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Traditionelle Zubereitung wird am Leben erhalten

Yaki-imo mit Stil und Geschmack

Schon seit dem 17. Jahrhundert sind geröstete Süßkartoffeln 焼き芋 (Yaki-Imo) ein fester Bestandteil der japanischen Küche. Als preisgünstiges Grundnahrungsmittel dienten sie sowohl als Ersatz für den teureren Reis, als auch als beliebter Snack.

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Gegen 1900 gab es in der Präfektur Tokyo 1.406 Geschäfte nur für geröstete Süßkartoffeln. Diese Entwicklung fand jedoch ein jähes Ende, als 1942 zum Pazifik Krieg Süßkartoffeln unter das Lebensmittelkontrollgesetz fielen und die meisten Läden geschlossen werden mussten.

Wiedergeburt als Streetfood

Erst 1950 erlebte die Süßkartoffel ihre Wiedergeburt als Streetfood, als die ersten mobilen Geschäfte 石焼きいも屋 (Ishi-yaki-imo-ya) auftauchten, in denen die Kartoffeln in einem Steinofenkessel auf einem Karren und später kleinen LKWs vor Ort zubereitet und verkauft wurden.

Auch diese erlangten schnell Popularität. Mitte der 60‘er Jahre waren alleine in Tokyo mehr als 1000 dieser mobilen Verkaufsstände aktiv unterwegs, und Yaki-Imo wurden zum Mainstream.

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Mit steigenden Preisen und der Zunahme von Fast-Food-Ketten nach der Expo in Osaka 1970 fand dieser Trend langsam ein Ende. Heute sind sie auf den Straßen ein eher seltener Anblick geworden.

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Aber gerade für viele Ältere sind Süßkartoffelverkäufer immer noch gleichbedeutend mit dem nostalgischen Gefühl des Winters. Da die besondere Süße, die durch die Zersetzung von Stärke in Maltose entsteht, nur durch eine gleichmäßige Erhitzung auf ca. 200 Grad für über eine Stunde erzeugt werden kann, stoßen aber auch heute noch moderne Geräte wie Mikrowellen an ihre Grenzen.

Zur Zubereitung wird ein spezieller Steinbackofen benötigt, in dem die Süßkartoffeln extra zubereitet werden können.

„Oimo, oimo, Ishi Yaki-imo“

In Kyoto stellt sich ein 30-jähriger Mann namens Tomohiro Takemura erfolgreich gegen den modernen Zeitgeist und setzt diese alte Tradition fort.

Vor fünf Jahren startete er mit einem umgebauten Minilastwagen und unterstützt durch das Werbelied „Oimo, oimo, ishi-yaki-imo“ (Süßkartoffel, Süßkartoffel, Steinofensüßkartoffel), das aus einem Lautsprecher ertönt, sein eigenes Geschäft.

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Geboren in Otsu, studierte er an der Kyoto Sangyo University. Als der Großvater eines Mitbewohners sein langjähriges Yaki-Imo Geschäft schließen wollte, beschloss Takemura, dessen Lehrling zu werden.

Bei ihm lernte er die Grundlagen des Yaki-Imo Geschäfts, wie zum Beispiel das Rösten der Kartoffeln, um dann am Ende selber diesen Beruf zu ergreifen.

Natürlich ist auch sein Geschäft derzeit den besonderen Schwierigkeiten der Corona Pandemie (fehlende Straßenfeste, fehlender Tourismus und wirtschaftliche Probleme in Kyoto) ausgesetzt.

Trotz allem liebt er seinen Beruf. Zum einen, weil er durch sein Geschäft engen Kontakt zu seiner Kundschaft hat, zum anderen, weil sein Yaki-Imo Wagen bei Kunden jeden Alters und Geschlechts so beliebt ist.

Eine leuchtende Ladefläche

Dabei verlässt er sich nicht nur auf die Wirkung seines Süßkartoffel-Rufs, der aus dem Lautsprecher kommt. Auch sein stilvolle umgebauter Minilastwagen (der an ein modernes Kunstwerk erinnert) soll seinen Beitrag zum Gesamteindruck leisten.

Dessen Ladefläche wurde daher unter der Verwendung von Holz und FRP (faserverstärkten Kunststoff) so umgebaut, dass er eine traditionelle Form erhielt, die an die schummerig leuchtenden Papierlaternen erinnern soll, ohne die in Japan kein traditionelles Restaurant oder Straßenfest auskommt.

Seine Runden dreht Takemura damit hauptsächlich in den Bezirken Sakyo, Ukyo, Fushimi sowie in der Stadt Uji in der Zeit von Oktober bis April. Dabei nimmt er auch Lieferaufträge entgegen, wenn er in der Nähe ist.

Live Standort per Twitter

„Ich finde es bereichernd, wenn ich zum Beispiel sehe, wie Schüler auf dem Heimweg ein Yaki-Imo miteinander teilen“, sagt er. Am liebsten würde er mehrere Fahrzeuge betreiben und gleichzeitig damit den Austausch zwischen den lokalen Gemeinschaften durch seine Süßkartoffeln weiter fördern.

Zusätzlich nutzt er auch soziale Medien wie Facebook, Instagram oder Twitter, um für sich zu werben und neue Kundschaft zu gewinnen.

Auf seinem Twitter-Konto kann zum Beispiel live verfolgt werden, wo sich sein Verkaufsstand grade befindet und wohin er sich als nächstes begeben wird.

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