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Lebenslange Haft für Mörder eines 6-jährigen Kindes

Lebenslange Inhaftierung eines Mörders wirft Fragen zur Todesstrafe in Japan auf

Die lebenslange Inhaftierung eines verurteilten Mörders, der zuvor zum Tode verurteilt worden war, wirft Fragen auf, ob die Art des Verbrechens Vorrang vor der Entscheidung über die Todesstrafe haben sollte.

In einer Entscheidung vom 1. Juli wies der Oberste Gerichtshof eine Beschwerde von Staatsanwälten zurück, die die Todesstrafe des 52-jährigen Täters forderte, der sein Opfer entführt und ermordet hatte, um die Leiche zu schänden. Sein Opfer war ein 6-jähriges Mädchen aus Kobe.

Bürgergericht verhängte Todesstrafe

Eine Jury von Bürgerrichtern am Bezirksgericht Kobe verurteilten den Täter 2016 zum Tode. Aber das Oberste Gericht in Osaka hob 2017 das Urteil auf und verhängte eine lebenslange Haftstrafe.

Das oberste Gericht berücksichtige die Argumente, dass der Mord nicht vorsätzlich begangen wurde und dass der Täter vor der Ermordung 2014 kein Vorstrafenregister hatte. „Seine Missachtung des menschlichen Lebens ist klar, aber man kann nicht sagen, dass diese Haltung extrem auffällig war“, hieß es in der Entscheidung. „Die Todesstrafe, die die ultimative Strafe ist, muss vorsichtig angewendet werden. Angesichts dieser Sichtweise und (der Notwendigkeit der) Sicherung der Fairness (mit früheren Fällen) ist es schwierig zu sagen, dass die Wahl der Todesstrafe wirklich unvermeidlich war.“

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Damit ist dies der fünfte Fall, in dem die obersten Gerichte in Japan ein Todesurteil, dass von einem Bürgergericht verhängt wurde, in eine lebenslange Haft umgewandelt haben.

Todesurteile nur bei sexueller Gewalt

Todesurteile werden in der Regel in Japan nicht ausgesprochen, wenn es nur ein einziges Opfer gibt, die Tötung nicht vorsätzlich war, das Opfer keine sexuelle Gewalt erlitten hat und der Verdächtige kein Vorstrafenregister dieses Verbrechens hatte.

Die Staatsanwälte argumentieren in ihrer Berufung, dass der Täter das Mädchen getötet hat, damit sie sich seinen obszönen Handlungen nicht widersetzen kann und dass man nicht sagen kann, dass es sich bei dem Mord um einen Unfall handelte.

„Es wird unerträglich sein, wenn sich das Missverständnis verbreitet, dass Todesurteile nicht erlaubt sind, wenn der Mord nicht vorsätzlich begangen wird“, so die Staatsanwälte.

Gerichte sind vorsichtig mit der Todesstrafe

Im Jahr 2013 hob ein Oberlandesgericht erstmals ein von Bürgerrichtern verhängtes Todesurteil auf. In zwei Raubmordfällen im Jahr 2009, die jeweils einen Todesfall betrafen, verurteilte der Oberste Gerichtshof Tokyos den Angeklagten zu lebenslanger Haft.

2012 veröffentlichte das Legal Research and Training Institute des Obersten Gerichtshofs eine Studie. Das Institut untersuchte in den letzten 20 Jahren 346 Fälle, in denen die Todesstrafe gefordert wurde. Dabei wurde festgestellt, dass die Gerichte in Fällen, in denen der Mord nicht vorsätzlich begangen wurde und es nur ein einziges Opfer gab, generell keine Todesurteile verhängten.

Unverständnis bei den Eltern des Mädchens

Die Mutter des ermordeten 6-jährigen Mädchens äußerte sich über ihren Anwalt zu dem Thema.

„Meine Tochter wurde ihres Lebens beraubt und ihre Lebenszeit betrug nur 6 Jahre. Wenn Richter Entscheidungen treffen, die nur auf früheren Fällen beruhen und nicht über das Gewicht eines menschlichen Lebens nachdenken, frage ich mich, warum ein Bürgergerichtsprozess durchgeführt wurde.“, so die Mutter. „Ich kann die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs nicht akzeptieren. Ich kann das auch nicht meiner Tochter erzählen.

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