mit einer Zeremonie im Regierungsbüro, bei welcher der Bürgermeister Daisaku Kadokawa gleich fünf Paaren feierlich die Zertifikate überreichte. Die Paare freuten sich sehr, dass sie nun endlich anerkannt werden und dass ihr Traum einer kleinen Familie in Erfüllung gegangen ist.

Rechte sollen mit Zertifikaten erweitert werden

Insgesamt stellten am ersten Tag gleich 20 Paare einen Antrag auf das Zertifikat. Einige von ihnen wünschten sich dabei, dass das System bei der Beseitigung von Diskriminierungen hilft. Ein Paar erklärte, dass sie zusammen eine Wohnung suchten. Ein Immobilienunternehmen verweigert ihnen jedoch die Dienste, da es gegen ihr Zusammenleben war. Es würde sie deswegen freuen, dass das Programm für mehr Verständnis bei Unternehmen und anderen sorgt.

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Mit der Aufnahme in dem Programm haben LGBT-Paare nun ein Recht zusammen in einer städtisch verwalteten Wohnung zu leben. Weiter wird geplant, sie für bestimmte Leistungszahlungen mit einzubeziehen. Das ist nämlich auch eine Sorge, die viele bedrückt.

Eine Frau, die sich mit ihrer Partnerin eintragen ließ, gab dazu an, dass sie sich besonders wegen Covid-19 Sorgen gemacht haben. Sie befürchteten, dass sie aufgrund ihrer Beziehung möglicherweise sich nicht gegenseitig im Krankenhaus besuchen dürfen, da sie nicht als offizielle Familienmitglieder gelten. Die Anerkennung ihrer Partnerschaft sei deswegen ein erster Schritt in die richtige Richtung. Am Ziel seien sie jedoch noch lange nicht und sie erwarten weitere Bemühungen.

Nur langsam gibt es ein Umdenken

Kyoto hofft allgemein das öffentliche Verständnis für sexuelle Minderheiten zu fördern und für sie das gesellschaftliche Umfeld zu verbessern. Kadokawa selbst erklärte in einer kleinen Rede, dass sie weiterhin hart daran arbeiten, dass sexuelle Vielfalt und unterschiedliche Familienformen akzeptiert werden.

Mit Kyoto sind es erst 55 Gemeinden und zwei Präfekturen in ganz Japan, die LGBT-Paare anerkennen. Allerdings planen mindestens sechs Gemeinden noch dieses Jahr ebenfalls die Paare in ihre Systeme aufzunehmen. Zusätzlich fangen auch Firmen an, die Partnerschaften gleichzustellen.

Auch wenn die Zertifikate mehr Gleichberechtigung schaffen, verlieren Paare die Freiheiten in den meisten Fällen wieder, wenn sie in Gemeinden umziehen, in denen es keine Anerkennung gibt. Viele wünschen sich deswegen, dass die Zentralregierung ihnen endlich landesweit die Ehe erlaubt.

MS

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