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HomeNachrichten aus JapanLifestyleManga-Adaption über sowjetische Frauen im Zweiten Weltkrieg wird in Japan immer beliebter

Nach russischem Einmarsch in die Ukraine

Manga-Adaption über sowjetische Frauen im Zweiten Weltkrieg wird in Japan immer beliebter

Auch in Japan ist der Krieg in der Ukraine ein wichtiges Thema, dem sich auf verschiedene Arten genähert wird. Nun wurde eine besondere Manga-Adaption ein Erfolg.

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Es handelt sich dabei um die Adaption des Sachbuchs „Das unweibliche Gesicht des Krieges“ von Swetlana Alexijewitsch. In dem Buch geht es um die Erfahrungen von Frauen, die im Zweiten Weltkrieg im Feldzug der Sowjetunion gegen Deutschland dienten.

Manga zeigt Realität des Krieges

Das Buch stammt aus dem Jahr 1985. Swetlana Alexijewitsch, die Literaturnobelpreisträgerin ist, befragte dafür über 500 Frauen, um ihre Geschichten an der Front zu erzählen.

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Der Manga erzählt sie sorgfältig nach, um die Wahrnehmung des Krieges zu hinterfragen. Tatsächlich gibt es in Japan viele Geschichten über die Erfahrungen von Frauen an der sogenannten „Heimatfront“, also bei der Kriegsarbeit im eigenen Land. Nun gibt es aber auch eine Geschichte über Eindrücke von Frauen, die direkt im Krieg kämpften.

Seit 2020 drei Bände

„Die mündlichen Erzählungen von Frauen, die in den Krieg gezogen sind, sind voller unbekannter Fakten, die die japanische Wahrnehmung des Konflikts erschüttern“, sagt Kentaro Ogino, der die Produktion des Mangas mit dem japanisch übersetzten Titel „Senso wa onna no kao wo shiteinai“ leitet.

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Die Grafiken stammen von Keito Koume und Rasenjin Hayami betreut die Serie. Seit 2020 sind drei Bände erschienen, von denen sich nach Angaben des Verlags Kadokawa Corp. bisher insgesamt 400.000 Exemplare in gedruckter und digitaler Form verkauft haben.

Verkaufszahlen steigen seit Kriegsbeginn an

Die guten Verkaufszahlen sind mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine stark angestiegen. Das Unternehmen hat von Lesern gehört, dass der Manga zeigt, wie die Menschheit seit dem Feldzug der Sowjetunion und dem aktuellen Krieg in der Ukraine im Wesentlichen unverändert bleibt, und dass „es ein Werk ist, das jetzt gelesen werden sollte“.

Die Frauen, die der Manga porträtiert, haben eine Art Unschuldsblick, der die Grausamkeit des Schlachtfelds, auf dem die Menschen ihre Menschlichkeit verlieren, für den Leser noch deutlicher macht.

Geschichten von der Front

In einer der Geschichten geht es um eine Gruppe von Frauen, die einer Einheit zugeteilt sind, die Wäsche wäscht, und die dabei ihre Fingernägel durch die verwendete Seife verlieren. Eine andere Geschichte einer Scharfschützin enthält die prägnanten Sätze: „Im Krieg ist alles komplett schwarz. Blut ist die einzige andere Farbe“.

Kengo Tomoda, stellvertretender Leiter des Flaggschiffs der Buchhandelskette Maruzen in Marunouchi, äußerte die Hoffnung, dass der Comic zum Lesen anregt: „Der künstlerische Stil spricht japanische Leser an, der Inhalt schildert die Härte des Krieges. Ich hoffe, dass diejenigen, die den Comic lesen, auch das Originalbuch zur Hand nehmen und sich tiefer mit dem Thema auseinandersetzen.“

Weitergabe innerhalb von Familien

Der Comic gewinnt auch auf untypische Weise neue Leser, sagte Ogino. „Normalerweise verbreitet sich ein Manga durch Freunde oder andere horizontale Verbindungen, aber diese Serie hat mehr vertikale Empfehlungswege, wie Eltern zu Kindern oder Kinder zu Eltern oder Großeltern. Sie bietet viele Möglichkeiten, über den Krieg zu diskutieren„.

Ogino erwähnte auch das Interesse, das durch den Krieg in der Ukraine geweckt wurde, und sagte: „Das Buch wurde geschaffen, um ein Gefühl für Krieg in Friedenszeiten zu bekommen, wenn das Konzept schwer zu begreifen ist. Es ist traurig, dass es jetzt so viel Aufmerksamkeit erhält. Wir können die Vergangenheit nicht ändern, aber wir können in der Gegenwart handeln. Ich hoffe, der Manga bringt so viele Leser wie möglich zu dieser Erkenntnis.“

Romane über ernste Themen

Swetlana Alexijewitsch ist eine Journalistin und Schriftstellerin, die 1948 in der Sowjetunion in der Ukraine als Tochter eines weißrussischen Vaters und einer ukrainischen Mutter geboren wurde.

Neben ihrem 1985 erschienenen Debüt „Das unweibliche Gesicht des Krieges“ gehört zu ihren bekanntesten Werken „Das Gebet von Tschernobyl“, in dem sie mit Anwohnern, an den Aufräumarbeiten beteiligten Personen und anderen Personen sprach, um die Auswirkungen der Atomkatastrophe von 1986 zu vermitteln. Im Jahr 2015 wurde ihr der Nobelpreis für Literatur verliehen.

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