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HomeNachrichten aus JapanLifestyleJapanische Schneiderin verarbeitet die Kimono Verstorbener zu persönlichen Andenken

Aus alten Kimono werden neue wertvolle Andenken an einen geliebten Menschen

Japanische Schneiderin verarbeitet die Kimono Verstorbener zu persönlichen Andenken

Die japanische Modedesignerin Sanae Abe bietet einen besonderen Service an, bei dem sie die Kimono verstorbener Personen für deren Angehörige auf Wunsch in Accessoires und andere Gegenstände des täglichen Lebens umarbeitet.

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Die in der Präfektur Shimane lebende Schneiderin beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit der Umarbeitung alter Kimono. Ihre tägliche Arbeit besteht darin, die alten Stoffe für die Gestaltung neuer einzigartiger Kleidungsstücke zu nutzen. Auf diese Weise hat sie in den letzten 20 Jahren bereits 4.000 alten Kimono neues Leben eingehaucht, die sonst wahrscheinlich irgendwann einfach weggeworfen worden wären.

Der „Omoide Box“-Service

Viele Menschen in Japan erben die Kimono ihren Eltern oder auch Schwiegereltern. Ein Geschenk, mit dem die Hinterbliebenen häufig nicht viel anzufangen wissen, weswegen die alten Stücke oftmals in einer hinteren Ecke des eigenen Kleiderschrankes enden. Hier soll der neue „Omoide Box“-Service Abhilfe schaffen.

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Seit März dieses Jahres können Angehörige ihre geerbten Kimono sowie Obi bei der Schneiderin abgeben. Abe hört immer genau zu, wenn diese dabei von den geliebten Menschen, die diese Kimono einst getragen haben, berichten, denn sie möchte den Hinterbliebenen helfen, das perfekte Erinnerungsstück zu schaffen.

Sie selbst bietet 27 unterschiedliche Formen an Andenken und Accessoires an, darunter Taschen, Stofftiere, „Fukusa“-Stoffe, buddhistische Rosenkranzbehälter oder auch Fotoständer.

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Im Schnitt kann sie bis zu zehn neue Gegenstände aus einem alten Kimono schaffen.

Anfangs war die Designerin selbst skeptisch

Abe ist die Leiterin des „Omoideya“-Cafés in Izumo. 2001 machte sie sich selbstständig, bevor sie ihr Geschäft in eine Arbeitergenossenschaft umwandelte.

Inzwischen arbeitet sie mit einigen Spezialisten für traditionelle und westliche Kleidung zusammen, mit denen sie gemeinsam die Kimono umgestaltet. Eine engagierte Gemeinschaft, für die die Qualität ihrer Produkte an höchster Stelle steht.

Als der 63-Jährigen dann vor einer Weile plötzlich die Idee für den „Omoide Box“-Service kam, war sie sich selbst nicht sicher, ob dieser von ihrer Kundschaft gut aufgenommen würde. Immerhin ging es hier um die Kleidung Verstorbener.

Da sie wusste, dass sie sich in diesem Geschäftsfeld nicht genügend auskannte, ließ sie sich von einem Bekannten in einem Bestattungsunternehmen beraten. Dieser stand ihrer Geschäftsidee sehr positiv gegenüber, sodass sie sich ermutigt fühlte, diesen besonderen Service ins Leben zu rufen.

Die traditionelle Schneiderei ist vom Aussterben bedroht

Abe kämpft gemeinsam mit ihrem Team für den Erhalt ihrer traditionellen Handwerkskunst, die viel Geduld und Erfahrung erfordert. Heutzutage gibt es kaum noch Arbeit für traditionelle Schneidereien, da inzwischen Konfektions- und Leihkimonos weitverbreitet sind.

Als zusätzliches Problem erwies sich die Pandemie, die in den letzten Jahren dafür gesorgt hat, dass immer weniger Hochzeiten und Zeremonien zum Coming of Age Day durchgeführt wurden.

Der „Omoide Box“-Service soll neue Kundschaft anlocken und das Interesse der Leute für die Kunst der Schneiderei wiedererwecken.

Die Designerin kommentierte selbst diesbezüglich: „Für einen Kimono ist es am besten, wenn er getragen wird, aber wenn das nicht möglich ist, möchte ich den Staffelstab auf andere Weise an die nächste Generation übergeben.“

Dabei ist die Kimono-Schneiderei längst nicht das einzige Handwerk, das kurz vor dem Aus steht. Viele traditionelle Handwerkskünste in Japan drohen, in Vergessenheit zu geraten. Ein Prozess, der vielerorts schon sehr weit fortgeschritten ist.

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