News Lifestyle Heftige Kritik gegen Liste von japanischen Colleges mit „leicht zugänglichen“ Studentinnen

Heftige Kritik gegen Liste von japanischen Colleges mit „leicht zugänglichen“ Studentinnen

Eine Boulevardzeitschrift erhielt starke Kritik für eine ihrer jüngsten Veröffentlichungen. Denn bei dieser handelt es sich um eine Liste von Colleges, deren Studentinnen nach dem Trinken für Sex „leicht zugänglich“ seien. Mit dieser Veröffentlichung unterstreichen sie nur, was Kritiker als die systematische Objektifizierung von Frauen in Japan nennen.

Das wöchentliche Magazin Spa! Veröffentlichte in der Ausgabe vom 25. Dezember ein Interview mit Keiji Isogiomi. Er ist der Manager der Webseite Lion Project, und half Spa! dabei, die entsprechende Liste zu erstellen und zu veröffentlichen. Sein Kriterium für die Platzierungen waren „sexuelle Zugänglichkeit“ der Studenten auf Trink-Partys. Des Weiteren beschrieb er, wie man Frauen anlocken könne oder aufgrund der Kleidung und äußeren Erscheinung bestimmen könne, ob sie sexuell verfügbar sei. In Deutschland ist ein solches Ranking zu veröffentlichen schon länger undenkbar, denn es würde mit Sicherheit mehr als bloß Kritik nach sich ziehen. Doch in Japan bedurfte es zunächst der Maßnahme einer Studentin, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Eine Studentin äußert offen Kritik an diesem Artikel und erhält viel Zuspruch und Unterstützung

Als Antwort auf den Artikel von Spa! startete eine Studentin eine Online-Petition. In dieser verlangte sie, dass das Magazin sich öffentlich entschuldigte, den Artikel entfernte und versprach, nie wieder Begriffe zu verwenden, die Frauen objektifizieren. Die Petition erhielt schnell mehr Aufmerksamkeit, als Sputniko!, eine bekannte japanisch-britische Künstlerin sie auf Twitter teilte. In ihrem Tweet forderte sie ihre Follower auf, auch die Petition zu unterschreiben. So hatten wenige Tage nach der Anlegung bereits 15.600 Menschen unterschrieben. Kazuna Yamamoto, die Studentin der internationalen christlichen Universität, die die Petition startete, sagte, sie sei „wirklich glücklich [über die Zahl der Unterschriften], weil [sie] dachte, Japaner würde es nicht kümmern“. Sie erklärte außerdem, dass sie den Menschen zeigen wollte, dass die Sexualisierung und Objektifizierung von Frauen nicht witzig ist. Mit ihrer Petition fand sie einen sehr guten Weg, dieses Ziel zu erreichen und Kritik öffentlich zu äußern.

Takashi Inuaki, ein Vertreter der Redaktion von Spa!, erklärte in einer Rechtfertigung die Hintergründe für die Veröffentlichung eines solchen Interviews. Er sagte, das Magazin schreibe speziell über Trink-Partys, auf denen männliche Teilnehmer Gebühren für Frauen zahlen. Diese Partys seien auch unter den weiblichen Studenten sehr beliebt. Doch in der eigentlichen Entschuldigung spielt er die Kritik herunter. Er sagte „wir möchten uns dafür entschuldigen, reißerische Sprache genutzt zu haben, um Eindruck auf die Leser zu machen“. Des Weiteren beschrieb er das Ranking und die fragwürdigen Tipps als beschriebene Wege, sich „mit Frauen besser vertraut machen zu können“. Außerdem entschuldigte er sich dafür, dass sie echte Universitätsnamen veröffentlichten. Der aus allen diesen Teilen entstandene Artikel sei in einer Form, die „womöglich die Leser beleidigte“.

Zusätzlich zu der Petition entstand ein neuer Hashtag

#StandUpJapan ist der neue Hashtag, der auf die Probleme in der japanischen Gesellschaft aufmerksam machen soll. Zusammen mit der Online-Petition veröffentlichte Yamamoto Videos in sozialen Netzwerken. Diese veröffentlichte sie auf Japanisch und auf Englisch. Ganz öffentlich schlug sie so, mit Worten und ihrer ehrlichen Kritik, auf ähnliche Weise zurück. Sie wies außerdem auch die japanische Gesellschaft allgemein zurecht. Denn die verbreiteten Frauenbilder und der generelle Umgang damit, sowie die Objektifizierung von Frauen ist nicht nur auf diesen einen Artikel beschränkt. Selbst die Opfer sexueller Übergriffe erhalten in Japan sehr wenig Mitgefühl und dagegen eher zusätzliche Beschuldigungen.

Leider trauen sich jedoch bisher die Wenigsten, etwas dagegen zu sagen, Kritik zu äußern und aufzustehen. Vor allem bei denen, die Opfer von Übergriffen wurden, ist dies mehr als verständlich. Doch gleichzeitig ist es wichtig, dass sich jemand zu Wort meldet. Umso bedeutsamer ist die Reaktion der Studentin. Und auch ihre Freunde aus Japan und generell Asien, sowie aus Europa und den USA unterstützen sie dabei. Auch sie sind entrüstet über solche Geschehnisse und verbreiten den Hashtag #StandUpJapan, um so den zahlreichen Opfern Mut und Kraft zu geben.

Was diesen Skandal noch viel schlimmer macht: Die Boulevardzeitung veröffentlicht öfter ähnliche Artikel

Außer diesem Artikel erschienen noch einige weitere mit ähnlichem Thema. Ein anderer beschrieb „Die Charakteristika einer Frau, die leicht ins Bett zu kriegen ist“ und wieder ein Artikel zählt „Die Typen von Alkohol, die man nutzen kann, um Sex mit einer Frau zu haben“ auf. Hierbei stellt sich schnell die Frage, welche Relevanz solche Artikel haben. Denn viel mehr, als Informationen, die zu sexuellen Übergriffen führen können, zu verbreiten tun sie nicht. Ist es das wirklich wert, für gute Ergebnisse in kauf zu nehmen, das Leben mancher Frauen für immer zu zerstören? Die Kritik, die Yamamoto äußert, trifft vielleicht endlich den richtigen Punkt. Denn Sätze wie „Was, wenn deine Tochter auf eine dieser Schulen [, die in der Geschichte erwähnt werden] geht? Was, wenn der Klassenkamerad deiner Tochter diesen Artikel über Alkohol, mit dem man ein Mädchen betrunken und bewusstlos macht, liest?“ treffen wohl jeden Elternteil.

Mit etwas Glück kommt Yamamotos Nachricht und die Kritik an der Einstellung der Gesellschaft tatsächlich bei genügend Japanern und Japanerinnen an. Vielleicht kann sie so alles ändern. Denn bisher hängt das Land auch bei dem weltweiten Fokus auf der #MeToo-Bewegung und deren Anerkennung, sowie der Gleichstellung der Geschlechter noch vielen Ländern hinterher. Sie erhielten in Rankings des Weltwirtschaftsforums in Bereichen der Geschlechtergleichstellung nur den 110. Von 149 Plätzen. Außerdem gaben zahlreiche medizinische Universitäten zu, die Ergebnisse der Aufnahmeprüfungen manipuliert zu haben. Sie verschafften so absichtlich den weiblichen Teilnehmern schlechte Chancen.

Diese Fälle sind nur einige Beispiele der Hypersexualisierung junger Frauen, die Yamamoto und sicher auch viele andere so stört. Denn „Die Tatsache, dass die Objektifizierung und Sexualisierung von Frauen eine gute Titelstory einbringt ist einfach nur krank und beunruhigend“. Die junge Studentin hofft, endlich eine Bewegung anzuregen, die für Frauenrechte und Geschlechtergleichstellung kämpft und sie endlich auch in Japan auf eine gute Basis bringt.

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