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Symposium besprach Kinbaku als japanische Kunstform und Teil der Kultur

Kyoto University entfernt nach Beschwerde Video von Bondage-Vorführung

In Japan gibt es verschiedene Kunstformen mit einer langen Tradition. Unter anderem gibt es zahlreiche Fesselmethoden, die im Westen vor allem unter dem Begriff Shibari oder japanisches Bondage bekannt sind. Die Kyoto University hat kürzlich eine der Techniken vorgeführt und online veröffentlicht, was jedoch für Empörung sorgte.

Am 24. Oktober fand das Symposium unter dem Namen KINBAKU New Wave x Asian Humanities mit 80 Teilnehmern statt. Organisiert wurde es von der Unit of Kyoto Initiatives for the Humanities und dem Social Sciences and the Center for Applied Philosophy and Ethics.

Es sollte dabei Bondage als eine Kunstform des Fesselns genauer vorgestellt werden. Highlight war dabei eine Live-Vorführung, bei der eine Frau in einem Kimono von einem Mann an ein Gestell hängend gefesselt wurde. Um die 30 Minuten dauerte die ausführliche Demonstration des Dozenten.

Vorführung wird im Ausland zum Hit

Die Vorführung wurde aufgenommen und live über YouTube gestreamt. Mehr als 600 Personen schauten dabei online zu. Später wurde ein Video von der Vorführung auf die Webseite der Universität gestellt und war da für zwei Wochen zu sehen. Das Video verbreitete sich allerdings rasant über die sozialen Medien und wurde innerhalb kurzer Zeit von mehr als 590.000 Personen angeschaut.

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Aus dem eigenen Land gab es jedoch kritische Stimmen und mehrere Medien berichteten von dem Erfolg des Videos. Am 5. November erhielt die Universität dann einen Anruf von einer nicht bekannten Person, die fragte, ob es sich überhaupt noch um ein akademisches Fach handelte.

Als Reaktion entfernte die Universität das Video sofort, womit es einen Tag früher verschwand als angekündigt. Weiter wurde eine Entschuldigung von dem Veranstalter veröffentlicht. Es tue ihnen leid, dass sich einige Personen wegen des Videos unwohl gefühlt hätten. Professor Yasuo Deguchi, der das Symposium organisierte, gab dazu an, dass es ihm auch leid tut, wenn auch nur eine einzige Person Unbehagen gefühlt hat.

Bondage als eine offene Kunstform

Deguchi erklärte, dass sie die Bedeutung und die Möglichkeiten von Kinbaku oder Shibari erforschen wollen, da viele es als eine japanische Form des SM ansehen. Sie wollten das Bondage vor allem aus dem Blickwinkel betrachten, dass sich selbst transformieren ein neuer Trend in der modernen Kunst ist. Deguchi plant deswegen trotzdem ein Buch zu den Inhalten der Veranstaltung nächstes Jahr zu veröffentlichen.

Er wünscht sich dabei, dass Experten zu Geschlechterfragen diesem Projekt beitreten und Themen mit einbeziehen, die aus Zeitgründen nicht besprochen werden konnten. Unter anderem hatten nämlich einige Personen zu dem Video auch die Besorgnis geäußert, dass es eine respektlose Behandlung von Frauen zeigt.

Deguchi selbst sprach bei dem Event über die asymmetrische Dynamik der Dominanz und Unterwerfung von Männern und Frauen. Das gefesselte Model gab dazu an, dass sie das Design von Shibari liebt und es eine schöne Technik sei. Sie betonte dabei, dass nur in einer gleichberechtigten Beziehung die Kunst-Performance geschaffen werden kann.

Eine Frage der Zensur

Die Entfernung des Videos und die Entschuldigung stieß auf große Kritik. Es wurde befürchtet, dass gegen die akademische Meinungsäußerung vorgegangen wird. Der Direktor des Toyota Municipal Museum of Art in Aichi, Masahiro Murata, gab dazu an, dass die Veranstalter vorsichtig sein sollen.

Bloß weil sich jemand unwohl fühlt, sollen sie nicht gleich aufgeben. Er gab weiter an, dass die Entscheidung zur Entfernung sehr unglücklich sei, wenn es wirklich nur eine einzige Beschwerde gab. Murata betont, dass Kunst mit gemischten Reaktionen immer schnell entfernt wird, was verschiedene Ausdrucksformen und unterschiedliche Sichtweisen verhindert.

Wie problematisch Japans Umgang mit kontroverser Kunst, vor allem in Bezug auf Sexualität ist, zeigt der Fall der Künstlerin Rokudenashi-ko, die wegen Obszönität schuldig gesprochen wurde. Murata selbst musste auch bereits eine Ausstellung schließen, ebenfalls wegen Obszönität.

Kinbaku als japanische Kultur

Kinbaku stammt aus der Zeit zwischen dem 15. Jahrhundert und 17. Jahrhundert und hat seinen Ursprung in den traditionellen Kampfkünsten. Der Begriff beschreibt dabei die Methode Gefangene zu fesseln. Mit der Zeit wurden die Methoden durch Kunstformen wie Kabuki und ukiyo-e immer bekannter als eine kunstvolle, erotische Bondage-Form.

Erst viel später wurde sie dann wirklich dem S&M zugeordnet. Allerdings wird Kinbaku, das häufig nur Shibarai genannt wird, immer noch als eine nicht sexuelle Kunstform angesehen. So inspirieren die Methoden Modemarken oder tauchen in Musikvideos und anderen Medien auf.

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