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Japan das neue Mailand der Herrenmode?

Japanische Kleidungshersteller machen sich weltweit bekannt

Wenn man „japanische Kleidung“ oder „japanische Mode“ hört, kommen meistens als erstes Bild die jungen schräg gekleidete junge Leute aus Harajuku in den Sinn. Desweiteren auch noch Sachen mit Anime-Print oder Kleidung, die den traditionelle Kimono mit den modernen Designs verbindet.

Dafür gibt es mehrere fleißige Herrenmodehersteller, die sich sogar außerhalb Japans einen guten Ruf geschaffen haben.

„Ist Japan das neue internationale Zentrum für maßgeschneiderte Anzüge, Hemden und Schuhe?“

Dies war der eindrucksvolle Vorschlag, der am 22. Mai bei der „Japanese Bespoke Menswear: Thomas Mason and Permanent Style“ vorgelegt wurde. Das Symposium fand in der Quartz Gallery in Shibuya, Tokyo statt. Die berühmtesten Botschafter der japanischen Herrenmode versammelten sich, um ihre Ansichten darzulegen und ihre individuellen Geschichten zu erzählen.

Die Veranstaltung, Teil einer internationalen Serie, die vom Textilhersteller Albini Group gesponsert wurde, zog rund 200 Brands, Style-Journalisten und eine Auswahl der stilbewusstesten Männer von Tokyo zu einer Podiumsdiskussion an. Als Leiter der Veranstaltung kam der einflussreicher Londoner Autor und Journalist Simon Crompton von Permanent Style – einem weltweit führenden Herrenmodeblog.

Japan – das neue Mailand der Herrenmode?

Die Idee der japanischen Zentralität in der Welt der Maßanfertigung mag für Traditionalisten überraschend sein, die eher an die große Besichtigung der Schneiderei in London, Neapel, Mailand, Florenz und Paris gewöhnt sind. Aber diese Möglichkeit ist in den letzten Jahren näher an die Realität herangekommen.

Crompton, einer der kenntnisreichsten und meistbesuchten Style-Journalisten der Welt, eröffnete das Verfahren, indem er Japan zum „aufregendsten Ort der Welt für Herrenmode“ erklärte.

Wie kam es dazu? Die Podiumsteilnehmer Masanori Yamagami aus Strassburg und der Schuhmacher Yohei Fukuda, betonten beide die Wichtigkeit, dass japanische Handwerker ihre Kenntnisse am Ursprungsort erlernen. Es ist inzwischen eine etablierte Praxis, dass angehende Handwerker Pilgerfahrten in die Stilkapitale Europas unternehmen, um bei den Meistern zu studieren.

Herrenmode, Anzug, Kleidung
Bild:
すしぱく

Japanische Handwerker arbeiten hart, um traditionelle europäische Kleidung zu schaffen

Die etwas stereotypierte Vorstellung von japanischen Handwerkern als fleißige Arbeiter, die harte Zeiten ohne Jammern durchstehen, hat geholfen.

Viele junge japanische Handwerker bekamen die Möglichkeit, trotz Sprachschwierigkeiten in legendären Ateliers als Lehrlinge eingestellt zu werden.

Der Schuhmaher Fukuda erfuhr seine Ausbildung zum Beispiel in Nottingham und arbeitete bei John Lobb in Großbritannien; und der Schneider Noriyuki Ueki (Ciccio) lernte seine Fähigkeiten in Dalcuore in Neapel, Italien. Nach ihrer Ausbildung kehrten die Auszubildenden nach Hause zurück, um ihr eigenes Unternehmen zu eröffnen.

Es scheint, dass solche Handwerker in Japan keine Schwierigkeiten hatten, die Standards ihrer ehemaligen Mentoren zu halten und in vielen Fällen sogar zu übertreffen.

Traditionelle Methoden helfen auch bei westlicher Kleidung

Die  Journalisten erwähnten den positiven Einfluss des traditionellen japanischen Handwerksethos – die gewissenhafte Aufmerksamkeit für Details.

Auch Compton bemerkte, dass im Gegensatz zu den Europäern, die dazu neigen, sich auf einen Bereich und eine Art von Produkt zu spezialisieren, japanische Handwerker von einem breiten Spektrum an Interessen und Querschnittfähigkeiten profitierten. Die Philosophie von wabi sabi (nichts ist perfekt) wurde auch als Schutz vor Selbstzufriedenheit erwähnt.

Ein weiterer Vorteil, zumindest in Bezug auf die Qualität, ist die Skalierung.

Es wurde festgestellt, dass viele von Japans maßgeschneiderten Handwerkern allein oder mit nicht mehr als einem Lehrling arbeiten. Dies ermöglicht eine weitaus bessere Qualitätskontrolle bei Herrstellung der Kleidung und einen persönlicheren Service als bei großen europäischen Häusern. Hinzu kommen die makellose Dienstleistungsethik Japans und die traditionelle Zimperlichkeit gegenüber Preiserhöhungen („unjapanisch“, kommentierte Fukuda).

Dadurch zeichnet sich ein klareres Bild darüber, warum die japanische Sonderanfertigung für eine anspruchsvolle und globalisierte Kundenbasis immer attraktiver wird.

Das Internet hat ebenfalls geholfen und Japan fest auf die Liste der Pflichtbesuchsziele für weltreisende Kleidungsliebhaber gesetzt.

Crompton selbst hat viel dazu beigetragen, das Profil der japanischen Handwerker mit einer Reihe von Beiträgen und persönlichen Befürwortungen zu stärken. Tokyo wurde kürzlich auch in der Financial Times „How to Spend It“ Magazine als eines der weltweit besten Reiseziele für Herrenbekleidung gelistet.

Der einsame japanische Schneider vor einer großen Herausforderung

Dennoch gab es auch Bedenken, ob es auch weiterhin so schön in der japanischen Herrenmode bleiben wird.

Was die globale Expansion betrifft, so würde das aktuelle Ein-Mann-Brand-Geschäftsmodell der japanischen Einzelhandelsbranche wahrscheinlich externe Hilfe erfordern. Sonst ist es nicht möglich, ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Klein ist sicherlich schön, war die Botschaft, hat aber praktische Grenzen.

Kagami nannte die unvermeidlich langen Wartezeiten, die Einzelunternehmer benötigen, und auch die Entfernung bei der Anprobe und Anpassung Probleme macht.

Dennoch ist es klar, dass viele japanische Schneider und Brands sind bereit zu versuchen, Japan zu dem neuen Modezentrum der Männerkleidung zu machen.

Quelle: JT

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