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Neue Karte von Tattoos-erlaubt-Onsen in Japan veröffentlicht

In Japan sind Tattoos vor allem in den so beliebten heißen Quellen bisher alles andere als gern gesehen. Diese „Diskriminierung“ hat dabei jedoch traditionelle Gründe und kommt nicht einfach aus dem Nichts. Tätowierungen sind, seit es die Verbrecherorganisation Yakuza gibt, ein Zugehörigkeitssymbol gewesen, doch genau das soll sich endlich ändern.

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Ein berühmtes Onsen-Resort bietet eine Online-Karte an, auf der ganz bestimmte heiße Quellen für den User zu sehen sind. Denn mit Blick auf die Rugby-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr ist es immer wichtiger, das Vorurteil gegenüber tätowierten Personen aufzuheben. Da sich die Ansichten bereits immer mehr ändern und alle immer offener gegenüber der Körperkunst sind, gibt es auch immer mehr öffentliche Onsen, die tätowierte Besucher erlauben. Auf dieser neu veröffentlichten Karte sind genau solche Bäder angezeigt. Auf diese Weise ist es auch Tätowierten möglich, ein ganz besonderes Bad in einer heißen Quelle zu nehmen.

Das Stadtbüro von Beppu, eine der Städte in der Präfektur Oita mit den meisten Onsen des Landes, veröffentlichte nun diese Karte. Sie trägt den Titel „100 Tattoos-Erlaubt-Heiße-Quellen“ und ist online verfügbar. Diese Entscheidung basiert vor allem darauf, dass für die anstehende Rugby-Weltmeisterschaft das Verständnis fremder Kulturen und auch widersprüchlicher Traditionen im Mittelpunkt stehen muss. In Neuseeland beispielsweise sind Tattoos viel mehr Teil der traditionellen Kultur und haben nichts mit Verbrecherorganisationen zu tun. Und da eine der Mannschaften, die in Oita während der Meisterschaft spielen, eben die aus Neuseeland ist, ist es ganz besonders wichtig, weder Spieler noch Fans aufgrund kultureller Differenzen auszugrenzen oder gar zu diskriminieren.

Tattoo-freundliche Onsen in Japan
Quelle: Kyodo News

Die Karte nutzt verschiedene Farbsysteme, um die Akzeptanz von Tattoos in der jeweiligen Einrichtung zu repräsentieren

Ein Beamter der Stadt erklärte den Grund und die Wichtigkeit der Entwicklung dieser Karte. „Wir wollen die Menschen, die den ganzen Weg (aus dem Ausland) hierher gekommen sind, nicht enttäuschen.“ Mit dieser Ansicht macht die Stadt den ersten Schritt in eine richtige Richtung des gegenseitigen Verständnisses. Dabei haben sie noch keinerlei Einfluss auf die Angebote selbst genommen. Die Stadt repräsentiert lediglich, welche Angebote es bereits gibt. Und diese zeigen zugleich, dass die of theatralisch dramatisierte „Diskriminierung“ tätowierter Personen nicht so heftig ist, wie es oft scheint. Denn es gibt bereits immer mehr Bäder, die in kleinen, privaten Onsen oder aber auch in allen Bädern Tattoos erlauben. Dennoch ist nicht abzustreiten, dass weiterhin in der Mehrzahl der Bäder ein striktes Verbot für die Körperbemalung gilt.

Auf der Karte sind diese verschiedenen Stufen durch drei Farben visualisiert. Blau gefärbt sind 50 Einrichtungen, 40 andere orange und bloß 10 sind dunkelblau. Das hellere Blau und damit die Hälfte aller Einrichtungen erlaubt Besucher mit Tattoos in allen Bädern. Sowohl in den privaten als auch in den großen, öffentlichen Bereichen. Orange Locations, die ebenfalls einen großen Anteil darstellen, erlauben zumindest tätowierte Gäste in privaten Bädern. In öffentlichen sind sie jedoch weiterhin nicht gern gesehen. Lediglich 10 Bäder sind fast vollständig gegen tätowierte Gäste. In diesen Bädern ist lediglich ein Bad der Hände und Füße in kleinen Wannen erlaubt.

Weiterhin beharren viele Bäder und auch Hotels auf ein striktes Verbot für Tattoos

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Von den mehr als 2.000 heißen Quellen, die es in Beppu gibt, sind auf der Karte bisher nur 100 verzeichnet. Außerdem steht fest, dass etwa 70% der Gasthäuser und Hotels weiterhin ablehnen, ihre Bäder für tätowierte Personen zugänglich zu machen. Der Grund hierfür ist und bleibt die Verbindung zu zwielichtigen Personen oder Gruppen und der immer vorhandene Gedanke an die Yakuza. Besitzer von solchen Unterkünften haben oft Sorge, die Tattoos könnten die meisten anderen Gäste beunruhigen oder sogar vertreiben. Denn für viele ist es nicht einfach, zu unterscheiden, ob die Tinte nun ein Symbol für eine Verbrecherorganisation oder einfacher Körperschmuck ist.

Diese Einstellung ist natürlich für viele ausländische Touristen ein Problem. Die meisten haben von den berühmten heißen Quellen gehört und möchten sie entsprechend auch selbst austesten. Dies gestaltet sich in einigen Fällen sehr schwierig, wenn Hotels, Gasthäuser und auch öffentliche Bäder es aufgrund von Tattoos nicht zulassen. Entsprechend enttäuscht und angegriffen fühlen sich viele nach einem solchen Erlebnis. Doch genau dies versucht die Regierung der Stadt Beppu nun zu ändern. Sie wollen bald damit beginnen, Besitzer von heißen Quellen davon zu überzeugen, ihre strikten Verbote zu lockern oder gänzlich abzuschaffen, um so jedermann die Freude eines erholsamen Onsen-Besuchs zu ermöglichen.

Quelle: KyodoNews

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