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Medizinische Beratungsstelle in Japan leitet Beschwerden direkt an Ärzte weiter

Wer Schön sein will, muss leiden und sich gut überlegen mit wem er darüber spricht.

Eine Organisation, die Patienten kosmetischer Eingriffe berät, gab regelmäßig die Beschwerden der Patienten, die nach einer Operation kamen, an die behandelnden Ärzte und Kliniken weiter. Jetzt hagelt es Klagen wegen des schlampigen Umgangs mit den personenbezogenen Daten der Patienten.

Die japanische Gesellschaft für ästhetische Chirurgie (Japan Society of Aesthetic Surgery, JSAS) ist ein allgemeiner Verein, bestehend aus 958 Ärzten und Kliniken. Die Organisation betreibt eine kostenlose Beratungsstelle für Patienten, die nach einem kosmetischen Eingriff Probleme haben. Alle weitergegebenen Daten stammen von dieser Stelle.

Ein Verantwortlicher der JSAS erklärte, die Beratungsstelle sei eingerichtet worden, um Patienten mit gesundheitlichen Problemen weiterzuhelfen und Kliniken die Möglichkeit zu geben, ihren Service zu verbessern. Man ging davon aus, dass solange Namen und Adresse der Patienten geschwärzt wären, es sich nicht um personenbezogene Daten in den Berichten handele.

Das Problem bei den weitergegebenen Beschwerden ist aber, dass auch ohne Namen die Details noch aussagekräftig genug waren, um die Schreiben einem Patienten zuzuordnen. Diese Informationen landeten ungefiltert bei den Ärzten und Krankenhäusern.

So wandte sich eine Frau 2018 an die JSAS, da sie nach einer Brustvergrößerung in einer Klinik mit einer Infektion zu kämpfen hatte. Obwohl sie damit erneut in dem Krankenhaus vorstellig wurde, verschwanden weder die Schmerzen noch die Schwellungen. Bei der Beratungsstelle fragte sie nach anderen Kliniken, die ihre Symptome behandeln könnten. Die Patientin hatte von der JSAS auf ihre Beschwerde nie eine Antwort erhalten, stattdessen meldete sich das Krankenhaus, das die Brustvergrößerung durchgeführt hatte.

Anstatt der Beratungsstelle meldete sich die Klinik

Ein Angestellter fragte sie direkt, ob sie die JSAS kontaktiert hätte. Die Frau erklärte, sie hätte dort nach Informationen gefragt. Der Anrufer sagte daraufhin, dass die Beschwerden an die Kliniken weitergeleitet werden, die Patientin hätte sich also direkt an das Krankenhaus wenden sollen.

Die Frau erklärte, sie sei entsetzt gewesen, dass die Informationen direkt an die Klinik weitergegeben wurden. Sie habe sich der JSAS anvertraut, weil sie auf qualifizierte Hilfe hoffte. Seit 2013 bietet die JSAS über ihre Webseite den kostenfreien Beratungsservice für Patienten nach kosmetischen Operationen an.

Arzt, Medizin
Bild: すしぱく

Über ein Online-Formular auf der Webseite der JSAS kann man seine Beschwerde melden. Dieses fragt nach dem Namen, der Adresse, Alter, der behandelnden Klinik und dem Arzt sowie dem Ort der Behandlung. Gleichzeitig muss man auch seine E-Mail-Adresse angeben. Die JSAS versprach die Anfragen an kompetente Berater weiterzuleiten.

Die JSAS ließ durchblicken, dass sie jährlich etwa 100 Beschwerden erhalten würde. Meistens gehe es darin um gesundheitliche Probleme nach einem Eingriff oder die Patienten hätten Fragen zur Rechnung der Ärzte. Nachdem die persönlichen Daten kaschiert wurden, leitete die JSAS die Anfragen an Berater weiter.

Wenn dabei auffiel, dass eine bestimmte Klinik namentlich erwähnt wurde, leiteten die Berater den Bericht an das entsprechende Krankenhaus weiter. Die Patienten wurden nicht nach ihrem Einverständnis gefragt. Manchmal sollen die Ärzte, die als Berater tätig waren, dieselben gewesen sein, die die ursprüngliche Operation durchführten. In wie vielen Fällen die JSAS die Informationen der Patienten an die Kliniken weitergab, ist noch nicht schlussendlich geklärt.

Arzt beschimpft Patient

Im Herbst 2018 fiel die fragwürdige Praxis auf, nachdem ein Mann von seinem Arzt beschimpft wurde, nachdem er die JSAS konsultiert hatte. Der Patient wollte von der Organisation wissen, wie mit seinen persönlichen Daten umgegangen wird. Nach einer juristischen Konsultation erfuhr die JSAS, dass ihr Verwahren möglicherweise gegen das japanische Gesetz zum Schutz personenbezogener Daten verstößt. Daraufhin stellte die Organisation im November die Weitergabe der Anfragen an die Kliniken erst einmal ein.

Seitdem erhalten die Patienten nur noch eine Antwort direkt von einem Berater der JSAS. Gegenüber den Medien erklärte die JSAS, dass sämtliche personenbezogene Daten inzwischen anonymisiert werden und man weitere Schritte plant, um die Identität der Patienten, die sich mit Beschwerden an die Organisation wenden zu schützen.

Aktuell nimmt die JSAS auch Anfragen entgegen, die nur eine E-Mail-Adresse und einen Nick-Namen oder Kürzel tragen. Ob diese Modifikationen ausreichen, das zerstörte Vertrauen der Patienten wieder zurückzugewinnen, bleibt fraglich.

Quelle: AS

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