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Japanische Bewegung unterstützt Frauen im Kampf gegen hohe Pumps am Arbeitsplatz

Die Twitter-Kampagne #KuToo weist auf den Zwang weiblicher japanischer Angestellter hin, auf der Arbeit Schuhe mit hohen Absätzen zu tragen. Vor wenigen Tagen fand eine Veranstaltung statt, bei der die Männer einmal in die Rolle der Frauen schlüpfen konnten und mit hohen Pumps versuchen sollten zu gehen.

Der Hashtag #KuToo verweist auf die japanischen Wörter für Schuhe „Kutsu“ und „Katsuu“, was Schmerz bedeutet. Mit der Abkürzung verweist man gleichzeitig auf die international laufende #MeToo-Bewegung, die überall auf der Welt auf sexuelle Belästigung und Gewalt gegenüber Frauen aufmerksam macht.

Die Veranstaltung lief unter dem Motto „Ist eine Jobsuche in Sneakers möglich?“. Dabei drückten die Organisatoren den anwesenden Herren Pumps mit fünf Zentimetern hohen Absätzen in die Hand und baten sie damit zu laufen, wie es die Frauen an ihrem Arbeitsplatz tun müssten. Diese Erfahrung sollte die Empathie der Männer gegenüber ihren hochhackigen Kolleginnen stärken.

Ein Schuhmacher, der ebenfalls an der Kampagne teilnahm, zog die hohen Schuhe nur an und hatte bereits genug. Die Absätze würden beim Laufen für ein instabiles Gefühl sorgen und außerdem würden die Füße in den hohen Pumps extrem schwitzen.

Die Veranstaltung organisierte eine Petition auf der Petition-Webseite Change.org, um die Diskussion über ideale Arbeitsbedingungen für alle Angestellten zu fördern. Die aktuelle Etikette am Arbeitsplatz in Japan sieht vor, dass Frauen Schuhe mit hohen Absätzen tragen müssen. Die Frau hinter der #KuToo-Bewegung, Yumi Ishikawa, stellte die Fragen, warum Frauen sich mit hohen Absätzen quälen müssen, während es für Männer normal ist, flache Schuhe zu tragen.

Die Schauspielerin und Schriftstellerin begann im Januar auf Twitter über ihre Frustration zu berichten, immer hohe Absätze tragen zu müssen. In ihrem Nebenjob arbeitet sie als Platzanweiserin für ein Bestattungsunternehmen und wäre dabei den größten Teil des Tages auf den Beinen. Am Ende einer Schicht hätte sie meist blutige Zehen wegen der hohen Absätze. Die Kleiderordnung des Arbeitgebers sieht vor, dass Frauen Schuhe mit Absätzen zwischen fünf und sieben Zentimetern tragen müssen.

Stilettos für Männer
Bild: Jun Ito

An einem Arbeitstag bemerkte sie, dass ihre männlichen Kollegen flache Schuhe trugen. Verärgert teilte sie ihre Beobachtung auf Twitter. Innerhalb kürzester Zeit erhielt sie für ihren Beitrag mehr als 67.000 Likes und wurde fast 30.000 Mal retweetet. Ermutigt durch diese Unterstützung, startete die junge Frau die #KuToo-Kampagne auf Twitter. Die Organisatorin erklärte, sie habe so erfahren, dass viele Frauen denken, es würde nichts ändern sich aufzuregen. Allerdings denkt Ishikawa, Diskussionen würden helfen, schlechte Dinge zu verbessern.

Was als kleine Aktion begann, wurde auf Twitter schnell ein Trend in Japan, dem sich viele Unterstützer und Organisationen anschlossen. Daraus entstand eine Online-Petition, die eine geschlechtsspezifische Kleiderordnung infrage stellte. Ein Schwerpunkt lag auf der Pflicht für Frauen, Schuhe mit Absätzen tragen zu müssen. Mehr als 18.700 Menschen unterschrieben die Petition gegen den Absatzzwang inzwischen.

Einige Leute, die Ishikawas Kampagne auf Twitter folgen, sagten, der Zwang zu hohen Absätzen wäre für Frauen vor allem im erdbebengefährdeten Japan ein großes gesundheitliches Risiko. Länder überall auf der Welt lockerten in den letzten Jahren ihre Richtlinien für eine Kleidungsordnung an öffentlichen Arbeitsplätzen.

International wird der Kampf gegen hohe Absätze bereits seit einiger Zeit ausgefochten

In Großbritannien erntete eine Firma im Dezember 2015 einen Shitstorm und jede Menge Spott, weil sie ihre Empfangsdame ohne Bezahlung wieder nach Hause schickte, nur weil ihre Absätze nicht zwischen 5 und 10 Zentimeter hoch waren. Die junge Frau startete danach ebenfalls eine Online-Petition, der sich 150.000 Menschen anschlossen. Dies führte zu einer Debatte im britischen Parlament über dieses Thema.

Obwohl die britische Regierung die geltenden Gesetze gegen geschlechtsspezifische Diskriminierung für ausreichend hielt, veröffentlichte sie im Mai 2018 eine Richtlinie zu dem Thema Dress Codes. Diese richtet sich gegen Diskriminierung wegen des Geschlechts und erklärt, wie das Gesetz auf Arbeitsplätzen angewandt werden sollte.

Beim Filmfestival in Cannes 2016 sorgten weibliche Hollywood-Stars wie Julia Roberts für einen Eklat, indem sie barfuß oder in Sneakers über den roten Teppich schritten. Ihr Protest richtete sich ebenfalls gegen die Kleiderordnung des Festivals. Einigen Frauen wurde der Gang über den roten Teppich verwehrt, weil sie im vorangegangenen Jahr keine High Heels trugen.

Einige Staaten wie Britisch-Kolumbien und die Philippinen haben bereits Gesetze erlassen, die das Tragen von Absätzen für Frauen auf dem Arbeitsplatz nicht mehr als zwingend notwendig darstellen. Japan hat zwar ein Gesetz gegen geschlechtsspezifische Diskriminierung. Dieses greift allerdings nur bei Einstellungen, Beförderungen, Ausbildung oder der Verlängerung von Arbeitsverträgen. Ein Bezug zur Kleiderordnung wird bisher nicht hergestellt.

Yumi Ishikawa erklärte bei der #KuToo-Veranstaltung, Frauen die gern hohen Absätze tragen, könnten dies natürlich weiterhin gern tun. Auch Männern sollte es erlaubt sein, solche Schuhe zu tragen, wenn sie es wollten. Heute will die junge Frau ihre Online-Petition beim Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales einreichen.

Zeitgleich starten die Auswahlverfahren für die Hochschulabsolventen, die sich um einen Job in japanischen Firmen bewerben. Viele weibliche Absolventen werden wieder in hohen Schuhen zu den Gesprächen erscheinen. Die Petition fordert die japanische Regierung dazu auf, Regeln in Firmen zu verbieten, die Frauen zum Tragen hoher Absätze zwingen.

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