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Medikamentenwahnsinn in Japan belastet das Gesundheitssystem

Ärzte verschreiben zu viel und viel zu gerne Medikamente

Das japanische Gesundheitssystem leidet unter der alternden Bevölkerung. Um die Kosten tragen zu können, wurde bereits die Verbrauchsteuer in Japan erhöht. Das Problem sind allerdings nicht die immer älter werdenden Menschen, sondern die Tatsache, dass das Gesundheitssystem gerade von diesen Menschen sehr oft in Anspruch genommen wird.

Japan versucht bereits seit längerem die übermäßige Beanspruchung zu verhindern, da jedoch ältere Menschen für Behandlungskosten weniger aus der eigenen Tasche bezahlen müssen, als zum Beispiel Arbeitnehmer, ist das gar nicht so einfach. Auch Mediziner sind ein Teil des Problems, da sie oft zu unnötigen Behandlungen raten, aber da das Gesundheitssystem die Kosten trägt, ist dies eine lukrative Einnahmequelle.

Rückgabe von Medikamenten könnten das japanische Gesundheitssystem entlasten

Also werden auch weiterhin viele unnötige Behandlungen empfohlen und fröhlich Medikamente verschrieben, was auch Arzneimittelherstellern und Apotheken gefällt.

Tatsache ist allerdings, dass viele der verschriebenen Medikamente zwar besorgt werden, dann aber ungenutzt liegen bleiben. Wenn die Beschwerden des Patienten nicht auf einen chronischen Zustand zurückzuführen sind, wird die Einnahme abgebrochen, wenn die Symptome weg sind.

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Eine Idee wäre es, diese Medikamentenreste (zan’yaku) einfach in eine Sammelstelle zu geben, damit sie wiederverwendet werden können. Dagegen sprechen sich natürlich Arzneimittelhersteller aus. Kein Wunder wie ein Artikel der Tokyo Shimbun zeigt. Laut des Artikels schätzt eine Forschergruppe der Universität Kyushu, dass diese Wiederverwertung der Medikamente, die medizinischen Kosten um 330 Milliarden Yen pro Jahr senken könnte.

Die Zeitung schrieb in ihren Artikel darüber, dass drei Arzneimittelverbände, darunter einer in Tokyo, ein Rücknahmesystem für Medikamente testet. Die Medikamente werden registriert und die zuständigen Ärzte informiert, dass ein zuvor verschriebenes Medikament zurückgegeben wurde.

Doch auch dieses System hat seine eigenen Probleme, denn es ist betrugsanfällig. Trotzdem sind die Einsparungen beachtlich.

Und noch eine Pille …

Ein weiteres Problem, das die Kosten für das Gesundheitssystem in Japan in die Höhe treibt, ist, dass Ärzte und auch Apotheken oft viele Medikamente empfehlen, die man gemeinsam einnehmen soll. Das bringt natürlich der Pharmaindustrie Geld und davon profitieren wiederum die Ärzte und Apotheken.

Hier wiederum kann es aber zu unvorhergesehenen Nebenwirkungen kommen, da nicht jedes Medikament mit einem anderen gut zusammenspielt. Ärzte müssen also genau wissen, was sie da eigentlich verschreiben. Die Tokyo Shimbun beschrieb dieses Problem in einem weiteren Artikel.

In dem Artikel zeigt ein 84-jähriger Mann aus Tokyo der Zeitung seinen großen Vorrat an Medikamente. Er besucht regelmäßig zwei Krankenhäuser, die ihm zusammen acht Medikamente verschrieben hatten. Für die Probleme mit seinem Knie gab es noch einmal drei Medikamente obendrauf.

Im Oktober fiel der Mann die Treppe hinunter und musste in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Es stellte sich heraus, dass zwei, der 11 Medikamente, Müdigkeit als Nebenwirkung hatten. Der Sohn rief daraufhin die Apotheke an, um nachzufragen, wieso sein Vater darauf nicht hingewiesen wurde.

Die Apotheke gab zu, den Mann nicht vernünftig aufgeklärt zu haben.

Kaufen, schlucken und sich wohlfühlen

Das Problem der vielen Medikamente ist allerdings nicht nur auf verschreibungspflichtige Produkte beschränkt. Häufig nehmen Menschen rezeptfreie Medizin und Nahrungsergänzungsmittel ein, die gefährlich auf verschreibungspflichtige Medikamente reagieren können. Die OTC-Branche ist allerdings ein Milliardengeschäft und geizt nicht gerade mit Provisionen. Unternehmen, die an diesen Herstellern beteiligt sind, sind zum Beispiel DHC Corp. und andere große Firmen, die große Werbekunden für japanische Medien sind, daher wird darüber lieber nicht berichtet.

Der japanische TV-Sender NHK, der keine Werbung ausstrahlt, sorgte am 22. Oktober mit einer Sendung für Aufsehen. In der Sendung wurde über das Risiko berichtet, das man hat, wenn man zu viele Medikamente auf einmal einnimmt.

Laut einer Umfrage von NHK nehmen 24 Prozent der 75-Jährigen in Japan sieben oder mehr Medikamente ein. Je mehr sie einnehmen, desto wahrscheinlicher sind die Nebenwirkungen.

Medikamente, die der Patient gar nicht braucht

Das Problem besteht darin, dass so Probleme verursacht werden, die ein Arzt möglicherweise nicht mit herkömmlichen Mitteln diagnostizieren kann, da er wahrscheinlich nicht alle dieser Mittel kennt. Da kann es schnell passieren, dass er halt noch etwas verschreibt, um das Problem zu bekämpfen.

Der Shukan Asahi schrieb erst vor Kurzem einen Artikel, die besagt, dass zwei der häufigsten chronischen Erkrankungen in Japan, Bluthochdruck und hoher Cholesterinspiegel, überdiagnostiziert sind. Ärzte verschreiben dagegen fleißig Medikamente, die man oft aber gar nicht braucht und schädlich sein könnten.

Alle diese Fälle zeigen, dass das japanische Gesundheitssystem gar nicht so stark durch die alternde Bevölkerung belastet ist. Der Medikamentenwahnsinn treibt die Kosten in die Höhe.

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