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Das schwierige Leben japanischer Underground-Idole

Gruppen wie AKB48 gelten in Japan als Idole und Vorbilder für viele Jugendliche. Bekannt für ihr niedliches Aussehen, ihre durch-choreografierten Performances und entsprechenden Fernsehauftritte, gelten sie als Verkörperung der japanischen Popkultur.

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Neben den bekannten Größen entwickelt sich eine Subkultur mit sogenannten Chika- oder Underground-Idolen, die sich zurzeit massiv vergrößert. Auch sie träumen von der großen Karriere, aber nur wenige schaffen den Sprung in die erste Reihe.

In vielen Fällen arbeiten die Idole aus der zweiten Reihe mit Produktionsfirmen, die ihre Träume ausnutzen, um sie mit langen Verträgen einzufangen, die für sie so gut wie nie vorteilhaft sind.

Vier Mitglieder der Chika-Idol-Gruppe Nijiro Fanfare, die vor allem durch Internetauftritte Bekanntheit erlangte, hielten diese Arbeitsweise nicht mehr aus. Sie verließen die Gruppe wegen der untragbaren Arbeitsbedingungen. Die Mädchen ließen durchblicken, dass sie später von ihrem Produzenten bedroht wurden, nie wieder eine Karriere als Idol starten zu können.

Die ehemaligen Idole sagten, dass sie überredet wurden, einen Siebenjahresvertrag zu unterschreiben, den sie nicht kündigen konnten. Ihr monatlicher Lohn für die Online-Videos in Höhe von 38.000 Yen (295 Euro) ging fast vollständig für Trainingsgebühren drauf, sodass die Mädchen in der Zeit fast nichts verdienten. Die meisten Nebenkosten, wie für Garderobe und Accessoires, mussten die Mitglieder außerdem auch selbst tragen.

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Aya Kotobano, eines der ehemaligen Nijiro-Idole, erklärte, dass sie es damals für normal hielt und dachte, dass es in anderen Agenturen auch so zugehe. Aktuell klagt sie mit den anderen ehemaligen Nijiro-Fanfare-Idolen gegen die in Tokyo ansässige Produktionsfirma D-Topia Inc. Im November letzten Jahres reichten die vier jungen Frauen Klage ein, um eine Auflösung ihrer Verträge und die Auszahlung ihrer Löhne zu erreichen. Im Mai folgte eine außergerichtliche Einigung, mit der alle vier Klägerinnen zufrieden waren.

Der Fall Nijiro Fanfare scheint allerdings nur die Spitze des Eisbergs zu sein. Auch Mitglieder von inzwischen bekannten Idol-Gruppen verrieten, dass die Anfangszeit vor allem harte Arbeit ist. Eine junge Frau berichtete davon, dass sie Glück hatte, einen freien Tag im Monat zu haben, ansonsten gäbe es jeden Tag Termine und Verkaufsshows. Eine andere berichtete, dass sie durchschnittlich nur 30.000 Yen (230 Euro) im Monat verdiente, davon aber noch Fahrtkosten zu den Auftritten zahlen musste. In dieser Zeit lebte sie von ihren Ersparnissen, die sie während eines Jobs als Bürokraft auf die hohe Kante legte.

Idols in Japan
Im Alltag allgegenwärtig – Idols in Japan © Akiba Nation

Im Krankheitsfall müssen die Mädchen ein ärztliches Attest vorlegen, dass sich der Arzt allerdings bezahlen lässt. Nur die wenigsten Chika-Idole können sich diese Bescheinigung leisten. Oft handelt es sich dabei um Minderjährige, die dann den Schulstoff nicht mehr schaffen. Oft entwickeln diese Mädchen Depressionen. Viele Agenturen verlangen außerdem von ihren Idolen, dass sie private Accounts auf Social Media Seiten abschalten und somit den Kontakt zu Freunden und Bekannten verlieren.

Einer der Hauptgründe, warum Underground-Idole unter solch extremen Umständen arbeiten müssen, liegt in den harten Verträgen, die sie zu Anfang bei ihren Produktionsfirmen unterschreiben. Anwälte, die solche Prominente vertreten, warnen davor, dass die meisten jungen Idole Schwierigkeiten haben, zu erkennen, welche Verträge gut für sie sind und welche nicht.

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Ein Grund für die wachsende Anzahl kleiner Produktionsfirmen, die vom Management so gut wie keine Ahnung haben, liegt darin, dass es keine klare Richtlinien und Regeln gibt, worauf junge Idole bei der Auswahl achten sollten.

Honoka Omoto, Mitglied der lokalen Idol-Gruppe Enoha Girls aus der Präfektur Ehime beging im März 2017 im Alter von 16 Jahren Selbstmord. Erst nach ihrem Tod erfuhr ihre Mutter, dass das Mädchen einen für sie extrem ungünstigen Vertrag unterschrieben hatte. Am 12. Oktober reichte sie Klage gegen die Produktionsfirma ihrer Tochter ein. Sie verlangt Schadensersatz für die Überarbeitung ihrer Tochter, die sie in den Suizid trieb.

Das Problem haben mittlerweile allerdings nicht mehr nur Chika-Idole. Auch bekanntere Gruppen wie SMAP haben Probleme mit Produktionsfirmen, die sie mit Knebelverträgen an sich binden wollen. Auf einer Sitzung der Fair Trade Kommission im Februar schlugen die Mitglieder vor, dass das Wechselverbot in Idolverträgen gegen das Kartellrecht verstößt. Die Machtposition der Produktionsfirmen dürfe keine Nachteile für die Idole darstellen. Die extremen Verträge beraubten die Idole ihrem in der Verfassung verankertem Recht auf freie Berufswahl.

In vielen Verträgen legen die Firmen die Löhne fest, ohne dass die Idole an den CD-Verkäufen oder den Erlösen von Auftritten beteiligt werden. Bei Chika-Idolen ist es außerdem so, dass sie keine Möglichkeit haben, Engagements abzulehnen. Wer den Ausstieg schafft, hat es hinterher schwer, in der Welt der Idole wieder Fuß zu fassen, sodass eine erneute Karriere so gut wie unmöglich ist.

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