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Lehrer mit Strafen wegen Missbrauch bereiten japanischen Schulbehörden große Probleme

Lehrkräfte können nicht genau überprüft werden und somit ist die Sicherheit der Kinder nicht garantiert

Obwohl Lehrer eigentlich ihre Schüler schützen sollen, kommt es immer wieder vor, dass einige von ihnen sich unangemessen benehmen. In Japan ist dabei die Zahl der Lehrkräfte mit sexuellen, missbräuchlichen Handlungen im letzten Jahr angestiegen, weswegen bessere Sicherheitsmaßnahmen nötig ist. Örtliche Bildungsbehörden haben es teils versäumt, angemessene Disziplinarverfahren gegen Lehrer offenzulegen und Informationen zu teilen. Auf der anderen Seite ist es für sie schwer, Lehrer vor der Einstellung auf solche Taten zu überprüfen.

Wenn nämlich die Details zu den Übergriffen und die Strafen nicht bekannt sind, können die Lehrer wieder woanders eingestellt werden und erneut Kinder gefährden. Die Situation besorgt viele, weil keiner weiß, wie Schulen die Kinder vor sexuellen Übergriffen von Lehrern am besten schützen können.

Wie dringend notwendig der Austausch von Informationen ist, zeigen die Zahlen vom Schuljahr 2019. Laut dem Bildungsministerium wurden 282 Lehrer von öffentlichen Schulen aller Formen wegen Missbrauch oder anderen sexuellen Handlungen bestraft.

Datenbanken sollen Bildungsbehörden helfen

Besonders sorgte der Fall eines Teilzeitlehrers in einer Grundschule in Chiryu, Aichi für Aufsehen. Im April 2018 erhielt er eine Haftstrafe von vier Jahren für die sexuelle Belästigung von fünf Mädchen und Jungen zwischen 2016 und 2017. Was den Fall noch schockierender macht, ist die Tatsache, dass es nicht sein erstes Vergehen ist. Schon 2013 wurde er sechs Monate von einer Grundschule in Saitama suspendiert und zur Kündigung gedrängt, da er ebenfalls sexuellen Umgang mit Kindern hatte.

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Trotz des Vergehens wurde er ohne Bedenken 2015 an der Schule in Chiruy eingestellt. Er verheimlichte seine Strafe und änderte bei der Bewerbung die Kanji in seinen Vornamen. Viele sind sich sicher, dass die Schule den Mann nie eingestellt hätte, wenn sie Informationen über die Disziplinarmaßnahmen von der Schulbehörde aus Saitama erhalten hätten.

Als Reaktion auf die Kritik richtete das Bildungsministerium im Geschäftsjahr 2019 ein neues System ein, mit dem Bildungsbehörden im ganzen Land nach Informationen zu Strafmaßnahmen suchen können.

Die erstellten Datenbanken listen den Namen der bestraften Lehrer, die offiziell in Journalen verzeichnet sind und keine Lizenz mehr haben. Zuständige bei Bildungsbehörden können landesweit so ganz einfach nach den Namen suchen und die Lehrkraft schnell überprüfen. So soll verhindert werden, dass bestrafte oder sogar verurteilte Lehrer sich erneut eine Stelle erschleichen können und Kinder gefährden.

Beamte der Behörden begrüßen das neue System. In der Vergangenheit war es schwer für sie, alle relevanten Information zusammenzusuchen und bei einem Vorstellungsgespräch zu bestätigen. Es war ihnen vor allem nur möglich zu prüfen, ob die Person noch die offizielle Lehrbefugnis hat. Die anderen Informationen konnten sie kaum anschauen, weswegen sie Angst hatten, etwas zu übersehen.

System verursacht neue Probleme

Das ist ebenfalls noch ein Problem, dass das neue System nicht bewältigen kann. Es zeigt keine Details zu dem Strafmaß und anderen Punkten an. Deswegen müssen die Zuständigen weiterhin die örtlichen Bildungsbehörden kontaktieren und nach mehr Informationen fragen. Die bekommen sie jedoch in den meisten Fällen nicht, weil der Datenschutz greift, wie ein Mitglied der Behörde in Okayama erklärte.

Aus diesem Grund wird gehofft, dass die nationale Regierung kollektiv die Datenbanken verwaltet, damit es einen Zugriff auf die Daten gibt. Dazu kommt jedoch noch ein weiteres Problem, denn das Ministerium bewahrt die Informationen nur drei Jahre in der Datenbank auf. Sie begründen es damit, dass Lehrer mit Straftaten das Recht haben, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Das bedeutet, dass einige Täter bei Suchen automatisch nicht mehr auftauchen.

Viele sehen darin ein großes Risiko, weswegen Bildungsbehörden von dem Ministerium einen längeren Zeitraum fordern. Es ginge immer noch um die Sicherheit der Kinder und bei sexuellen Straften als Lehrer scheint die Schule wirklich kein geeigneter Ort zu sein, sagt ein Beamter aus Aomori. Er ist ebenfalls dafür, dass sie mehr Details über das Strafmaß und andere Dinge erhalten.

Der Leiter der gemeinnützigen Organisation Shiawasenamida, Hiromi Nakano, sieht das genauso. Es ist notwendig, dass die Bildungsbehörden die Daten landesweit teilen können, um Wiederholungstaten zu verhindern. Das Zurückhalten von Informationen von sexuellen Straften an Schulen wäre nur eine stumme Zustimmung von Übergriffen. Die aktuelle Praxis ist deswegen unverantwortlich und kann Kinder nicht schützen.

MS

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